Ein Jahr deutsches Lieferkettengesetz – Auswirkungen, Fortschritte, Unsicherheiten?

19. Oktober 2023

mit Max Lucks MdB: Beim Fachforum zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz wurde eine Bilanz nach einem Jahr deutsches Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gezogen und erste Erkentnnisse diskutiert. Sowohl Deutschlands Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen, als auch positive Effekte des Gesetztes für in Deutschland und Europa ansässige Unternehmen...

Beim Fachforum zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz mit Max Lucks MdBObmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Melanie Müller, Leiterin des Forschungsnetzwerks Nachhaltige Globale Lieferketten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, sowie Cornelia Heydenreich, Bereichsleiterin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch e.V., wurde eine Bilanz nach einem Jahr deutsches Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gezogen und erste Erkentnnisse diskutiert. Sowohl Deutschlands Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen, als auch positive Effekte des Gesetztes für in Deutschland und Europa ansässige Unternehmen wurden dabei genannt. Denn gerade in Zeiten mutipler Krisen ist es für Unternehmen wichtig, schnell auf Veränderungen im globalpolitischen Gefüge mit Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette reagieren zu können. Kritisch wurden hingegen die Berichtspflichten diskutiert, welche teilweise nur mit hohem bürokratischem Aufwand möglich sind.

Max Lucks betonte unter anderem die Außenwirkung des Gesetzes für Deutschland:

„Deutschland versteht sich als Vorreiter bei der Umsetzung globaler Umwelt- und Menschenrechtsstandards. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz trägt zur Aufrechterhaltung Deutschlands Glaubwürdigkeit für das Einstehen dieser Standards in der Außenpolitik bei, indem es Vorgaben für die Entwicklung fairer Arbeitsbedingungen bei internationalen Zulieferunternehmen festlegt und somit die Märkte der Zukunft prägt. Nur so kann unser Wohlstand langfristig stabilisiert werden.“ 

Katinka Barysch, Chief Human Rights Officer bei Allianz SE, lenkte den Blick auch auf die Europäische Lieferkettenrichtlinie CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive):

„Bei der Allianz bemühen wir uns, die Anforderungen des Lieferkettengesetzes mit bestehenden Prozessen bestmöglich zu integrieren. Auch versuchen wir, Synergien zu finden zwischen den Berichtspflichten der CSRD zum Thema „Beschäftigte in der Wertschöpfungskette“ und den Sorgfaltspflichten in der Lieferkette. Wir hoffen, dass die EU solche Synergien bei der finalen CSDDD Version im Blick hat.“

Dr. Melanie Müller hob die Auswirkungen des LKSGs auf die Resilienz von Unternehmen hervor:

„Untersuchungen nach der Corona-Pandemie haben gezeigt, dass solche Unternehmen, die über ihre Lieferketten detailliertere Informationen bereitstellen können auch in der Krise resilienter aufgestellt waren. In Zeiten multipler Herausforderungen unterstützen hohe Nachhaltigkeitsstands somit eine erfolgreiche Transformation.“

Weitere Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen
12.05.2021
Fachforum Neue Arbeit und Neue Qualifikation
Familienfreundlichkeit und die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Tätigkeiten spielen in der heutigen Arbeitswelt eine zentrale Rolle und sind für Arbeitgeber:innen ein wichtiger Standort- und Wettbewerbsfaktor geworden. Zu Gast bei Edenred sind wir unter anderem folgenden Fragen nachgegangen: Wie sieht diese familienfreundliche Arbeitswelt überhaupt aus und was ist dafür notwendig? Welche konkreten Potentiale bietet unsere heutige digitalisierte Arbeitswelt und wie sehen diese Maßnahmen in der Praxis aus? Kirsten Frohnert, Projektleiterin des Netzwerkbüros „Erfolgsfaktor Familie“ bei der DIHK Service GmbH, schilderte in ihrem Beitrag was Familienfreundlichkeit konkret bedeutet, welche unterschiedlichen Maßnahmen es gibt, wie individuelle Ansätze aussehen können und was in der Pandemie besonders wichtig ist. Christian Aubry, Managing Director von Edenred, berichtete in seiner Keynote, wie eine familienorientierte Unternehmenskultur aus Sicht von Edenred umgesetzt werden kann. Interessant ist dabei auch seine internationale Sicht und der Wunsch nach mehr politischer Unterstützung. Einen Impuls aus der grünen Politik gab die Sprecherin für Arbeitnehmer:innenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik der Bundestagsfraktion Beate Müller-Gemmeke, MdB.  Dabei gab Beate Müller-Gemmeke  einen Einblick in neue Arbeitspolitische Maßnahmen und stellte Konzepte aus dem Wahlprogramm der Grünen vor. 
07.10.2025
Innovationen in der Landwirtschaft für Nachhaltigkeit und Effizienz
Technologische Innovationen wie Automatisierung, Drohnen, KI, Robotik und vernetzte Datenanalysen eröffnen Chancen für eine ressourcenschonende und nachhaltige Landwirtschaft. Welche marktreifen Lösungen lassen sich durch Anreize schneller verbreiten – und welche politischen Schritte erleichtern Investitionen? Darüber möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen und laden Sie herzlich ein zur nächsten Sitzung des Kompetenzclusters Agrarwende und Ernährung – mit Dr. Ophelia Nick MdB, Sprecherin für Landwirtschaftspolitik von Bündnis 90/Die Grünen, und Prof. Dr. Christina Umstätter (angefragt), Leiterin des Thünen-Instituts für Agrartechnologie Professorin für Digitale Landwirtschaft an der TU Braunschweig.
Innovation, Digitalisierung und TechnologieRegionalforen
28.02.2024
Innovationsstandort Berlin Brandenburg
Berlin-Brandenburg bietet ein einzigartiges Ökosystem aus Industrie, Start-ups und Forschungseinrichtungen, welches die Metropolregion zu einem der attraktivsten Innovationsstandorte in Europa macht. Gleichzeitig stellen aktuelle Entwicklungen in der Region sowie im Kontext des internationalen Wettbewerbs im Hinblick auf Fachkräfte, Wirtschaftsförderung und Energieversorgung den Standort vor neue Herausforderungen. Anlass genug also, das neue GWD-Regionalforum „Metropolregion Berlin-Brandenburg“ (RFBB) ins Leben zu rufen: Hier wird künftig diskutiert, welche politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um den industriellen Sektor in der Metropolregion nachhaltig zu sichern und auszubauen. Am Mittwoch den 28. Februar wurde das RFBB in den Räumen der Berliner Repräsentanz eröffnet. Initiiert wurde die Gruppe von Nicole Ludwig (Ex-AGH-Abgeordnete, Bündnis 90 / Die Grünen und Unternehmerin) und Michael Knoll, Leiter Urbane Transformation & Stakeholdermanagement bei der GASAG. Letzterer moderierte auch das Eröffnungspanel mit Impulsvorträgen von Tuba Bozkurt MdA, Sprecherin für Industrie und Digitalwirtschaft der Grünen Fraktion im Abgeordnetenhaus, Sonja Jost, Geschäftsführerin DexLeChem und Vizepräsidentin der IHK Berlin sowie Mitglied im Beirat des GWD, und Wolfgang Schyrocki, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Finanzen des Landes Berlin (CDU). Die Runde konzentrierte sich zunächst eher auf die Berliner Perspektive, bis es auch zur Frage des Standes der Cluster-Strategie der beiden Länder ging (im Moment eher ausbaufähig). Zu den angesprochenen Themen gehörten: Die Wirtschaftspotenziale Berlins liegen nicht in der Breite, sondern in speziellen Bereichen und somit ist eine gezielte Industriepolitik zu bevorzugen. Bei Clustern sind stetige Potenzialanalysen von herausragender Bedeutung. Wie kann sichergestellt werden, dass es einen sicheren Ressourcenfluss für den Industriestandort gibt, und wie können systematisch Stoffe aus Abfall wieder in den Inputstoffstrom eingeführt werden? Welche Rahmenbedingungen können die angespannte Arbeitsmarktsituation mildern, welche nicht nur den Fachkräftemangel beinhaltet, sondern auch einen breiteren Personalmangel? Als Beispiel wurden Perspektiven für Personen ohne formalen Bildungsabschluss genannt. Welche Strategien benötigt der Senat, um die Potenziale der KI in Berlin voranzubringen?  Was sind die Anforderungen für zukunftsfähige Industrieparks? Einzelne Start-Ups können nicht leisten, auch noch die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Stimmen aus der Veranstaltung: Tuba Bozkurt MdA: „Berlin braucht eine strategische Industriepolitik. Es geht zum einen darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine Transformation der bestehenden Industrie erleichtern. Dazu gehört auch, Räume zu schaffen, in denen große Industrieunternehmen und mittelständische Unternehmen mit Start-Ups zusammenkommen, um Innovationen zu beschleunigen und in die Breite zu tragen. Zum anderen muss analysiert werden, welche Cluster das größte Wachstumspotenzial besitzen. Deren Förderung braucht Priorität! Es ist davon auszugehen, dass es dann vor allem um „grünes Wachstum“ gehen wird.“ Wolfgang Schyrocki, Staatssekretär der Finanzverwaltung: „Berlin hat viele Rahmenbedingungen, die es ermöglichen würden, einen innovativen Industriestandort zu schaffen, wenn diese richtig zusammengeführt werden. Die Verwaltung spielt hier natürlich eine zentrale Rolle und muss sich dafür in erster Linie auch selbst transformieren. Beispielsweise müssen wir beim Thema der Digitalisierung die Perspektive vom absoluten Schutz wechseln hin zu einer Perspektive, die den Wüschen und Bedürfnissen der Bürger:innen und Unternehmen gerecht wird. Das verlangt nicht zuletzt einen Kulturwandel – den wir nun aktiv gestalten und vorantreiben.“ Sonja Jost, DexLeChem und Vizepräsidentin der IHK Berlin: „Alle sprechen immer von der Transformation der Wirtschaft – also Bestehendes verändern. Worüber wir in Berlin jedoch noch viel öfter sprechen sollten, ist über das ganz Neue, was hier entstehen könnte. In wichtigen Bereichen der Chemie- oder der KI-Forschung gehört Berlin beispielsweise zum obersten Prozent weltweit, das ist ein enormes Potenzial. Um dieses zu bergen, braucht es jedoch eine gezielte Förderung von Transfer, von Innovationshubs – kurz, es braucht eine Strategie seitens der Regierung.“ „Wenn wir den industriellen Sektor in der Metropolregion stärken und ausbauen wollen, müssen wir anfangen, Stoffströme konsequent kreislaufwirtschaftlich zu denken – nur so ist ein nachhaltiges Wachstum möglich. Aus einer solchen holistischen Perspektive lassen sich auch Anforderungen für zukunftsfähige Industrieparks ableiten. Es braucht hier klare Konzepte und eine sichere Finanzierung – dafür braucht es eine gezielte Industriepolitik.“ Die kommenden Dialogformate des RFBB werden die verschiedenen Aspekte vertieft und gezielt behandeln, u.a. auch bei Treffen in Potsdam und anderen Städten der Region.
Innovation, Digitalisierung und TechnologieRegionalforen