Werbeverbot ungesunder Lebensmittel für Kinder und Jugendliche

22. Februar 2024

mit Rita Hagl-Kehl MdB, Berichterstatterin für das geplante Werbeverbot der SPD-Fraktion, und Prof. Dr. Pablo Steinberg, Präsident des Max-Rubner-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

In Fortsetzung des GWD-Fachforums Ernährungswirtschaft haben wir gemeinsam mit einer hochrangigen Runde aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über das Gesetzesvorhaben zu klaren Vorgaben für an Kinder gerichteter Lebensmittelwerbung diskutiert. Aus der Politik durften wir uns dabei auf einen Impuls von Rita Hagl-Kehl MdB, zuständige Berichterstatterin für das geplante Werbeverbot der SPD-Fraktion, freuen. Aus der Wissenschaft begleitete ein Impuls von Prof. Dr. Pablo Steinberg, Präsident des Max-Rubner-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, die Veranstaltung.

Unter Moderation von Christian Forster, Programmleiter des Grünen Wirtschaftsdialogs, wurde deutlich, dass keine generalisierenden Aussagen über die Effektivität von bisherigen Selbstregulierungen möglich ist, da viele Faktoren die Gesundheit von Kindern beeinflussen. So spielen Einflüsse der Eltern, insbesondere der Mütter, bereits während der Schwangerschaft wie auch in der Stillzeit eine wichtige Rolle. Einigkeit herrschte darüber, dass die Folgekosten ungesunder Ernährung für die Krankenkassen, aber auch die wirtschaftliche Produktivität enorm sind und vermieden werden sollten. Als wichtigste Stellschraube im gesamtgesellschaftlichen Kontext wurde hier die Bildung als Faktor für eine gesunde Lebensweise eruiert. Dennoch möchte die Bundesregierung keine generelle „Erziehung“ der Bevölkerung vornehmen, sondern lediglich ein etwaiges Werbeverbot für spezifische Werbung für Kinder und Jugendliche durchsetzen. Fraglich ist nun, wie eine umfänglich geltende Definition von „kindertypischen Inhalten“ lauten kann.

Prof. Dr. Pablo Steinberg erklärt wann der Grundstein für Kinderernährung gelegt wird:

„Ernährungsmuster entwickeln sich in den ersten Lebensjahren des Kindes und beeinflussen spätere Ernährungsmuster. Präventive Interventionen zur Verbesserung der Ernährungsqualität sollten sich insbesondere auf die frühe Kindheit konzentrieren.“

Weitere Veranstaltungen

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11.05.2021
2. Fachforum Altersvorsorge
Nachdem das Forum im vergangenen Jahr den Austausch zur Weiterentwicklung des Alterssicherungssystems begonnen hat, sollten in der zweiten Sitzung speziell zwei Themenfelder stärker in den Fokus genommen werden: 1. Wie kann der von Bündnis 90/Die Grünen geforderte Bürgerfonds konkret aussehen? 2. Welche gesellschaftliche Rolle hat die private Altersvorsorge und welche Perspektive gibt sie? Aus der grünen Bundestagsfraktion waren Sprecher für Rentenpolitik Markus Kurth, MdB und Sprecher für Arbeitsmarktpolitik und Europäische Sozialpolitik Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, MdB an der Diskussion beteiligt. Einigkeit herrschte darüber, dass Beratung ein zentraler Punkt im Bereich Altersvorsorge ist, da die meisten Bürger:innen sich zu wenig mit diesem Thema beschäftigen. Die Frage, ob eine Reform des bestehenden Systems ausreicht, um eine bessere Alterssicherung zu gewährleisten, oder ein neues Instrument wie der Bürgerfonds eine maßgebliche Verbesserung mitbringen würde, wurde jedoch nicht abschließend geklärt. Das Fachforum plant daher, die unterschiedlichen Positionen in einem Diskussionspapier abzubilden und den Austausch in einer dritten Sitzung fortführen.
17.04.2024
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die 2023 in Kraft getretene Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU stellt viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Gemeinsam mit Christoph Töpfer, Experte zu diesem Thema beim Umweltbundesamt, sowie Patrick Schöpflin, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsfeld Unternehmen, Wertschöpfungsketten und Konsum am IÖW und GWD-Vorständin sowie Wirtschaftsprüferin Barbara Hoffmann haben wir diskutiert, welche Hürden die Umsetzung der CSRD-Richtlinie in der Praxis mit sich bringt und welche Lösungsansätze es hierfür bereits gibt. Dabei standen vor allem die Synergiepotenziale zwischen deutscher und europäischer Nachhaltigkeits- und Lieferkettenberichterstattung im Zentrum der Veranstaltung. Darüber hinaus wird oft diskutiert, wie und ob sich die Berichtspflichten des Lieferkettensorgfaltspfichtengesetzes mit den Nachhaltigkeitsberichtspflichten der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und der CSRD überschneiden bzw. integrieren lassen. Dazu hat Töpfer eine Studie seines Hauses vorgestellt, die insbesondere diese Synergiepotenziale eingeht. Er betonte in seinem Vortrag zudem die Vorteile der Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen selbst: „Die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD wird ein Datenschatz – nicht nur für die Finanzmärkte. Auch der Politik wird sie wertvolle Informationen zum Fortschritt bei der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft liefern. Wenn die Unternehmen sehen, dass ihre Berichte auch umfänglich genutzt werden, wird die aktuelle Bürokratiediskussion schnell abflachen.“ >Zum Download der Studie<
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik
04.07.2022
GreenTeaTimeTalk – Neuorientierung in der Außenwirtschaft
Nach über zwei Jahren pandemiebedingter Pause konnte am 4. Juli endlich unser zweiter GreenTeaTimeTalk mit dem Titel “Ein Handels- und Finanzsystem jenseits der WTO? Zur Neuorientierung in der Außenwirtschaft” stattfinden. Wir haben zum Panel-Talk eingeladen, um die Herausforderungen, die dieses hochaktuelle Thema mit sich bringt, von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Gleichzeitig ist es unser Ziel gewesen, Wege aufzuzeigen, wie ein resilientes internationales Handels- und Finanzsystem im Angesicht der aktuellen, aber auch zukünftigen Krisensituationen ausgestaltet werden kann. Als Panelist:innen konnten wir Stormy-Annika Mildner, Reinhard Bütikofer und Jörg Asmussen gewinnen. Im Fokus standen dabei außerdem mehrfach die Chancen und Möglichkeiten eines Plurilateralismus: Dieser beschreibt den Schluss von zwischenstaatlichen Abkommen mit diversen Partnerstaaten – diese Diversifizierung des Handels vermeidet einseitige Abhängigkeiten und verringert Klumpen-Risiken. Auch die enge Verflechtung zwischen Handels- und Finanzsystemen wurde zum Thema. Dr. Stormy-Annika Mildner Dazu Dr. Stormy-Annika Mildner: „Handel hat über Jahrzehnte zu mehr Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Arbeitsplätzen beigetragen – in der EU und weltweit. Zu hohe Abhängigkeiten von einzelnen Ländern und Produzenten ist jedoch gefährlich. Dies gilt umso mehr in einem sich gewandelten geopolitischen Umfeld. Unternehmen und Regierungen tragen gemeinsam Verantwortung, resiliente Handelsbeziehungen aufzubauen. Dabei sollten alle Instrumente der EU-Handelspolitik zum Einsatz kommen: Unilaterale, bilaterale und multilaterale.“     Jörg Asmussen Auf Letztere wies auch Jörg Asmussen hin: „Durch die aktuelle Krisensituation mit steigenden Preisen für Nahrungsmittel und Energie wird die enge Verwebung von Handels- und Finanzsystemen deutlich. Sehen wir uns die internationale Verwendung von Währungen im Handel an, wird klar, dass der US-Dollar mit 66% weiterhin das dominante Zahlungsmittel im globalen Handel ist. Der Euro ist mit knapp 25 Prozent die zweitwichtigste Währung. Auf den japanischen Yen entfallen knapp 9 Prozent und auf den chinesischen Renminbi 2 Prozent. Während der Handel sich global fragmentiert und die Rolle großer Schwellenländer deutlich zugenommen hat, ist das „Bezahlsystem“ klar US-Dollar dominiert, mit Zuwächsen für die europäische Gemeinschaftswährung.“   Reinhard Bütikofer Reinhard Bütikofer zeigte die Relevanz der politischen Dimension beim Abschluss internationaler Handelsabkomen auf: „Wir befinden uns in einer Umbruchsituation, in der allein ökonomische Gesichtspunkte bei dem Abschluss von Handelsabkommen nicht mehr ausreichend sind. Staat und Unternehmen müssen dem Primat der Politik zur Geltung verhelfen, um gemeinsam Verantwortung in der globalen Krise zu übernehmen.“     Über die Panelist:innen: Dr. Stormy-Annika Mildner – Direktorin des Aspen Institute Deutschland Jörg Asmussen – geschäftsführendes Präsidiumsmitglied und Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) Reinhard Bütikofer – MdEP (Grüne/EFA), Mitglied im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten (AFET), außenpolitischer Sprecher der Grünen/EFA; stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Internationalen Handel (INTA); Vorsitzender der Delegation des EP für die Beziehungen mit der Volksrepublik China