Nachhaltige Energieversorgung des Industriestandortes Deutschland

22. Januar 2024

mit Thomas Heilmann MdB, Vorsitzender der Klimaunion und Prof. Dr. Andreas Löschel, Ruhr-Universität Bochum, Vorsitzender der Expertenkommission „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung

Als parteiunabhängige, in erster Linie dem Ziel der klimafreundlichen Transformation verpflichtete Organisation richtet der GWD seinen Blick auch immer wieder über den grünen Tellerrand hinaus. Beim Fachforum Energie am Montag war daher ein Gast aus der CDU-Fraktion des Bundestages zu Besuch: Thomas Heilmann MdB, Vorsitzender der Klimaunion und Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz  und Energie, war neben dem digital zugeschalteten Prof. Dr. Andreas Löschel, Professor für Umwelt-/Ressourcenökonomik und Nachhaltigkeit, Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender der Expertenkommission „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung, Hauptimpulsgeber des Dialogs zum Thema „Langfristige und nachhaltige Energieversorgung für den Industriestandort Deutschland“. Diese Veranstaltung basiert erneut auf dem Ad-hoc Forum zum Industriestrompreis des vergangenen Jahres sowie dem dazu veröffentlichten GWD-Standpunktpapier „Zukunftsfähige Energieversorgung des Industriestandortes Deutschland“.

Thomas Heilmann unterstrich mit seinem Credo für die Marktwirtschaft den Ansatz, der von den Unternehmen und dem Grünen Wirtschaftsdialog getragen wird: nur mit einer funktionierende Marktwirtschaft, mit Innovationen und Investitionen kann die ökologisch-soziale Transformation bewältigt werden. Direkte fiskalische Eingriffe des Staates müssen sich auf Anschub und Überbrückung konzentrieren und dürfen marktwirtschaftliche Ansätze nicht hindern oder konterkarieren.

Thomas Heilmann MdB: „Eine kurzfristige Abwanderung ergibt für viele produzierende Unternehmen vor dem Hintergrund, dass ihre Anlagen in Deutschland bereits bezahlt sind, keinen Sinn. Heute geht es aber um Investitionen, die nicht mehr in Deutschland stattfinden. Dabei spielen bei den Standortfragen neben den hohen Energiekosten der Fachkräftemangel, der demografische Wandel, marode Infrastrukturen oder die hohe Steuerlast wichtige Rollen. Subventionen sind keine Lösung, die Schuldenbremse lässt das auch nicht zu. Nur mit Wettbewerb im Energiesystem können wir die Defizite überbrücken.“

Foto: Robert Hoernig

Prof. Dr. Andreas Löschel: „Wenn es gelingt, das Stromangebot rasch auszubauen, den Zugang zu grünem Strom zu erleichtern und die Flexibilität in der Industrie zu stärken, dürften viele Unternehmen mit den höheren Stromkosten umgehen können. Die günstigen Strompreise der letzten Jahre gehören aber wohl der Vergangenheit an. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen spielen daneben der Ausbau der Infrastruktur, eine Entbürokratisierung der Energiewende sowie die Verfügbarkeit von günstigem Wasserstoff eine entscheidende Rolle.“

Die Kernaussagen der Diskussion sind so zusammenzufassen:

  1. Das Leistungsniveau der Wirtschaft kann mit den derzeitigen hohen Strompreisen nicht gehalten werden;
  2. Eine Verbesserung der Verlässlichkeit der politischen Entscheidungen ist mit Blick auf Prognosefähigkeit und damit Risikominderung für die Unternehmen unabdingbar;
  3. Marktwirtschaftliche Mechanismen und Stärkung des fairen Wettbewerbs sind unabdingbar, um tragbare Energiekosten zu erreichen;
  4. Eine Flexibilisierung des Strommarktes ist wesentliches Element zur Unterstützung der Energiewende;
  5. Einsparpotenzial liegt in einer effizienteren Gestaltung der Energieversorgung.

Die Folien zu seinem Vortrag hat Prof. Dr. Löschel freundlicherweise zum Nachlesen zur Verfügung gestellt:

[pdf-embedder url=“https://gruener-wirtschaftsdialog.de/wp-content/uploads/2024/01/20240122-GWD-Industrie-Loeschel.pdf“ title=“20240122 GWD Industrie Loeschel“]

 

 

Weitere Veranstaltungen

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17.04.2023
Ad-hoc Meeting Kapitalmärkte
Im Rahmen des Ad-hoc Meetings zum Thema „Was treibt die Kapitalmärkte? Ein Blick auf die Zinsen, Nachhaltigkeit und Unsicherheitsfaktoren“ diskutierten die Teilnehmer:innen unter Moderation von GWD-Vorstandsmitglied Bernd Geilen über die aktuelle Lage der Finanzmärkte. Impulsgeber Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt bei der LBBW, gab dabei seine Einschätzung zur Effektivität von ESG-Ratingagenturen ab, zeigte die Position von Unternehmen in der Transformation hinsichtlich finanzieller und personeller Aspekte auf und äußerte sich zur finanziellen Sicherheit im Euroraum: „„Ein erneutes Aufflammen einer Eurokrise ist derzeit nicht zu befürchten. Auch weil seit der Eurokrise 1.0 verschiedene Krisenbekämpfungsmechanismen dazugekommen sind. Das beruhigt die Investor:innen. Das größte Risiko bleibt Italien. Glücklicherweise hat sich Meloni (noch?) nicht auf größere finanzpolitische Abenteuer eingelassen. Sie weiß, dass der größte Teil der Gläubiger:innen des italienischen Staates in Italien residieren: ihre Wählerinnnen und Wähler. Also: nessun esperimento!“
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa
24.01.2023
Ad-hoc-Forum Film- und Serienförderung
An der Sitzung des Ad-hoc Forums Film- und Serienförderung in der Geschäftsstelle des Grünen Wirtschaftsdialogs nahmen neben Vertreter:innen der Produktionswirtschaft Michael Sacher MdB, Berichterstatter für den Bereich Film der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, und Awet Tesfaiesus MdB, Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags, teil. Anlass der Veranstaltung war die anstehende Novellierung des Filmförderungsgesetzes. Auf Grundlage von Impulsbeiträgen aus Wirtschaft und Politik wurde darüber diskutiert, welche Kriterien und Instrumente bei der Reform des Gesetzes besonders zu berücksichtigen sind. Einigkeit herrschte darüber, dass Planbarkeit und Verlässlichkeit der Fördergelder zukünftig noch stärker gewährleistet werden sollten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland zu erhalten. Die Rolle steuerlicher Anreizmodelle wurde ebenso diskutiert wie Investitionsverpflichtungen, Wege zur Fachkräftesicherung und Instrumente zur Steigerung von sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit bei der Produktion. Michael Sacher MdB, Berichterstatter für den Bereich Film der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Dass die Produktionswirtschaft in Deutschland eine bessere und langfristigere Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Förderung braucht, ist absolut klar und sollte prioritäres Ziel bei der Reform von der Film- und Serienförderung sein. Diese stabilere Förderung braucht es bereits in der Phase der Stoffentwicklung, um allen Akteur:innen – auch neuen Talenten – bessere Bedingungen für neue Projekte zu bieten.“ Awet Tesfaiesus MdB, Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags: „Der deutsche Film ist nicht zeitgemäß. Die Gesellschaft hat sich verändert, deutsche Produktionen spiegeln dies jedoch nicht wider. Es macht einen Unterschied, wer den Film macht, wer vor und hinter der Kamera steht. Die Zuschauer:innen hungern nach diesen neuen Perspektiven, nach Repräsentation ihrer eigenen Realität, finden diese aber meistens eher bei den Streamern. Dies macht Diversität letzten Endes auch zu einem Wettbewerbsfaktor.“ Stefan Oelze, Managing Partner bei Rosebank AG: „Die Film- und Fernseh-Produktionswirtschaft in Deutschland ist äußerst vielfältig aufgestellt und hat einen hohen Rang im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen, wenn es um die Bruttowertschöpfung geht. In der Produktionswirtschaft – und der Kultur- und Kreativwirtschaft allgemein – liegen echte Wachstumschancen und Transformationschancen für die deutsche Wirtschaft. Politik kann diese gestalten, z. B. durch eine Investitionsverpflichtung ausländischer Streamer, durch die Anerkennung von Produzentinnen und Produzenten als Urheber, durch den Verbleib von Rechten bei Produzent*innen, durch Export-Unterstützungen. Und natürlich geht es auch um eine kulturelle und gesellschaftliche Vielfaltssicherung auf der Kreativ- bzw. Anbieterseite.“ Julia Piaseczny, Senior Manager Policy & EU Affairs bei SKY Deutschland: „Wer einen geschützten Raum für Kultur und Kreativität schaffen will, muss zunächst ein einladendes Haus auf einem tragfähigen Fundament bauen. Ein Haus, dessen Türen weit offen stehen für alle, die in Deutschland langfristig Filme und Serien produzieren wollen. Genau das kann ein Steueranreizmodell leisten.“
Innovation, Digitalisierung und Technologie
30.01.2024
Dekarbonisierung des Güterverkehrs I: Straßengüterverkehr
Im Fachforum Mobilität legt der GWD im Jahr 2024 einen Schwerpunkt auf das Thema Warengüterverkehr. Der Verkehrssektor ist neben dem Gebäudesektor der größte CO2-Emittent in der Bundesrepublik. Die Reihe von Dialogveranstaltungen wurde am 30. Januar mit dem Thema Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs eröffnet. In dem Zusammenhang durften wir Matthias Gastel MdB, Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, neben einer ganzen Reihe von Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft begrüßen. Gastel eröffnete mit einem Impulsvortrag, in dem er den Rahmen der Diskussion mit Blick auf die Gesamtmaterie umriss: LKW, also der Straßengüterverkehr, machen zur Zeit rund 75% des Gesamttransportwesens aus; diese Quote kann sinken, dennoch werden LKW auch später nicht verzichtbar sein. Es muss also über neue Technologien und Infrastrukturen nachgedacht werden, um den unvermeidbaren LKW-Verkehr klimafreundlicher zu gestalten. Einiges muss auf Schiene und Wasserstraßen verlagert werden, was auch effizienter und in Zeiten des Arbeitskräftemangels ohnehin unverzichtbar ist. Für den Straßengüterverkehr müssen aber parallel alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um ihn möglichst klimaneutral, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich halten zu können. Er selber sieht die Lösung vor allem in der Elektrifizierung, in der Debatte wurden aber auch andere Antriebsarten und dazugehörige Themen, insbesondere der Infrastruktur besprochen. Foto: Stefan Kaminski Matthias Gastel MdB, Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Der Güterverkehr ist einer der großen CO2-Emmitenten in Deutschland. Der Hebel zur dringend notwendigen Dekarbonisierung liegt in der Verlagerung eines größeren Anteils des Güterverkehrs von der Straße auf die umweltfreundlichere und energieeffiziente Schiene. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Politik die Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Straße weiter angleichen und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur verlässlich vorantreiben. Für einen elektrifizierten Straßengüterverkehr, der den Schienenverkehr sinnvoll ergänzt, benötigt es einen Hochlauf der E-Ladeinfrastruktur und die Förderung von Umschlaganlagen, die multimodale Transportketten ermöglichen.“ So kreiste die Diskussion auch um das Thema Wasserstoff für Verkehr in Konkurrenz zur Produzierenden Industrie, Hochöfen und Chemie, um Biokraftstoffe aus Abfall, um Anschaffungskosten bei klimafreundlichen Neufahrzeugen (Elektrisch oder mit Brennstoffzelle immerhin bis zu dreimal teurer als herkömmliche Verbrennermodelle), oder um die benötigten Hochspannungsnetze für Ladeparks. Auch die Frage des Autonomen Fahrens im Warengüterverkehr wurde besprochen, unter anderem unter dem Aspekt, wo ein solcher Einsatz in Europa sinnvoll wäre. Die Reihe zum Warengüterverkehr wird demnächst fortgesetzt mit Veranstaltungen zu den Themen Schienengüterverkehr, klimaneutrale Schifffahrt, Sustainable Aviation Fuels (SAF), u.a.  
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik