GreenTeaTimeTalk – Neuorientierung in der Außenwirtschaft

4. Juli 2022
Stormy-Annika Mildner sitzt vor einer holzfarbenen Wand und lächelt, ihre rechte Hand hält das Mikrofon

Nach über zwei Jahren pandemiebedingter Pause konnte am 4. Juli endlich unser zweiter GreenTeaTimeTalk mit dem Titel “Ein Handels- und Finanzsystem jenseits der WTO? Zur Neuorientierung in der Außenwirtschaft” stattfinden.

Wir haben zum Panel-Talk eingeladen, um die Herausforderungen, die dieses hochaktuelle Thema mit sich bringt, von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Gleichzeitig ist es unser Ziel gewesen, Wege aufzuzeigen, wie ein resilientes internationales Handels- und Finanzsystem im Angesicht der aktuellen, aber auch zukünftigen Krisensituationen ausgestaltet werden kann. Als Panelist:innen konnten wir Stormy-Annika Mildner, Reinhard Bütikofer und Jörg Asmussen gewinnen.
Im Fokus standen dabei außerdem mehrfach die Chancen und Möglichkeiten eines Plurilateralismus: Dieser beschreibt den Schluss von zwischenstaatlichen Abkommen mit diversen Partnerstaaten – diese Diversifizierung des Handels vermeidet einseitige Abhängigkeiten und verringert Klumpen-Risiken. Auch die enge Verflechtung zwischen Handels- und Finanzsystemen wurde zum Thema.

Dr. Stormy-Annika Mildner

Dazu Dr. Stormy-Annika Mildner:
„Handel hat über Jahrzehnte zu mehr Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Arbeitsplätzen beigetragen – in der EU und weltweit. Zu hohe Abhängigkeiten von einzelnen Ländern und Produzenten ist jedoch gefährlich. Dies gilt umso mehr in einem sich gewandelten geopolitischen Umfeld. Unternehmen und Regierungen tragen gemeinsam Verantwortung, resiliente Handelsbeziehungen aufzubauen. Dabei sollten alle Instrumente der EU-Handelspolitik zum Einsatz kommen: Unilaterale, bilaterale und multilaterale.“

 

 

Jörg Asmussen

Auf Letztere wies auch Jörg Asmussen hin:
„Durch die aktuelle Krisensituation mit steigenden Preisen für Nahrungsmittel und Energie wird die enge Verwebung von Handels- und Finanzsystemen deutlich. Sehen wir uns die internationale Verwendung von Währungen im Handel an, wird klar, dass der US-Dollar mit 66% weiterhin das dominante Zahlungsmittel im globalen Handel ist. Der Euro ist mit knapp 25 Prozent die zweitwichtigste Währung. Auf den japanischen Yen entfallen knapp 9 Prozent und auf den chinesischen Renminbi 2 Prozent. Während der Handel sich global fragmentiert und die Rolle großer Schwellenländer deutlich zugenommen hat, ist das „Bezahlsystem“ klar US-Dollar dominiert, mit Zuwächsen für die europäische Gemeinschaftswährung.“

 

Reinhard Bütikofer

Reinhard Bütikofer zeigte die Relevanz der politischen Dimension beim Abschluss internationaler Handelsabkomen auf:
„Wir befinden uns in einer Umbruchsituation, in der allein ökonomische Gesichtspunkte bei dem Abschluss von Handelsabkommen nicht mehr ausreichend sind. Staat und Unternehmen müssen dem Primat der Politik zur Geltung verhelfen, um gemeinsam Verantwortung in der globalen Krise zu übernehmen.“

 

 

Über die Panelist:innen:
Dr. Stormy-Annika Mildner – Direktorin des Aspen Institute Deutschland
Jörg Asmussen – geschäftsführendes Präsidiumsmitglied und Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV)
Reinhard Bütikofer – MdEP (Grüne/EFA), Mitglied im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten (AFET), außenpolitischer Sprecher der Grünen/EFA; stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Internationalen Handel (INTA); Vorsitzender der Delegation des EP für die Beziehungen mit der Volksrepublik China

 

