Kreislaufwirtschaft – Seltene Erden und Industriemetalle

25. Juni 2024

Der Wandel hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaft erhöht den Bedarf an seltenen Erden und Industriemetallen. Für eine erfolgreiche Transformation des Industriestandorts Deutschland ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung demnach essentiell. Da Deutschland und die EU bei der Gewinnung und Verarbeitung seltener Erden und Industriemetalle stark von einzelnen Ländern abhängig sind, stellt eine effektive Rückgewinnung derselben sowie die Schließung von Rohstoffkreisläufen eine zentrale Herausforderung dar. Welche Barrieren für eine branchenübergreifende Kreislaufwirtschaft überwunden werden müssen, stand im Fokus des Austauschs zwischen Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Als Impulsgeber:innen durften wir Dr. Michael Weltzin, Referat IVB1 Mineralische Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft, Fachaufsicht BGR des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Dr. Lukas Gast, Teamleiter Circular Economy beim Institut für die Zukunft der Industriegesellschaft (INZIN), sowie Dr. Britta Bookhagen, Arbeitsbereichsleiterin Recyclingrohstoffe bei der Deutschen Rohstoffagentur (DERA), begrüßen.

Dr. Michael Weltzin vom BMWK betonte die Bedeutung der Rohstoffstrategie der Bundesregierung, die Maßnahmen zur Diversifizierung und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft umfasst. Er erklärte:

„Wir brauchen die Einleitung eines Paradigmenwechsels zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Ziel muss es sein, dass es zukünftig keine Rolle mehr spielt, ob ein Rohstoff zuvor Abfall war oder nicht. Hierfür brauchen wir gleiche Standards für primäre und sekundäre Rohstoffe.“

Dr. Britta Bookhagen erläuterte die Herausforderungen des Recyclings seltener und strategischer Metalle und die Notwendigkeit, wirtschaftliche und energieeffiziente Prozesse zu entwickeln. Sie betonte:

„Wir sehen bereits gute etablierte Stoffkreisläufe dort, wo es sich wirtschaftlich lohnt. Das zeigt die grundsätzliche Herausforderung: Recycling muss wirtschaftlich sein. Dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen und es muss strategisch und in Wertschöpfungsketten gedacht werden.“

Dr. Lukas Gast hob die globale Rohstoffknappheit hervor und betonte die Rolle von Recyclingfähigkeit und Risikovorsorge.

„Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NWKS) und der EU Critical Raw Materials Act (CRMA) können wichtige Beiträge dazu leisten, den Primärmaterialbedarf zu reduzieren und den Anteil der Recyclingrohstoffe zu erhöhen. Für eine effektive Umsetzung ist es wichtig, die relevanten Stoffströme zu priorisieren und Strategien und Maßnahmen zur Steigerung der Materialeffizienz dabei ebenfalls zu berücksichtigen.”

In der anschließenden Diskussion wurden drei zentrale Punkte erörtert: 1. die gesellschaftliche Verantwortung und das Bewusstsein für Rohstoffrecycling müssen gestärkt werden; 2. technische und wirtschaftliche Innovationen sind entscheidend für effektives Recycling; 3. die Ausbildung und Integration von Fachkräften im Recyclingbereich muss verbessert werden. Teilnehmer:innen betonten die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen und Standards für Recycling sowie das Fachkräfteproblem im Handwerksbereich.

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20.10.2023
Quantencomputing: Von der Forschung in die Praxis
Forschungserfolge rund um KI sind derzeit in aller Munde. Weniger bekannt ist, dass es auch bei einer weiteren Zukunftstechnologie in den letzten Jahren bahnbrechende Fortschritte gegeben hat: Quantencomputing. Noch sind die weitreichenden Innovationspotenziale, die der Einsatz von Quantencomputern birgt, hauptsächlich in Forschungskreisen bekannt. Daher haben wir im Rahmen unseres GreenTeaTimeTalks vor allem die konkrete Anwendungsfelder dieser Technologie in der Wirtschaft in den Fokus gerückt. Nach Begrüßung und Einführung in das Thema durch die zum 1. Oktober berufene GWD-Geschäftsführerin Katharina Krüger tauschten sich Tech-Expert:innen und Unternehmensverter:innen über den aktuellen Forschungsstand und die Anwendungsfelder der Zukunftstechnologie aus. Als Impulsgeberinnen waren die Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt sowie Beauftragte für Digitale Wirtschaft & Start-ups im BMWK, Dr. Anna Christmann MdB, und die Naturwissenschaftlerin und Tech-Pionierin bei Connected Innovations, Dr. Edeltraud Leibrock zu Gast. Insgesamt betonte die vom Managing Partner des Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds Matthias Keckl moderierte Runde die Chancen, die Quantencomputings für den Standort Deutschland birgt. Dabei ging Dr. Leibrock auf die Vorteile des Forschungsstandorts Deutschland für Unternehmen ein. Denn während die US-amerikanische Hardwareentwickler bereits große Entwicklungsfortschritte vorweisen können, müssen Unternehmen in Deutschland jetzt investieren, um in enger Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen Software für Quantencomputer zu entwickeln: „Quantentechnologien stellen eine große Chance für die Wirtschaft hierzulande dar. Auch wenn die praktische Anwendung noch ein paar Jahre in der Zukunft liegt, so lohnt es sich doch für Unternehmen, sich bereits heute damit zu beschäftigen. Wir sind in Europa traditionell stark in Forschung und Entwicklung und haben gerade auch in Deutschland sehr gute Strukturen für den Transfer in die Wirtschaft. Die Use Cases und die Software-Entwicklung für Quantencomputer können allerdings nur durch die Anwenderunternehmen selbst getrieben werden. Das erfordert zum jetzigen Zeitpunkt noch eine recht hohe Risikobereitschaft. Hier ist die Politik gefordert, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Dr. Christmann zeigte auf, welche Maßnahmen von politscher Seite ergriffen werden, um Innovationen im Bereich Quantencomputing zu fördern: „Quantencomputing wird eine wichtige Leittechnologien für viele Branchen werden und deswegen sollten wir schon heute gute Rahmenbedingungen für zukünftige Innovationen schaffen. Hier gibt es noch viel Entwicklungspotential, aber die starke Grundlagenforschung und die vielen Expert:innen in Deutschland stellen eine sehr gute Ausgangslage dar. Eine Schlüsselfunktion nimmt hier die DLR Quantencomputing-Initiative ein, im Rahmen derer Industrie, Wirtschaft, Start-ups und Forschung gemeinsam prototypische Quantencomputer entwickeln. Mit den Mitteln aus dem Zukunftsfonds wollen wir zudem nicht nur öffentliche Investitionen für Technologien wie z.B. Quantencomputing bereitstellen, sondern vor allem auch privates Kapital mobilisieren.“     
Innovation, Digitalisierung und Technologie
23.10.2023
Die neuen nationalen und europäischen Regelungen zu Verpackungen und Verpackungsentsorgung
Das Fachforum mit Malte Gallée MdEP, Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments (Bündnis 90/Die Grünen Deutschland), Dr. Alexander Kronimus von Plastics Europe, Stefan Nowicki von Tetra Pak und Volker Glöckner der ALPLA Group fokussierte sich auf die neuen nationalen und europäischen Entwicklungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft, insbesondere Verpackungen und deren Entsorgung. Unter Moderation von Prof. Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie diskutierten die Impusgebenden mit den Teilnehmer:innen den Status-Quo des aktuellen, lineren Rohstoffeinsatzes bei Verpackungen und dessen Auswirkungen auf Ressourcen und Ökosysteme weltweit. Dabei zeigten Sie auf, welche Lösungen und Innovationen bereits existieren und welche Herausforderungen noch bestehen, um einen gesamtwirtschaftlichen Rohstoffkreislauf zu erreichen: Während Mehrweg- und Pfandsysteme für manche Branchen und Rohstoffe bereits etabliert sind, bedarf es noch große Steigerungen bei Rezyklateinsätzen. Hier kann eine Mindesteinsatzquote von politischer Seite wirken. Darüber hinaus sollte Suffizienz virginer Materialien an erster Stelle stehen, dies ist jedoch nur durch eine gesteigerte Anzahl geschlossener Materialkreisläufe möglich. Malte Gallée stellte dabei die Rolle von Mehrweg heraus: „Das Konzept „Müll“ ist an sich überholt in einer Welt von begrenzten Rohstoffen. Eine Kreislaufwirtschaft ist notwendig, um unsere Wirtschaft vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln und damit der Klimakrise – und der Verschmutzungskrise – adäquat zu begegnen. Mehrwegquoten spielen eine wichtige Rolle auf dem Weg dorthin, denn Mehrweg wird aus ökologischer und ökonomischer Sicht umso attraktiver, je mehr Infrastruktur dafür aufgebaut ist. Dafür braucht es eine kritische Masse.“   Stefan Nowicki sprach sich für den komplementären Einsatz verschiedener Lösungen aus: „Entscheidend für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist nicht die Wiederbefüllbarkeit einer Verpackung, sondern die Wiedervewertbarkeit der eingesetzten Rohstoffe. Wir brauchen eine sinnvolle Co-Existenz aller Verpackungsoptionen. Speziell in Deutschland ist das bewährte Zusammenspiel von Mehrweg- und Einwegsystemen im Markt aus unserer Sicht essenziell, um eine flächendeckende, effiziente und nachhaltige Lebensmittelversorgung zu gewährleisten.“   Volker Glöckner hob vor allem hervor, welche Marktgegebenheiten für eine vollständige Kreislaufwirtschaft bei Verpackungen noch geschaffen werden müssen: „Als einer der weltweit führenden Kunststoffverarbeiter und wachsender Recycler möchten wir unseren Beitrag zum Erreichen des European Green Deal leisten. Hierfür ist es wichtig, dass der Gesetzgeber den Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffverpackungen fördern, statt diese pauschal zu benachteiligen. Um die Transformation hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen, müssen darüber hinaus einheitliche Marktvoraussetzungen für die unterschiedlichen Recyclingtechnologien geschaffen werden. Deswegen darf für die Berechnung des Rezyklatgehaltes aus dem chemischen Recycling (Pyrolyse) ausschließlich der Massebilanzansatz des „rolling average“ herangezogen werden. Dieser entspricht dem „controlled blending“ im mechanischen Recycling und gewährleistet volle Transparenz hinsichtlich des Rezyklatgehaltes von Verpackungen.“
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit
06.11.2024
Europa zwischen den Mächten: Strategien in einer neuen Weltordnung
Was bedeutet Donald Trump für die deutsche Wirtschaft? Eigenständiger werden – so das Fazit in unserer Einordnung der US-Wahl. Mit Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Max Müller, Leiter Public Affairs Deutschland & EU bei Bayer, Simone Menne Präsidentin der American Chamber of Commerce in Germany, und Jürgen Kerner, Vorstandsmitglied der IG Metall haben unsere Mitglieder und Gäste nur Stunden nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses die Veränderungen im Welthandel und in der internationalen Ordnung analysiert und darüber diskutiert, worauf sich Deutschland und die EU einstellen sollten. Die Debatte leitete Volker Ratzmann, Vice President Corporate Public Affairs bei DHL und in der Wirtschaftsvereinigung Leiter des Kompetenzclusters Außenhandel sowie Vorstandsmitglied. Die Panelisten waren sich einig, dass Deutschland und Europa ihre Resilienz stärken müssen, um in einer zunehmend komplexen und auf Eigeninteressen fokussierten geopolitischen Landschaft bestehen zu können. Zentrale Themen waren die Energieunabhängigkeit, Investitionen in Forschung und Innovation sowie die Stärkung des europäischen Binnenmarkts. Besonders betont wurde die Notwendigkeit, sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren. Die Diskussion machte deutlich, dass nur durch gemeinsames Handeln und gezielte Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit Europas in einer sich wandelnden Weltwirtschaft gesichert werden kann.
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit