Markthochlauf für klimaschonende Technologien braucht klaren politischen Rahmen

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Abschließende Scoping Papers zu den Fachforen EmE und EiG.

In den Fachforen „Emissionsarme Energieträger“ und „Energieintensive Grundstoffindustrie“ hat der GWD über ein Jahr lang den intensiven Dialog zwischen Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft organisiert. Wuppertal Institut und TU Hamburg führen die Ergebnisse der Gespräche in Scoping Papers zusammen. Politik ist nun gefragt.

Im Transformationsprozess hin zu emissionsfreier Wirtschaftsweise ist die zentrale Frage: Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit grüne Technologien sich auf dem Markt durchsetzen können? Um diese Frage zu klären, hat der Grüne Wirtschaftsdialog letztes Jahr die Fachforen Emissionsarme Energieträger und Energieintensive Grundstoffindustrie ins Leben gerufen. Darin haben Unternehmensvertreter – unter anderem von Airbus, BP, Dow, EWE und VNG – mit den MdBs Ingrid Nestle, Dieter Janecek und Claudia Müller sowie weiteren Politikern und unabhängige Experten im Rahmen mehrerer Treffen einen intensiven Dialog geführt. Die Ergebnisse der Diskussionen haben Dr. Anna Leipprand vom Wuppertal Institut und Dr. Sebastian Timmerberg von der TU Hamburg jeweils wissenschaftlich für den GWD ausgearbeitet. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Positionen und Perspektiven der Teilnehmer:innen in den Fachforen führen die Scoping Papers konkrete, unmittelbar umsetzbare Instrumente zusammen. Damit will der GWD zur Beschleunigung des politischen Entscheidungsprozessen beitragen. Denn das Gelingen der Transformation hängt entscheidend davon ab, ob die Politik jetzt schnell und konsequent handelt. 

Was ist zu tun:
  • CO2-Preis: Eine mangelhafte Internalisierung von Emissionskosten verhindert, dass bereits existierende klimaschonende Technologien sich gegen konventionelle durchsetzen können. Politik muss sich für eine vollständige Bepreisung externer Emissionskosten einsetzen und vor allem auch die klare Zielmarke in Betrag und Termin setzen. Parallel dazu muss Politik die sozialen Auswirkungen einer CO2-Bepreisung in den Blick nehmen und konkrete Maßnahmen zur Kompensation ungleicher Verteilungswirkungen umsetzen.
  • In einer Übergangsphase können Quotenregelungen für grüne Energieträger in einigen Anwendungsfelder die Investitionen für die Produktion grüner Energien absichern und einen Innovationswettbewerb von Produktionstechnologien ermöglichen.
  • Den Übergang von fossilem Erdgas gestalten: Damit ein Klimaschutz mit Erdgas möglich ist, müssen stärkere Berichtspflichten für Erdgasversorger und auch ökonomische Instrumente installiert werden, um die Vorkettenemissionen (inkl. Methanemissionen) zu reduzieren. Außerdem muss Erdgas schrittweise durch klimaschonendes Methan (Biomethan und PtG) ersetzt werden. Dabei soll der Einsatz von Wasserstoff bei der Erdgasinfrastruktur berücksichtigt werden.
  • Eine ambitionierte CO2-Bepreisung erfordert zwingend die Herstellung von fairen internationalen Handelsbedingungen. Ein Grenzausgleich kann dies in der Theorie gewährleisten, allerdings sind mit der praktischen Umsetzung gravierende Herausforderungen verbunden. Als Alternative sollte die Fortführung der kostenlosen Zuteilung in Verbindung mit einer Abgabe auf Produkte geprüft werden.
  • Carbon Contracts for Difference sollten genutzt werden, um frühzeitige Investitionen in Schlüsseltechnologien in der energieintensiven Industrie zu ermöglichen.
  • Es sind Entscheidungen zu treffen, die in einer Übergangszeit immer wieder zu Nachsteuerungen und Korrekturen führen müssen. Eine ständige Weiterentwicklung der Technologien in Hinblick auf Treibhausgasbelastung bzw. -einsparung, Produktionskosten, und Verfügbarkeit – national, europäisch, global – erfordert immer wieder Neubewertungen. Dafür müssen geeignete Managementprozesse aufgesetzt werden.
Falls Sie Interesse haben, diesen Fragen mit uns gemeinsam nachzugehen, kontaktieren Sie uns unter info@g-wd.de.

Weitere Publikationen

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11.12.2020
Automobilindustrie liefert konkrete Vorschläge zur Erreichung der Klimaziele von Paris
Fachforum Automobil- und Zulieferindustrie (AZI) legt Positionspapier vor. Unternehmensvertreter:innen einigen sich auf gemeinsame Prioritäten für die Transformation der Automobil- und Zulieferindustrie und zeigen Optionen für politische Steuerung auf. Die Auftaktsitzung des Fachforums Automobil- und Zuliefererindustrie fand am 9. September statt. In der Folge gab es mehrere fachliche Veranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Zu den Teilnehmer:innen gehören Unternehmensvertreter:innen aus allen Bereichen der Industrie – mittelständischer Maschinenbau, Tier 1 Zulieferer und OEM – sowie Arbeitnehmervertreter:innen, Automobilcluster und wissenschaftliche Institutionen. Die Ergebnisse des bisherigen Austauschs sind nun in einem Positionspapier zusammengefasst. Zu den Unterzeichnern gehören BMW, Ford, Mahle, Rheinmetall, Schaeffler und ZF. Das Papier bietet eine Analyse des sich verändernden Marktes, nachfrage- wie angebotsseitig, sowie der Rolle der Politik im Zuge dieser Transformation. Als oberste Prioritäten der Industrie wurden folgende Punkte identifiziert: Einhaltung der Klimaziele von Paris Mobilitätsstandort Deutschland langfristig stärken Sozialverträgliche Gestaltung der Transformation Es werden politische Instrumente benannt, die aus Sicht der Teilnehmer:innen zur Erreichung dieser Ziele beitragen würden. Diese beziehen sich auf Regulation, aber auch auf Innovationsförderung, Infrastruktur und Handelspolitik.  Der Grüne Wirtschaftsdialog wird auch in Zukunft eng mit der Automobil- und Zulieferindustrie zusammenarbeiten, um gemeinsame Lösungen auf dem Weg in die ökologisch-soziale Marktwirtschaft zu entwickeln. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und laden die Unternehmen der Industrie ein, sich mit uns in Kontakt zu setzen. Positionspapier AZI
Veröffentlichungen
13.11.2023
Standpunkt: Wasserstoffinfrastruktur
Die Transformation der Energieversorgung, die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien, die Produktion und Verfügbarkeit flüssiger und gasförmiger Energieträger, also Wasserstoff und die entsprechenden Derivate, stellen die Industrie vor wichtige Investitionsentscheidungen. Auch das BMWK arbeitet im Rahmen der nationalen Wasserstoffstrategie an der Sicherung der Versorgung der energieintensive Industrie. Dies war auch Gegenstand des Ad-hoc Forums Wasserstoffinfrastuktur; hier wurden Handlungsempfehlungen für eine dezentrale und regionale Wasserstoffversorgung und Netzverteilung erarbeitet und im Standpunkt Wasserstoffinfrastruktur veröffentlicht.   Zum Arbeitsfeld Energie Download
Klimaneutralität, Energiewende und IndustriepolitikVeröffentlichungen
03.07.2020
Stellungnahme des Fachforums Innovation und Gute Gesundheit zu Grundsatzprogrammentwurf der Grünen
Vor rund einem Jahr hat das Fachforum Innovation und Gute Gesundheit seine Arbeit aufgenommen. Schwerpunkt des Austauschs zwischen den Akteuren aus Politik und Wirtschaft ist es, eine Vision künftiger Gesundheitswirtschaft zu entwickeln und konkrete Wege dorthin aufzuzeigen. Im Rahmen ihrer systematischen Arbeit haben sich die Teilnehmer:innen mit dem Grundsatzprogrammentwurf der Grünen auseinandergesetzt. Die kritische Stellungnahme wurde in einem mehrseitigen Brief an den Bundesvorstand zusammengefasst. Insbesondere zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Das Patentierungsverbot von Medikamenten, “die der Bevölkerung insgesamt dienen” (Zitat aus dem Programmentwurf) und die Frage der Beteiligung privaten Kapitals in der Gesundheitsversorgung. Stellungnahme
Veröffentlichungen