Weitere Veranstaltungen

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01.06.2022
Fachforum Ernährung: Transformation der Lebensmittelwertschöpfungskette: transparent, nachhaltig, versorgungssicher
Mit Dr. Ophelia Nick MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, und Prof. Dr. Achim Spiller, Professor für Agrarökonomie an der Georg-August-Universität Göttingen, konnte der GWD für seine Auftaktveranstaltung zum Lebensmittelsektor wieder außerordentliche Expertise für Fachimpulse gewinnen: „Transformation der Lebensmittelwertschöpfungskette: transparent, nachhaltig, versorgungssicher“, so der Titel der neuen Dialogreihe. Zum Auftaktevent in den Räumlichkeiten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften BBAW, das von GWD-Vorstandsmitglied Roland Schüren moderiert wurde, durften wir dazu rund 45 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft begrüßen, vor allem aus den Bereichen Handel, verarbeitende Betriebe sowie aus der Lebensmittelerzeugung. Im Plenum und anschließend stattfindenden Workshops wurden vertiefend Fragen diskutiert wie: – Was sind die Erfahrungen mit ökologisch-nachhaltigen Lebensmitteln, fairen marktwirtschaftlichen Bedingungen und regionalen Lieferketten? – Wie können Tierwohl, Regionalität, nachhaltigere und gesunde #Lebensmittel marktgängiger werden? Was kann seitens der Politik getan werden, damit diese am Markt besser durchsetzbar werden? – Was wird sich seitens Ihres Unternehmens von der Bundesregierung an Regelungen und Rahmenbedingungen gewünscht, damit es in Aspekten der Nachhaltigkeit, Fairness in der Wertschöpfungskette und Ausgewogenheit in der Ernährung vorangeht? – Welche Ausgestaltungen von Wertschöpfungsketten sind besonders geeignet und bieten faire marktwirtschaftliche Bedingungen? Stimmen aus der Veranstaltung: Dr. Ophelia Nick MdB, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: „Der Strukturwandel ist enorm: In den letzten 25 Jahren haben wird rund die Hälfte aller Erzeuger*innenbetriebe verloren. Wir wollen aber eine vielfältige Landwirtschaft mit vielen landwirtschaftlichen Betrieben. Jeder Hof ist wertvoll! Mit der Umsetzung der Richtlinie zu unfairen Handelspraktiken wurde ein erster richtiger Schritt getan, der die Position der Erzeuger*innen innerhalb der Wertschöpfungskette stärken soll. Wir brauchen aber noch bessere Rahmenbedingungen, um Verhandlungen auf „Augenhöhe“ entlang der Kette zu ermöglichen. Wir wollen die Verhandlungspositionen der „schwächsten Glieder“ in der Kette stärken. Und dazu benötigen wir Transparenz, Vertrauen und Dialog. Dass diese Dialogbereitschaft besteht, haben wir an diesem Abend gemerkt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.“   Prof. Dr. Achim Spiller, Professor für Agrarökonomie an der Georg-August-Universität Göttingen: “Die Nachhaltigkeitstransformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist eine riesige Herausforderung. Der Lebensmitteleinzelhandel wird darin aufgrund seiner Stärke in der Food Chain eine herausgehobene Rolle einnehmen, die aus meiner Sicht besser mit der Agrar- und Ernährungspolitik verzahnt werden sollte. Spannend beim Workshop war, dass der Handel ein großes Commitment für landwirtschaftliche Vielfalt in Deutschland hervorgehoben hat.“  
03.06.2024
Biodiversität im Bau: Biophiles Design in Neu- und Bestandsbauten
Biodiversität ist entscheidend für unsere Lebensgrundlage, für unsere Lebensqualität, und die Qualität der Gewässer. Daher haben wir im zweiten Fachforum Bauen & Wohnen der Reihe Biodiversität im Bau mit dem Titel „Biophiles Design in Neu- und Bestandsbauten“ unter Moderation von Dr. Ipek Ölcüm, Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht und Wirtschaftsmediatorin (IHK) mit Expert:innen aus Politik und Wirtschaft die Bedeutung von biophilem Design sowie biodiversitätsfördernden Lösungen wie Dachbegrünungen diskutiert. Denn versiegelte Innenstädte gefährden auch die Gesundheit von Menschen, wenn sich die Innenstädte in den Sommermonaten verstärkt aufheizen. Beim fortschreitenden Verlust von Biodiversität kann Fassadenbegrünung zwar helfen, jedoch wird die Biodiversitätskrise dadurch nicht gelöst. Anja Liebert MdB, Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, leitete die Diskussion mit einem Impulsvortrag ein, in dem sie die Relevanz der Sicherung von Biodiversität aufzeigte: „Biodiversität im Bau nutzt nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen, indem Quartiere durch mehr natürliche Lebensräume aufgewertet werden. Neben der erhöhten Lebensqualität fördert der Naturschutz im Bau die Resilienz gegen sich verstärkende Wetterereignisse: Grünflächen wirken sowohl kühlend als auch als natürlicher Speicher für Wasser.“ Städte bieten vielen Arten unterschlupf, wenn auf dem Land durch landwirtschaftliche Nutzung Lebensräume zerstört werden. Dennoch werden auch in Städten immer mehr Arten durch das Wachstum der Städte verdrängt – urbane Freiräume werden immer kleiner. Dabei könnten Tiere bei der Gestaltung von Neubauten mitgedacht werden. Landschaftsarchtektin Christine Jakoby von Studio Animal-Aided Design klärte in ihrem Impulsvortrag über gängige Fehlannahmen beim Naturschutz  im Bau auf: „Ein Problem des Naturschutzes im Bau liegt in der Fehlannahme, dass Mensch und Tiere als unterschiedliche Systeme mit gegensätzlichen Anforderungen gesehen werden müssen. Dazu erwarten viele Auftraggeber enorme Aufwendungen für die Implementierung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen, obgleich auch durch verhältnismäßig geringe Kosten Erfolge erzielt werden können, sofern (tierische) Artenvielfalt bei der Planung mitgedacht wird.“ 
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa
13.02.2024
CEO-Meeting: Rolle der Finanz- und Versicherungswirtschaft in der Transformation
Welche Rolle kann und sollte die Finanz- und Versicherungswirtschaft bei der Umsetzung der Transformation spielen? Um einen gemeinsamen kritischen Blick auf den Ist-Stand zu werfen sowie neue Wege und Lösungen im Zusammenspiel von Politik, Finanz- und Realwirtschaft zu identifizieren, lud der GWD zum CEO-Meeting auf dem Karriere-Campus Hannover. Rahmengebende Impulsvorträge durch den Niedersächsischen Finanzminister Gerald Heere, die Vorsitzende des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung Silke Stremlau, sowie Jörg Arnold, CEO von Swiss Life Deutschland, lieferten die Grundlage für die anschließende von Tjark Melchert, politischer Repräsentant des GDV – Gesamtverband der Versicherer, moderierte Diskussion.  Themen wie die Priorisierung der Aufgaben in der Transformation, die Rahmengestaltung für Investitionen in der Zeitenwende, Definitionen von Standards für nachhaltige Investitionen und die Verantwortung des Finanz- und Versicherungsvertriebs standen dabei im Mittelpunkt. Die Finanzwirtschaft als solche wurde dabei als ein wesentlicher Hebel hinter der Transformation benannt, denn die Branche ist mit allen Wirtschaftsbereichen verknüpft und kann monetäre Mittel in transformative Projekte lenken. Es wurde diskutiert, welche strategischen Grundsatzentscheidungen aus der Politik diese Steuerung ermöglichen, erleichtern bzw. beschleunigen könnten. Klar ist, dass bereits heute enorme finanzielle Mittel im Markt vorhanden sind, diese aber noch nicht effizient für die Transformation genutzt werden. Silke Stremlau wies in ihrem Impulsbeitrag auf den bereits eingetretenen Sinneswandel in der Finanzbranche hin –  aber auch, was es für eine konsequente Finanzwende noch braucht: „Sustainable Finance ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit stehen in direkter Verbindung zum Risikomanagement: Die allermeisten Geschäftsmodelle sind von einer intakten Umwelt abhängig. Es wäre daher sinnvoll, dass Natur innerhalb der verschiedenen Analysemodelle einen finanziellen Wert bekommt. Hierbei können wir von anderen Ländern, wie z.B. UK, einiges lernen.“ Der Niedersächsische Finanzminister betonte die Bedeutung eines kritisch-konstruktiven Dialogs in dieser entscheidenden Phase der Transformation: „Die aktuellen Entwicklungen der wirtschaftlichen Transformation – einschließlich der nachhaltigkeitsbezogenen Regulierung im Finanzsektor – haben zweifelsohne stellenweise disruptiven Charakter. Der Hintergrund ist aber, dass in den letzten 20 Jahren zu wenig in Sachen Transformation geschehen ist und wir ohne Disruption das Versäumte nicht aufholen werden. In dieser kritischen Phase der Transformation ist mir der kritisch-konstruktive Dialog besonders wichtig, um das gegenseitige Verständnis und somit eine stabile Vertrauensbasis zu fördern.“ Jörg Arnold, CEO von Swiss Life Deutschland zeigt noch fehlende Regelungen, welche die Transformation auf wirtschaftlicher und endkund:innenebene anschieben: „Wir sind uns einig, dass wir die ökologisch-soziale Transformation in Europa wollen und privates Kapital in entsprechende Projekte gelenkt werden sollte. Fehlende Standards für nachhaltige Finanzprodukte führen jedoch dazu, dass der Markt zu undurchsichtig ist und dies ist in der Finanzberatung schwer vermittelbar. Wir brauchen ein einheitliches, verständliches Bewertungssystem – sei es ein Skala- oder ein Stufensystem – um die Komplexität für Privatanlegerinnen und Privatanleger zu reduzieren. Gleichzeitig braucht es neuartige Investitionsgefäße für Kleinsparerinnen und -sparer, damit sie sich an Transformationsprojekten – zum Beispiel auch in ihrer eigenen Region – beteiligen können.“   
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa