Fachforum Ernährungswirtschaft

28. September 2022
Rechts im Vordergrund ein Flipchart mit Workshop-Ergebnissen, im Hintergrund ein GWD-Aufsteller

Beim zweiten Fachforum der Dialogreihe „Transformation der Lebensmittelwertschöpfungskette: transparent, nachhaltig, versorgungssicher“, moderiert von GWD-Vorstand und Bäckermeister Roland Schüren, fanden neben Impulsvorträgen von Anne-Monika Spallek MdB und Prof. Dr. Achim Spiller Workshops zur Vertiefung der drei Themenschwerpunkte statt:

1. Faire marktwirtschaftliche Bedingungen in der Lebensmittelwertschöpfungskette
Der Einfluss des Handels und großer Stakeholder:innen, wie verarbeitende Konzerne und Fast-Food-Ketten, wurde in diesem Workshop kritisch beleuchtet. Denn diese können aufgrund ihrer Marktposition Einfluss auf Nachhaltigkeitsstandards in der Wertschöpfungskette nehmen. Teilnehmende dieses Workshops verteilten sich auf Firmen entlang der gesamten Wertschöpfungkette, von der Produktion bis zum Einzelhandel.

2. Transparenz über die Nachhaltigkeitseffekte der Lebensmittelproduktion und Anreizsysteme für die ökologische Transformation
In diesem Workshop standen die Wechselwirkungen zwischen Nachhaltigkeitskennzeichnungen und das Verhalten von Verbraucher:innen im Mittelpunkt. Denn Lebensmittel spiegeln aktuell noch nicht die „wahren Kosten“ der Herstellung wider – diese bezeichnen ökonomisch die Internalisierung externer Kosten. Fragen zur Einpreisung dieser externen Effekte wurden in dieser Runde diskutiert.

3. Gestaltung regionaler Wertschöpfungsketten und einer neue Ernährungskultur
Die Chancen einer veränderten Ernährungskultur wurden in diesem Workshop in den Vordergrund gerückt. Auch wenn aktuell Inflation und Preisängste das Kaufverhalten beeinflussen, so ist dennoch in den letzten Jahren innerhalb der Gesellschaft das Bewusstsein für eine neue Kulinarik, die Nachhaltigkeit und Genuss verbindet, gewachsen. Fragen, wie die Ziele ländlicher Entwicklung mit nachhaltiger Agrarwirtschaft verknüpft werden können und das Engagement der Bürger:innen zur Gestaltung der Wertschöpfungsketten gestärkt werden kann, wurden unter den Teilnehmenden diskutiert.

Niclas Biener sitzt am Tisch und sprichtNiclas Biener, Head of EU Affairs & Agricultural Policy bei REWE und Teilnehmer am ersten Workshop, ging auf die Relevanz kleiner Produzent:innen ein: „Lokale und regionale Erzeuger:innen sind eine bedeutende Stütze unseres Produktsortiments – vor allem bei unseren selbstständigen Kaufleuten. Diese Produzent:innen darf die Politik nicht aus den Augen verlieren, sonst droht uns der unwiederbringliche Verlust von kleinen Betrieben.“

Im zweiten Workshop zeigte Wolfgang Kühnl, CEO von InFamily Foods Holding, auf, wie ökonomische Anreize für die nachhaltige Ernährungswirtschaft sinnvoll gestaltet werden können:
„Die Einführung einer Steuer auf vermeintlich weniger nachhaltige Produkte, wie z.B. Fleisch, würde den Fortschritt in diesen Produktkategorien abwürgen. Welcher Unternehmer wird entlang der Wertschöpfungskette in nachhaltige Haltungsformen und Technologien investieren, wenn sein Produkt unabhängig von der erbrachten Nachhaltigkeitsleistung durch eine pauschale Steuer diffamiert wird? Eine Ausweitung des Zertifikathandels auf weitere Umweltaspekte würde hingegen einen marktwirtschaftlichen Anreiz hin zu einer nachhaltigeren Ausrichtung der Lieferkette bieten.“

Jana Gäbert, Strategische Entwicklung, PR & Biodiversität bei der Agrargenossenschaft Trebbin eG und Teilnehmerin des dritten Workshops, ging vor allem auf die Wichtigkeit der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln ein:
„Rückverfolgbarkeit und Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln sind entscheidende Werkzeuge, um bei Konsument:innen Vertrauen aufzubauen und Transparenz herzustellen. Erst mit dem „Wissen, wo es herkommt“ können dann auch höhere Ziele wie Klimaschutz und Biodiversitätsförderung vermittelt werden. Die wissenschaftliche Gestaltung und Überwachung der Prozesskette muss nachvollziehbar und transparent, mit verständlichen Maßzahlen agieren und unabhängig von der Produktionsform (biozertifiziert oder nicht) sein.“

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29.11.2022
Fachforum Ernährungswirtschaft
Auf der abschließenden Veranstaltung der Reihe „Transformation der Lebensmittelwertschöpfungskette: transparent, nachhaltig, versorgungssicher“ durften wir erneut die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Ophelia Nick MdB, sowie Dr. Anne-Monika Spallek MdB, Mitglied des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Deutscher Bundestag, beide von Bündnis 90/Die Grünen, begrüßen. Durch die Veranstaltung leitete GWD-Vorstandsmitglied Roland Schüren. Im Zentrum dieses Forums stand der Entwurf des Scoping Papers mit dem Titel „Transformation der Lebensmittelwertschöpfungskette – transparent, nachhaltig, versorgungssicher“, das im Rahmen der ersten beiden Veranstaltungen durch Prof. Dr.  Achim Spiller, Dr. Anke Zühlsdorf und Dr. Sarah Iweala erarbeitet wurde. Im Rahmen der Veranstaltung wurden weitere Diskussionsbeiträge und Bewertungen der Handlungsempfehlungen für das Scoping-Papier besprochen; das Papier wird nun im weiteren Verlauf unserer Aktivitäten relevanten Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und der Wissenschaft zur Verfügung gestellt.  
25.06.2025
Verbriefung neu gedacht – Hebel für Europas Transformation oder Risiko für Stabilität und Vertrauen?
Mit dem für den 17. Juni erwarteten Regulierungsvorschlag will die Kommission den Verbriefungsmarkt ankurbeln, insbesondere durch reduzierte Kapitalanforderungen und vereinfachte Regeln für Banken und Investoren. Ziel ist es, die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu stärken. Wir freuen uns, gemeinsam mit Rasmus Andresen MdEP sowie Impulsen von Jan Schildbach, Director bei Deutsche Bank Research und Uwe Zöllner, Fellow bei Finanzwende e.V. tagesaktuell einordnen und bewerten zu können: Wie sinnvoll und risikoreich sind die geplanten Erleichterungen für Verbriefungen? Welche Auswirkungen sind auf die Kreditvergabe und Investitionen in der Realwirtschaft zu erwarten? Wie kann trotz Lockerungen das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems gesichert werden?
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik
07.07.2025
Power to Move: Strategien für das Ladenetz der Zukunft
Die Elektromobilität ist auf dem Weg zum neuen Standard – doch ihr Erfolg steht und fällt mit einer flächendeckenden, zuverlässigen und nutzerfreundlichen Ladeinfrastruktur. Ob im urbanen Raum, entlang der Verkehrsachsen oder im ländlichen Umfeld: Die Anforderungen wachsen, ebenso wie der Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund laden wir Sie herzlich ein zur Clustersitzung Mobilität & Verkehr „Power to Move: Strategien für das Ladenetz der Zukunft“ Im Mittelpunkt stehen der Austausch zu aktuellen Entwicklungen, strategischen Weichenstellungen und praktischen Erfahrungen rund um den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Gemeinsam wollen wir Perspektiven diskutieren, Herausforderungen benennen und Impulse für künftige Lösungswege geben. Wir freuen uns sehr Tarek Al-Wazir, den verkehrspolitischen Sprecher der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion als Impulsgebende begrüßen zu dürfen.
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa