Innovationsstandort Berlin Brandenburg

28. Februar 2024

mit Tuba Bozkurt MdA, Sonja Joost und Staatssekretär Wolfgang Schyrocki: Berlin-Brandenburg bietet ein einzigartiges Ökosystem aus Industrie, Start-ups und Forschungseinrichtungen, welches die Metropolregion zu einem der attraktivsten Innovationsstandorte in Europa macht...

Berlin-Brandenburg bietet ein einzigartiges Ökosystem aus Industrie, Start-ups und Forschungseinrichtungen, welches die Metropolregion zu einem der attraktivsten Innovationsstandorte in Europa macht. Gleichzeitig stellen aktuelle Entwicklungen in der Region sowie im Kontext des internationalen Wettbewerbs im Hinblick auf Fachkräfte, Wirtschaftsförderung und Energieversorgung den Standort vor neue Herausforderungen.

Anlass genug also, das neue GWD-Regionalforum „Metropolregion Berlin-Brandenburg“ (RFBB) ins Leben zu rufen: Hier wird künftig diskutiert, welche politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um den industriellen Sektor in der Metropolregion nachhaltig zu sichern und auszubauen. Am Mittwoch den 28. Februar wurde das RFBB in den Räumen der Berliner Repräsentanz eröffnet. Initiiert wurde die Gruppe von Nicole Ludwig (Ex-AGH-Abgeordnete, Bündnis 90 / Die Grünen und Unternehmerin) und Michael Knoll, Leiter Urbane Transformation & Stakeholdermanagement bei der GASAG. Letzterer moderierte auch das Eröffnungspanel mit Impulsvorträgen von Tuba Bozkurt MdA, Sprecherin für Industrie und Digitalwirtschaft der Grünen Fraktion im Abgeordnetenhaus, Sonja Jost, Geschäftsführerin DexLeChem und Vizepräsidentin der IHK Berlin sowie Mitglied im Beirat des GWD, und Wolfgang Schyrocki, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Finanzen des Landes Berlin (CDU).

Die Runde konzentrierte sich zunächst eher auf die Berliner Perspektive, bis es auch zur Frage des Standes der Cluster-Strategie der beiden Länder ging (im Moment eher ausbaufähig). Zu den angesprochenen Themen gehörten:

Stimmen aus der Veranstaltung:

Tuba Bozkurt MdA: „Berlin braucht eine strategische Industriepolitik. Es geht zum einen darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine Transformation der bestehenden Industrie erleichtern. Dazu gehört auch, Räume zu schaffen, in denen große Industrieunternehmen und mittelständische Unternehmen mit Start-Ups zusammenkommen, um Innovationen zu beschleunigen und in die Breite zu tragen. Zum anderen muss analysiert werden, welche Cluster das größte Wachstumspotenzial besitzen. Deren Förderung braucht Priorität! Es ist davon auszugehen, dass es dann vor allem um „grünes Wachstum“ gehen wird.“

Wolfgang Schyrocki, Staatssekretär der Finanzverwaltung: „Berlin hat viele Rahmenbedingungen, die es ermöglichen würden, einen innovativen Industriestandort zu schaffen, wenn diese richtig zusammengeführt werden. Die Verwaltung spielt hier natürlich eine zentrale Rolle und muss sich dafür in erster Linie auch selbst transformieren. Beispielsweise müssen wir beim Thema der Digitalisierung die Perspektive vom absoluten Schutz wechseln hin zu einer Perspektive, die den Wüschen und Bedürfnissen der Bürger:innen und Unternehmen gerecht wird. Das verlangt nicht zuletzt einen Kulturwandel – den wir nun aktiv gestalten und vorantreiben.“

Sonja Jost, DexLeChem und Vizepräsidentin der IHK Berlin: „Alle sprechen immer von der Transformation der Wirtschaft – also Bestehendes verändern. Worüber wir in Berlin jedoch noch viel öfter sprechen sollten, ist über das ganz Neue, was hier entstehen könnte. In wichtigen Bereichen der Chemie- oder der KI-Forschung gehört Berlin beispielsweise zum obersten Prozent weltweit, das ist ein enormes Potenzial. Um dieses zu bergen, braucht es jedoch eine gezielte Förderung von Transfer, von Innovationshubs – kurz, es braucht eine Strategie seitens der Regierung.“

„Wenn wir den industriellen Sektor in der Metropolregion stärken und ausbauen wollen, müssen wir anfangen, Stoffströme konsequent kreislaufwirtschaftlich zu denken – nur so ist ein nachhaltiges Wachstum möglich. Aus einer solchen holistischen Perspektive lassen sich auch Anforderungen für zukunftsfähige Industrieparks ableiten. Es braucht hier klare Konzepte und eine sichere Finanzierung – dafür braucht es eine gezielte Industriepolitik.“

Die kommenden Dialogformate des RFBB werden die verschiedenen Aspekte vertieft und gezielt behandeln, u.a. auch bei Treffen in Potsdam und anderen Städten der Region.

Weitere Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen
30.09.2024
Zukünftige Ausgestaltung der CO2-Bepreisung
Zu Beginn nächsten Jahres wird der Preis für den Ausstoß einer Tonne CO2 in Deutschland auf 55 Euro steigen. Einerseits sind die Auswirkungen in der Wirtschaft dabei umfänglich, der Beitrag zum Klimaschutz durch die Einzahlung in den Klima- und Transformationsfonds andererseits zukunftsgerichtet. In der Clustersitzung soll es um diverse Ansätze, wie Verwendungsmöglichkeiten der Einnahmen, Ausgleichsmöglichkeiten für Unternehmen oder die weitere technische Ausgestaltung der Bepreisung in Deutschland, gehen. Aus der Politik freuen wir uns dabei auf einen Impuls und Beitrag zur Diskussion von Felix Banaszak MdB (B90/Die Grünen), u.a. Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Einen wissenschaftlichen Input werden wir von Dr. Michael Pahle, Leiter der Arbeitsgruppe „Klima- und Energiepolitik“ am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, erhalten.
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik
30.11.2023
Regionalforum Sachsen
Beim Regionalforum in Dresden mit Franziska Schubert MdL, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Sächsischen Landtag, wurde insbesondere die Transformationsfinanzierung und die Vergabe von Fördermitteln beleuchtet. Die in verschiedenen Branchen ansässige Teilnehmerschaft war sich über das Potenzial Sachsens als Standort mit vielen Chancen einig, sah jedoch auch Herausforderungen, besonders beim Fachkräftemangel und in der Kommunikation zwischen Kommunen und Bürger:innen. Franziska Schubert MdL wies auf die Bedeutung von einer konstruktiven Kommunikation im Zuge der Transformationsprozesse hin: „Die aktuellen Herausforderungen, denen sich unser Standort gegenübersieht, zeigen: Die Industrie befindet sich in einer Umbruchsphase. Eine Phase, in der neue Schlüsseltechnologien entwickelt und genutzt werden. Nachhaltigkeit wird mit Wertschöpfung verbunden. Eine schwarzmalerische Einstellung ist weder angebracht noch zielführend. Was wir viel dringender brauchen, ist der Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft, um das Wissen und die Chancen rund um diese Veränderungen in die Breite zu kommunizieren und Zuversicht zu vermitteln. Die guten Entwicklungen in Sachsen brauchen allerdings Klarheit über Rahmenbedingungen – das ist Aufgabe der Politik.“ Andrea Behr, Leiterin Business Development Mitteldeutschland bei GP Joule, betonte die gemeinsame Verantwortung bei der Umsetzung der regionalen Energiewende: „Die regionalen Energiewende ist auch eine Sache des Wollens. Die technischen Möglichkeiten und Geschäftsmodelle sind vorhanden, was es jedoch auch braucht, ist eine Hands-on-Mentalität bei der Politik, vor allem auf kommunaler Ebene.“  Dr. Jan Bellgardt, Manager Business Development bei HH2E, sieht in Sachsen großes Potenzial als Transformationsstandort: „Sachsen ist ein traditionsreiches Industrieland. Und ganz vorn dabei, wenn es um Zukunftstechnologien geht. Für uns als Wasserstoff-Pioniere ist das Mitteldeutsche Revier eine Region voller Chancen. Unser HH2E-Werk Thierbach im Leipziger Südraum wird Unternehmen bei der klimafreundlichen Transformation unterstützen. Denn mit grünem Wasserstoff können sie nachhaltig produzieren. Gerne möchten wir auch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort mit bezahlbarer grüner Fernwärme versorgen. Unser Anspruch ist, den Dialog zu suchen und alle Menschen mitzunehmen. Daher schätzen wir den Austausch beim grünen Wirtschaftsdialog über die regionale Energie der Zukunft.“
Regionalforen
05.12.2022
LunchTimeTalk: Wirtschafts- und Außenpolitische Folgen der US-Zwischenwahlen
Beim digitalen LunchTimeTalk am 5. Dezember warf der GWD gemeinsam mit Dr. Stormy-Annika Mildner, Direktorin des Aspen Institute Deutschland e.V., und Tobias B. Bacherle MdB, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen in den USA mit Schwerpunkt auf die Handelsbeziehungen. Dabei erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst, dass die Handelspolitik nicht Top-Prio in den ersten zwei Jahren der Biden-Administration war, es ging vielmehr um die Stärkung von Förderung der Industrie und Produktion in den USA; darüber hinaus wird Handel in den Staaten eher mit Sicherheitspolitik verknüpft. Zu den weiteren Handelsbeziehungen hieß es, TTC habe großes Potenzial und könnte EU und USA aus transatlantischer Sicht enger zusammenführen. Es wird dennoch wohl eher keine großen Abkommen mehr geben, die Motivation auf europäischer Seite sei eher gering. Individuelle Abkommen wird es aber weiterhin geben. „Was das Thema Datenverwertung angeht, heißt es ja immer, dass die USA uns weit voraus sind. Ich plädiere dafür, unsere hohe Datensicherheit nicht immer nur als Hindernis, sondern auch als Chance zu begreifen. Genau dieser andere Umgang mit Daten kann einen USP auf dem globalen Markt darstellen und wird so auch schon teilweise von Handelspartnern wahrgenommen.“ – Tobias M. Bacherle MdB im Verlauf der Diskussion zur wirtschaftlichen Bedeutung der Digitalisierung im transatlantischen Verhältnis
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit