Roundtable Kreislaufwirtschaft – Perspektiven und Instrumente für eine nachhaltige Bauwirtschaft

13. Mai 2022

Die Treibhausgasemissionen aus der Materialgewinnung, der Herstellung von Bauprodukten, dem Bau und der Renovierung von Gebäuden werden auf 5-12 % der gesamten nationalen Treibhausgasemissionen geschätzt. Durch eine höhere Materialeffizienz könnten 80 % dieser Emissionen eingespart werden – so lautet die Einschätzung der EU im Circular Economy Plan vom März 2020. Die Diskussion in und mit der Bauwirtschaft um Modelle, Strategien und Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen hat seither an Fahrt aufgenommen – ein neues Verständnis vom Gebäude als Rohstoffquelle gewinnt an Kontur. Mit dem Roundtable will der GWD diesen Diskurs vorantreiben.

In der Auftaktveranstaltung am 13. Mai in Wuppertal, diskutierten die Teilnehmer:innen aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, und Hanna Steinmüller MdB, Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen im Deutschen Bundestag, u. a. folgende Fragen:

Teilnehmer:innen-Stimmen:

„Kommunen spielen bei der Kreislaufwirtschaft unter dem Aspekt Baustoffe eine zentrale Rolle. Zum einen, weil sie selbst als Bauherrinnen auftreten und hier einen wichtigen Beitrag zur Ausrichtung auf eine zirkuläre Wirtschaft leisten können. Zum andern, weil sie in den administrativen Ebenen diejenigen sind, die unmittelbar und praxisnah sowohl in der politischen Diskussion als auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz durch vorbildliche Performance wirken können. Wir in Wuppertal haben zudem den besonderen Vorteil, mit „Circular Valley“ eine Initiative und einen Accelerator für die Zukunftsaufgabe Kreislaufwirtschaft zu haben.“
Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister Wuppertal, Bündnis 90/Die Grünen

„Mir ist als Wohnungspolitikerin wichtig, die ökologische und die soziale Perspektive im Wohnungsbau gleichermaßen mitzudenken. Steigende Baukosten führen auch zu steigenden Mietkosten und damit zu sozialen Problemen. Mit der Kreislaufwirtschaft im Gebäudebereich können wir gleich zwei Herausforderungen angehen: Ressourcen schonen und Kosten für Mieter*innen sparen.“
Hanna Steinmüller MdB, Bündnis 90/Die Grünen

„Wir müssen JETZT mit der Ressourcenwende im Bauwesen beginnen, indem wir Bauteile und Materialien aus der urbanen Mine wiederverwenden oder hochwertig verwerten. Hierfür müssen Regularien vereinfacht werden. Ein Re-Use könnte schon heute gefördert werden, in dem Gutachter für die Freigabe von gebrauchten Bauteilen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.“
Prof. Dr.-Ing. Architektin Anja Rosen, Honorarprofessorin für zirkuläres Bauen, Bergische Universität Wuppertal

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22.04.2024
Rahmenbedingungen des Photovoltaikausbaus
Die Stärkung der Photovoltaikindustrie in Deutschland und Europa muss eine energie-, klima-, außen-, und sicherheitspolitische Priorität werden. Im Arbeitsfeld Energie werden wir uns deshalb im Rahmen einer Veranstaltungsreihe mit dem Thema Photovoltaik von A bis Z – von der Herstellung bis zum Einbau auseinandersetzen. Die Auftaktveranstaltung der Reihe mit Impulsen von Fabian Ehmann MdL, Sprecher Energie und Klimaschutz in Rheinland-Pfalz, Anna Heimsath, Abteilungsleiterin Analyse, PV-Module und Kraftwerke beim Fraunhofer ISE, sowie Amir Roughani, Gründer und CEO der VISPIRON Gruppe sowie Vorstand des GWD, widmete sich den energiepolitischen Rahmenbedingungen des Photovoltaikausbaus in Deutschland. Im Fokus standen hier die Überwindung der Hindernisse beim Ausbau, die Integration von Photovoltaik (PV) ins Stromnetz sowie der Förderrahmen und das Investitionsklima. Unter anderem wurde dabei ein Abbau von Netzentgelten, aber auch von Subventionen für fossile Energien skizziert, gleichzeitig ein wirksamer CO2-Preis gefordert. Einstimmigkeit gab es bei den Forderungen nach mehr Digitalisierung und beschleunigten Genehmigungsverfahren. Darüber hinaus wurden auch innovative Technologien und Trends in der Branche beleuchtet, mitunter Leichtbau-Photovoltaik oder Panels in Bauwerke oder Fahrzeuge zu integrieren, aber auch schwimmende Panels sowie das breite Themenfeld Agri-PV. Hervorgehoben wurde ebenso die Notwendigkeit für langlebige Module und eine erhöhte Effizienz. Außerdem wurden der zügige Zubau von PV-Anlagen und das Solarpflicht-Gesetz für Gewerbeneubauten und Parkplätze (ab 50 PKW) gelobt. Amir Roughani zeigte in seinem Impulsvortrag Lösungsansätze auf, welche die Solarbranche langfristig stärken können: „China ist mit etwa 90% verbautem PV-Modul-Anteil der wichtigste Lieferant für den Photovoltaikausbaus in Deutschland. Die strukturelle Abhängigkeit von China stellt jedoch eine komplexe Herausforderung dar, die nicht durch kurzfristige Maßnahmen im Bereich der Modulproduktion allein gelöst werden kann. Die Einführung von Zöllen und Resilienzboni würde den Ausbau der Photovoltaik erheblich verlangsamen und verteuern, was ein enormer finanzieller Kraftakt wäre. Stattdessen sollten Mittel in die Modernisierung der Verwaltung fließen, um Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Besorgniserregend ist, dass deutsche PV-Modulhersteller derzeit etwa dreimal teurer sind als die Weltmarktpreise. Diese Preisdifferenz verdeutlicht die Dimension der Herausforderung, die wir nicht allein durch Resilienzboni bewältigen können.“ Anna Heimsath bestärkt die Vorteile innovativer PV-Lösungen für Deutschland: „Integrierte Photovoltaik und PV-Anlagen im Batteriespeicher werden in Zukunft immer relevanter, um Flächennutzungskonflikte zu verringern und zukünftigen Lastprofilen und Netzanforderungen gerecht zu werden. Klare Gesetzgebung bringt Sicherheit, fördert den jährlich steigenden PV-Zubau und kann durch weitere Maßnahmen die heimische Industrie stärken.“
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik
19.08.2024
Austausch zum Perspektivenpapier Wasserstoff-Hochlauf
Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland ist eine große Herausforderung und kann maßgeblich zur Erreichung der Klimaneutralität beitragen. Die Anwendungsmöglichkeiten in der Wirtschaft sind dabei zwar in der Theorie sehr breit, müssen in der Praxis jedoch von den richtigen Rahmenbedingungen begleitet werden. Das Cluster Energie & Wärmewende unseres Fusionspartners hat dazu ein Perspektivenpapier erarbeitet, welches in der Sitzung präsentiert und gemeinsam mit mit Felix Banaszak MdB, Wasserstoff-Experte der Grünen-Bundestagsfraktion, diskutiert wurde. Wesentliche Punkte des Perspektivenpapiers sind: Überwindung von Unsicherheiten für Investitionen in Angebot und Nachfrage von Wasserstoff Die Nutzung von Wasserstoffspeichern Den Aufbau und den Betrieb von Elektrolyseuren anreizen Hochlauf durch Nutzung von Wasserstoff-Derivaten flexibilisieren Als entscheidende Punkte benannte Felix Banaszak im Austausch: Mit dem Amortisationskonto für das Kernnetz sei eine sinnvolle Absicherung gefunden worden, um die Investitionen in Pipelines anzureizen. Aber angesichts der enormen Kosten, die u.a. für den Wasserstoff-Hochlauf noch entstehen würden, müsse auch die Debatte über die Schuldenbremse in ihrer derzeitigen Form geführt werden. Darüber hinaus brauche es klare Rahmenbedingungen, die planbar über die Legislaturperioden hinaus gehen würden. Die Mitglieder aus den Unternehmen diskutierten dazu folgende Punkte: Richtig sei eine Priorisierung auf jene großen Abnehmer(Industrien), die ihre Prozesse nicht elektrifizieren könnten. Eine zu starke Fokussierung könnte allerdings dabei Gefahr laufen, dass sich eine Preisnormalisierung von Wasserstoff verzögern könne. Die Strombezugskriterien seien ein wesentlicher Kostenfaktor für die H2-Produktion in Deutschland. Für den Technologie-Fortschritt brauche es Förderungen über einen langen Zeitraum. Zudem lohne es sich auch zu erörtern, inwieweit steuerliche Aspekte berücksichtigt werden könnten, um Anreize zu schaffen.
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik
26.07.2023
Digitalisierung in der Landwirtschaft
Die Veranstaltung des Fachforums Landwirtschaft und Ernährung: “Digitalisierung in der Landwirtschaft” fand im Rahmen der Sommertour der Niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Miriam Staudte, statt.  Passend zum Thema „Digitalisierung der Landwirtschaft“, waren die Teilnehmenden des Fachforums zu Gast bei Seedhouse Accelerator in Osnabrück. Eine spannende Veranstaltung, bei der sich zunächst sechs Start-ups vorstellen und Fragen beantworten konnten.Im Anschluss morderierte Thomas Gambke eine einstündige Podiumsdiskussion mit Staudte, Sina M. Beckmann, Sprecherin für Innovationen und Startups der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Charlotte Rothert, Landessprecherin für den Startup-Verband, und Dr. Henning Müller, Vorsitzender des Agrotech Valley Forum e. V.  In der Diskussion wurden drei entscheidende Barrieren der Implementierung digitaler Tools aufgezeigt, dessen Überwindung für viele engagierte Landwirt:innen herausfordernd ist: 1. Die Aufbereitung, Nutzung und der Austausch von Daten gestalten sich oft schwierig, nicht zuletzt aufgrund bürokratischer Hürden. 2. Die Infrastruktur im ländlichen Raum ist häufig nicht ausreichend ausgebaut, um eine angemessene Internetverbindung zu gewährleisten. 3. Ein wichtiger Aspekt ist die Aus- und Weiterbildung der Landwirt:innen. Die Lehrpläne sind teils veraltet und bereiten die jungen Landwirt:innen unzureichend auf die Digitalisierung vor.  Viele der einzelnen Punkte finden sich auch im GWD-Scoping-Paper „Transformation der Lebensmittelwertschöpfungskette“; hier ging es zusätzlich um die praktischen (und oft frustrierenden) Fragen der Umsetzung bzw. eben Nichtumsetzung- dieses hat GWD-Vorsitzender Roland Schüren bei der Veranstaltung an die Ministerin übergeben. Miriam Staudte fasste die Herausforderung der Digitalisierung in der Landwirtschaft wie folgt zusammen: „Die Digitalisierung und die Nutzung künstlicher Intelligenz bieten für die Landwirtschaft in Niedersachsen große Chancen aber auch Risiken. Diese Techniken müssen stets Mittel zum Zweck sein. Ihre Anwendung muss auf die Lösung wichtiger Herausforderungen, wie einen verringerten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln einzahlen und sie dürfen nicht zu Abhängigkeiten der Landwirtinnen und Landwirte von einzelnen Herstellern dieser Technologien führen. Genormte Schnittstellen müssen daher einen Hersteller-übergreifenden Datenaustausch ermöglichen. Dies gilt auch für staatliche Agrarförder- und Meldeprogramme, die z. B. kompatibel zu betrieblichen Ackerschlagkarteien sein müssen. Darüber hinaus spielt Datensicherheit auch in der Landwirtschaft eine große Rolle. Landwirte haben einen Anspruch darauf, dass die auf ihren Feldern und in ihren Ställen erhobenen Daten sicher sind und nicht zu ihren Lasten weiterverwendet werden.“   Auch das anschließende Get-Together mit den vielen Anwesenden Agrarunternehmern, Unternehmensvertretern und Start-up-Gründern mit der Politik und dem GWD war vom Austausch und Netzwerkgedanken durchdrungen. 
Innovation, Digitalisierung und Technologie