Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Erfolgsfaktor für den Arbeitsmarkt der Zukunft

15. September 2023

Der Arbeitsmarkt der Zukunft steht vor großen Herausforderungen, wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel. Daher wird es umso wichtiger, bereits ausgebildete und eingearbeitete Fachkräfte in ihren Positionen zu halten. Darüber hinaus ist die Attraktivität von Unternehmen mit familienfreundlichen Strukturen ...

(c) Sonja Macholl

Sowohl der demographische als auch gesellschaftliche Wandel bringen große Herausforderungen für den Arbeitsmarkt der Zukunft hervor. Daher widmete sich das Fachforum Neue Arbeit & Neue Qualifikation mit Nina Stahr MdB (Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied im Familienausschuss, seit 2021 im Bundestag) und Marcus Lueger (Geschäftsführer Finanzen DACH Sanofi-Aventis Deutschland GmbH) am vergangenen Freitag dem Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Erfolgsfaktor für den Arbeitsmarkt der Zukunft“.

Der Arbeitsmarkt der Zukunft steht vor großen Herausforderungen, wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel. Daher wird es umso wichtiger, bereits ausgebildete und eingearbeitete Fachkräfte in ihren Positionen zu halten. Darüber hinaus ist die Attraktivität von Unternehmen mit familienfreundlichen Strukturen höher, wodurch mehr qualifizierte Arbeitskräfte zusätzlich gewonnen werden können. Außerdem möchten immer mehr Frauen ihre Stellen nicht für die Familiengründung aufgeben, weshalb Anreize für Väter geschaffen werden müssen, Elternzeit zu nehmen. Dies fördert die Verbundenheit der Mitarbeitenden zum Unternehmen und verhindert Diskriminierung aufgrund von Fürsorgeverantwortung. Verschiedene Modelle wie das 8-8-8-Modell und Freistellungen nach der Geburt für Väter erhöhen die Wiedereinstiegsquote von Eltern, vor allem Müttern stark.

Nina Stahr MdB betonte außerdem den Effekt von familienfreundlichen Strukturen im Unternehmen auf die Gleichstellung: „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als Bildungs- und Familienpolitikerin arbeite ich an Anreizen und Angeboten für junge Paare sich Sorgearbeit paritätisch aufzuteilen und an einem gesellschaftlichen Klima, das diese Entscheidung unterstützt. Ich sehe hier einen wichtigen Hebel für Gleichberechtigung, Steigerung des Fachkräftepotentials und dem Kampf gegen Altersarmut bei Frauen.“

Marcus Lueger stellt die eigenen Maßnahmen und Erfahrungen aus der unternehmerischen Praxis bei Sanofi: “Wir glauben fest daran, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur ein sozialer, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil ist. Bei Sanofi setzen wir daher auf aktive Vaterschaft als Grundhaltung und bieten unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit, 14 Wochen Familienzeit bei vollem Lohnausgleich zu nehmen, sei es bei Geburt oder Adoption. Insbesondere unsere Väter nehmen dieses Angebot sehr gut an. Dadurch stärken wir nicht nur die Bindung unserer Mitarbeitenden zum Unternehmen, sondern steigern auch unsere Arbeitgeberattraktivität. Im Sinne einer gelebten Corporate Social Responsibility reden wir nicht nur, sondern haben gehandelt.“

Zum Arbeitsfeld Neue Arbeit/ Neue Qualifikation.

 

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18.06.2024
Lehren aus dem Wirtschaftsnobelpreis für den Arbeitsmarkt & eine transformative Unternehmenskultur
Hindernisse abräumen: Das Potenzial von Frauen für den Arbeitsmarkt Wie können wir das volle Potenzial von Frauen auf dem Arbeitsmarkt mobilisieren? Das war die Leitfrage einer hochrangig besetzten Diskussion des Grünen Wirtschaftsdialogs diese Woche unter anderem mit der Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels kann Deutschland es sich nicht leisten, auf einen wichtigen Teil seiner Talente zu verzichten. Diskutiert wurde viele Elemente einer Lösung, vom Ausbau der Kinderbetreuung bis zur Abschaffung des steuerlichen Ehegattensplittings. Die Hindernisse insbesondere für Frauen auf dem Arbeitsmarkt, gerade mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sind weiterhin hoch, erklärte Gabriele C. Klug,  Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsdialogs, der aktuell mit der Wirtschaftsvereinigung der Grünen fusioniert. Diese Barrieren seien „einer der Hauptgründe für die schlechten Wachstumszahlen, die rückläufige Innovationskraft und die abnehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit“, so Klug – und verwies auf die Forschungsergebnisse von Claudia Goldin von der Harvard Universität, die aktuelle Trägerin des Wirtschaftsnobelpreises. Nötig sei ein Kulturwandel. Ein Kernthema ist die Flexibilität, sagte Schnitzer in ihrer Keynote (die Präsentation finden Sie weiter unten). Der Arbeitsmarkt belohnt lange Arbeitszeiten, besonders im Bereich der höheren Löhne. Flexiblere Jobs werden geringer entlohnt. Die zwischen Männern und Frauen ungleich verteilte Sorgearbeit ist ein Grund für die Verteilung am Arbeitsmarkt: Männer machen unflexiblere Jobs mit längeren Arbeitszeiten, Frauen flexiblere Jobs mit kürzeren Arbeitszeiten. Dies führt zu einem weiter hohen Gender Pay Gap und damit zu Fehlanreizen. Insbesondere in Deutschland führt die Geburt des ersten Kindes bei Frauen, nicht bei Männern, zu einem drastisch sinkenden Einkommen, und zwar auf Dauer. Etwa in Schweden ist dieser Effekt viel weniger stark, aber auch in Ostdeutschland. Wichtig seien Vorbilder, erklärte Sigrid Nikutta, Vorständin Güterverkehr der Deutschen Bahn AG und DB Cargo AG. Bei der Bahn gebe es 30% Frauen in Führungspositionen, Ziel sei die Parität. In Skandinavien, sagte Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der AllBright Stiftung, gebe es eine andere Arbeitszeitkultur – auch Führungskräfte könnten sich um Familie kümmern. Notwendig sei ein umfassender Ausbau der Kinderbetreuung, vor allem auch der Betreuungszeiten, betonte Gisela Erler, eine der Pionierinnen bei diesem Thema, Unternehmerin und Staatsrätin a.D. Diversität sei auch ein essentieller Faktor für Nachhaltigkeit, unter anderem weil sie zur Innovationsfähigkeit beiträgt, sagte Christian Berg vom Club of Rome. Das Gespräch moderierte Christina Bösenberg von @BCG Brighthouse. Weitere Dialogformate folgen – wir bleiben dran an diesem für Deutschlands Wirtschaft so relevanten Thema. Helfen kann auch der Austausch zu Best Practices in Unternehmen. Lilly Deutschland hat gute Erfahrungen mit geteilter Führung gemacht – Job Sharing mit zwei Personen in Teilzeit auf einer Leitungsfunktion, erklärten Lena Jurich und Stefanie Möller. Der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz habe eine eigene Kindertagesstätte und Langzeitarbeitskonten, berichtete Brigita Jeroncic. Wichtig sei die Flexibilisierung der Arbeitszeiten, so die Erfahrung der Berliner Stadtreinigung, sagte Stefanie Hansen-Heidelk. Das ermögliche eine bessere Verbindung von Job und Familie oder Pflege. Für alle, aber real vor allem für die im Unternehmen so wichtigen Frauen.
Arbeitsmarkt und Demografie
24.10.2023
Regionalforum Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland
Am 24. Oktober fand ein weiteres Regionalforum Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland statt, dieses Mal in Mainz und mit dem Fokusthema „Entbürokratisierung der Regionalen Energiewende“. Von politischer Seite durften wir Michael Hauer, Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz, sowie Fabian Ehmann MdL, Sprecher für Energie und Klima, Waldpolitik, Gründungen, Europa & eine Welt sowie Jugendpolitik der Grünen Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz, als Impulsgebende begrüßen. Aus der Wirtschaft stellte Felix Bethmann, Leiter Hauptstadtbüro, Corporate Affairs & Communications Manager bei JT International, ein Kooperationsprojekt vor, das als Best Practice weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit für die Möglichkeiten der regionalen Energiewende schafft. Moderiert wurde die Veranstaltung von Gabriele C. Klug, 2. Vorsitzende des GWD. StS Michael Hauer ging in seinem Impulsvortrag auf einige der wichtigsten Aufgaben zur Beschleunigung der Energiewende ein: „Wenn wir von Regionaler Energiewende sprechen, sprechen wir zwangsläufig auch von der Stärkung von wirtschaftlichen Standortfaktoren. Es muss daher klar sein, dass wir die Infrastruktur für erneuerbare Energien parallel zu den Produktionskapazitäten aufbauen müssen, ein nacheinander können wir uns nicht leisten. Die Bedarfe der Industrie sind ebenso von zentraler Bedeutung, wie die Bedarfe der Endverbraucher*innen. Ebenso ist klar, dass nicht alles über staatliche Förderung laufen kann. Die Politik muss jedoch Rahmenbedingungen schaffen, die sich in viel höhere Anreize für Investments in die Energiewende übersetzen. Einer der wichtigsten Faktoren dabei ist die Planbarkeit. In diesem Kontext ist die Einbindung der Wirtschaft und der Industrie in der Ermittlung der erforderlichen harten und weichen Faktoren unerlässlich. In Rheinland-Pfalz können wir im Rahmen der Ermittlung der Sektorziele und der Wasserstoffbedarfe als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr Planungssicherheit auf einer sehr konstruktiven Zusammenarbeit zurück blicken.“ In der Diskussion gemeinsam mit Wirtschaftsvertreter:innen aus der Region wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass es an vielen Stellen eine Übergangsregulatorik braucht, damit Projekte der Energiewende nicht unnötig gebremst werden. Ein weiterer Schwerpunkt war die zentrale Rolle der Netze und dass eine intensivere Kommunikation zwischen lokaler Ebene und überregionalen Überträgern notwendig ist, um den Netzausbau besser planen zu können. Nicht zuletzt wurde herausgehoben, dass eine frühzeitige Einbindung der lokalen Bevölkerung in Projekte der Energiewende ein wichtiger Faktor für deren Erfolg darstellt. Fabian Ehmann MdL betonte die Rolle von Erneuerbaren Energien als Standortfaktor: „Umfragen belegen, dass die Akzeptanz in Rheinland-Pfalz für den Ausbau von Erneuerbaren Energien sehr hoch ist.* Das Bewusstsein dafür wächst, dass grüner Strom nicht nur dem Klimaschutz dient, sondern ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft geworden ist. Für die Umsetzung der Regionalen Energiewende braucht es nun neue Bündnisse zwischen Unternehmen, Kommunen und Kapitalgebern. Dabei können regionale Energieflüsse auch regionale Finanzflüsse stärken und somit die gesamte Wertschöpfung in der Region steigern.“ *Forsa-Studie „Akzeptanz von Wind- und Solarenergie in Rheinland-Pfalz“ Felix Bethmann beschrieb, welche neuen Wege bei der nachhaltigen Stromversorgung entstehen können, wenn lokale Akteur:innen zusammenarbeiten: „Als größter private Arbeitgeber im Großraum Trier fühlt sich JTI der Region stark verbunden. Als Unternehmen haben wir das ambitionierte Ziel, bis 2030 in Bezug auf unsere eigenen Aktivitäten klimaneutral zu sein. Deshalb investieren mit lokalen Partnern wie den Stadtwerken Trier in einen Windpark, der ab Ende 2023 rund 48 Millionen Kilowattstunden grüne Energie in der Region Trier liefern wird. Der erzeugte Strom wird innerhalb einer Betreibergesellschaft aufgeteilt, an der wir uns zu 25% beteiligen. Dabei werden wir einen Großteil der Strommenge erhalten und dadurch bereits im ersten Jahr bis zu 20% unserer CO2 Emissionen einsparen. Wir sind davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Energiewende nur funktionieren kann, wenn alle gesellschaftlichen Akteur*innen im Austausch miteinander bleiben und für den gemeinsamen Erfolg arbeiten. Dabei sind sowohl Eigeninitiative durch die Wirtschaft als auch das zügige Schaffen von Rahmenbedingungen seitens der Politik entscheidend, speziell in Bezug auf die Wärmewende.“
Regionalforen
12.10.2022
Fachforum Digitale Gesundheitswirtschaft
Zu Gast beim Fachforum waren die parlamentarischen Staatssekretärin im BMWK, Franziska Brantner MdB und Nick Schneider, Leiter des Referats „Grundsatzfragen neue Technologien und Datennutzung“ im BMG, Prof. Dr. Armin Grau MdB, ordentliches Mitglied im Gesundheitsausschuss, sowie Tobias Schulz, Senior Manager, Policy & Public Affairs, Pfizer Pharma GmbH und Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin, Core-Unit eHealth und Interoperabilität (CEI), Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) sowie Universitätsprofessorin für Digitale Medizin und Interoperabilität an der Charité Berlin. Prof. Dr. Sylvia Thun betonte während ihres Impulsbeitrags die Notwendigkeit der Zusammenarbeit für eine schnelle und effektive Umstrukturierung der Gesundheitswirtschaft: „Nur wenn wir alle mit viel Energie zusammen arbeiten, können wir endlich die Vorteile der Digitalisierung erleben. Hierbei geht es um Kooperation und Patient:innenzentriertheit und nicht um das Eigeninteresse einzelner Institutionen, das ist gelebte Interoperabilität.“   Zustimmung gab es von Tobias Schulz, welcher auf die aktuelle Datenschutzlage in Deutschland aufmerksam machte: „Ein zügiger Informationsaustausch zwischen Forschenden, Selbstverwaltung und Ärzteschaft kann Krankheiten vorbeugen, die Heilung beschleunigen und die Versorgung verbessern. Deshalb benötigen wir dringend verbindliche technische Standards, ein einheitliches Datenschutzrecht und eine Gleichberechtigung aller Akteure beim Zugang zu Gesundheitsdaten.“