Wärmewende pragmatisch sichern: Verlässlichkeit für Unternehmen, die schon weit voran sind

Alle Beiträge

Das Heizen von Gebäuden muss Schritt für Schritt von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umgestellt werden. So sieht es die geltende Rechtslage mit dem Gebäudeenergiegesetz vor. „Unternehmen und Verbraucher benötigen Verlässlichkeit für Ihre Investitionen, deshalb sollten die wesentlichen Inhalte des Gesetzes bestehen bleiben“, erklärt Marie-Luise Wolff von der Wirtschaftsvereinigung der Grünen zu der aktuellen Debatte um eine Veränderung des Gesetzes. Hinzu komme: „Wer das Gesetz jetzt wieder Richtung fossiler Heizungen kippen will, der verlässt den gerichtlich bestätigten Pfad der Klimaneutralität 2045. Ohne Wärmewende sind diese Ziele nicht zu erreichen.“ Wichtig sei jetzt vor allem, die Verbraucher nicht in die Kostenfalle teurer werdender fossiler Brennstoffe laufen zu lassen. Technisch sei die Wärmewende möglich. „Die Unternehmen sind hier deutlich weiter als die politische Debatte. Die Wärmepläne stehen, das Handwerk wartet seit mehr als einem Jahr auf Aufträge.“

Innovative Wärmepumpen-Würfel für Mehrfamilienhäuser entwickelt das Wohnungsunternehmen Vonovia. Der DAX-Konzern plant in einem ersten Schritt für mehr als 20.000 Wohnungen die klimafreundliche Technologie. Vonovia hat in Aachen die Serienproduktion zusammen mit dem Start-Up Enercube und der DFA-Demonstrationsfabrik gestartet. In einem Pilotprojekt in Donauwörth sanken die Energiekosten bereits um 40 Prozent. Die Wärmepumpen-Würfel sind so groß wie eine Garage und werden vorgefertigt außerhalb der Wohngebäude installiert, einfach und schnell. Vonovia zeigt, was Skalierung leisten kann.

Vonovia, Stadtwerke München, EWE: Investitionen für Klimaneutralität

Ein zweites Beispiel: Die Stadtwerke München bauen aktuell Kontinental-Europas leistungsstärkste Geothermieanlage. Parallel dazu wird das Fernwärmenetz für die Ökowärme fit gemacht und ausgebaut. Die Fernwärmen-Netztrassenlänge soll dabei bis 2040 von heute 1000 Kilometer auf rund 1600 Kilometer anwachsen. Für die Münchner Wärmewende planen die Stadtwerke München Gesamtinvestitionen in Höhe von ca. 9,5 Mrd. Euro. Den rechtlichen Rahmen dafür bilden das Wärmeplanungsgesetz und das Gebäudeenergiegesetz, welche 2024 in Kraft getreten sind,  und von den Stadtwerke München umgesetzt werden.

Das Versorgungsunternehmen EWE bietet in Nordwestdeutschland Unternehmen Wärme-Contracting an. Sie installieren und betreiben für gewerbliche Kunden auf deren Gelände Wärmepumpen und, dort wo es passt, für deren Bedarf auch gleich noch Solaranlagen. Die Kunden müssen sich um nichts weiter kümmern, sondern nur für ihre grüne Energie zahlen. Und dies ist nur eine von vielen Maßnahmen des Unternehmens auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Modernisierung der Infrastruktur kann Beitrag für Wirtschaftswachstum sein

Alle drei Unternehmen sind Mitglied der Wirtschaftsvereinigung der Grünen – aber die Wärmewende haben sie ganz unabhängig hiervon angepackt: Weil sie Möglichmacher sind. Die von der Politik allerdings Verlässlichkeit brauchen für ihre Investitionen.

Mehr als die Hälfte der Endenergie in Deutschland entfällt auf das Beheizen von Gebäuden sowie auf Wärme- und Kälteanwendungen in Gewerbe und Industrie. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärme liegt bei knapp 18 Prozent. Der Gebäudesektor hat damit mehrfach seine Ziele zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes und damit die gesetzlich verankerten Klimaziele deutlich verfehlt. Mit dem Gebäudeenergiegesetz der Ampelregierung wurden die Zeichen auf Investieren für die Wirtschaft gestellt – investieren in Wärmenetze, in Stromnetzertüchtigung, in Geothermie, in Wärmepumpenproduktion, in Installateurs-Kapazitäten. Die Wärmewende kann ein Beitrag sein für die Modernisierung der Infrastruktur am Standort Deutschland – und damit auch für unser Wirtschaftswachstum.

Weitere Meldungen

Alle News
30.07.2026
Impulspapier: Verteidigung als Innovationstreiber
Deutschland erhöht seinen Verteidigungshaushalt 2026 auf 124 Milliarden Euro. Die NATO-Beschlüsse von Ankara und ReArm Europe mobilisieren hunderte Milliarden Euro zusätzlich. Die Ausgabenfrage ist entschieden – die Gestaltungsfrage allerdings noch nicht.Entscheidend ist, ob aus diesen Investitionen industrielle Stärke, technologische Souveränität und echte Innovationskraft entstehen. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft zeigt: Es kommt nicht auf die Höhe der Ausgaben an, sondern darauf, wofür sie eingesetzt werden. Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen legt ein Impulspapier vor, das konkrete Antworten auf genau diese Frage gibt.Dafür schlagen wir sechs konkrete Maßnahmen vor:  Dual-Use-Innovation gezielt fördern: Sicherheitsrelevanz als Kriterium in der staatlichen Forschungsförderung verankern – mit spezifischen Programmen nach dem Vorbild des US-amerikanischen Defense Advanced Research Projects Agency Modell-Modells (DARPA). Ökosysteme statt Silodenken: Offene Wertschöpfungsnetzwerke aus Grundstoffindustrie, Systemintegratoren, Mittelstand und Startups strukturell ermöglichen – vereinfachte Zertifizierungsprozesse, nationale Qualifizierungsprogramme und echte Brücken zwischen KMU und Tier-1-Unternehmen. Gesamtverteidigung als Gesamtsystem denken: Ressortübergreifende Strategie unter einem gestärkten Nationalen Sicherheitsrat – Planungssicherheit für Unternehmen über Legislaturperioden hinweg. Europäische Verteidigungskooperation als Industriepolitik begreifen: European Defence Industry Programme (EDIP)-Konsortien aktiv mitgestalten, gemeinsame Beschaffungsstandards durchsetzen, nationale Alleingänge beenden. Finanzierungsrahmen schaffen: staatliche Garantieinstrumente, u.a. über KfW und EIB, für rüstungsrelevante Lieferkettentransformationen und eine industriepolitische Komponente im Sondervermögen, damit Unternehmen heute investieren können. Forschung als strategischen Multiplikator begreifen: Den Abstand zwischen der EU (4,5 Prozent des Militärbudgets für F&E) und den USA (17 Prozent) strukturell schließen – durch Dual-Use-Förderlinien und gezielte Maßnahmen zur Talentbindung.  Der Security.Table hat heute dazu berichtet: hier geht es zur Meldung (Paywall).
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit
21.06.2024
Arbeitskräfte für den Standort Brandenburg: Runder Tisch regionale Wirtschaft bei DHL mit grünen Staatssekretär*innen
Was tun gegen den Arbeitskräftemangel und für den Standort Brandenburg – das war Thema eines Gespräches zwischen Unternehmen aus der Region und zwei grünen Staatssekretären aus Bund und Land. Zuvor hatten sich die beiden Politiker bei einem Rundgang durch die Niederlassung der DHL Group in Schönefeld intensiv mit der Betriebsleitung sowie direkt mit Beschäftigten ausgetauscht. Angestoßen hatte dies die Wirtschaftsvereinigung der Grünen. Eines der Ergebnisse der vielen Gespräche: Zuwanderung ist ein positiver Faktor. Sie trägt dazu bei, , dass es genug Arbeitskräfte für die Unternehmen und damit Wohlstand für alle gibt. Ebenso ist auch die Erwerbstätigkeit von Frauen wichtig. Diese ist im Osten Deutschlands auch nach der Gründung einer Familie deutlich höher ist als im Westen, was gut ist für das Arbeitskräfteangebot. „Menschen, die in unserem Land eine neue Heimat suchen, sind eine Bereicherung für den Arbeitsmarkt“, sagte der DHL-Niederlassungsleiter Marcel Bender. „Sie sind wichtig für die Zukunft unseres Landes und das Funktionieren unserer Wirtschaft, auch mit Blick auf den demographischen Wandel. Daher setzen wir uns dafür ein, noch bestehende Hürden für einen schnellen Zugang von Zugewanderten zum deutschen Arbeitsmarkt zu beseitigen.“ Zur Mobilisierung des gesamten Potenzials von Arbeitskräften hat das Unternehmen Programme zur Förderung von Frauen in Führungspositionen und Mentoring. Und das mit Erfolg.  „Entweder die Menschen kommen her, oder die Unternehmen gehen weg“ „Arbeitskräfte sind ein entscheidender Standortfaktor,“ sagte der Bundestagsabgeordnete für Brandenburg und Parlamentarische Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Michael Kellner. „Wir werden den Wohlstand dieses Landes nicht halten können, ohne zugewanderte Fachkräfte. Entweder die Menschen kommen zu den Unternehmen oder die Unternehmen gehen zu den Menschen. Das würde bedeuten: sie gehen raus aus Brandenburg, raus aus Deutschland – das wollen wir nicht. Als Bundesregierung haben wir endlich die Weichen gestellt und erleichtern Zuwanderung von Fachkräften. Wer dagegen hetzt, gefährdet unseren Wohlstand.“ Aus dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg war Staatsekretärin Antje Töpfer dabei, auch sie von Bündnis 90/Die Grünen. „Um unbezahlte Aufgaben in Kinderbetreuung, Altenpflege, Haushalt zu erledigen, reduzieren Frauen in höherem Umfang als Männer ihre Wochenarbeitszeit“, erklärte Töpfer. „30 Prozent der Männer arbeiten weniger als 40 Stunden pro Woche, aber knapp 60 Prozent der Frauen. Dies führt zu geringeren Einkommen und zu geringeren Altersbezügen. Die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen wird damit eingeschränkt.” Zugleich wird damit weniger der dringend benötigten Arbeitskraft angeboten. “Das zeigt: In Sachen Gleichstellung gibt es noch sehr viel zu tun.“ Runder Tisch regionale Wirtschaft – von Lidl bis Rolls Royce „Wir alle können nur gewinnen, wenn die Arbeitswelt flexibler und offener wird mit einem klaren Fokus auf Chancengleichheit und persönliche Weiterentwicklung, ohne Einschränkung durch Geschlecht, Alter, Herkunft“, sagte Hansjörg Votteler, Unternehmer und Leiter des Kompetenzclusters Arbeitsmarkt in der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, die kürzlich mit dem Grünen Wirtschaftsdialog fusioniert ist. „Allzu starre Regeln etwa bei den Arbeitszeiten, auch wenn sie gut gemeint sind und es sie schon ewig gibt, passen nicht mehr in eine von der Knappheit von Arbeitskräften geprägte Zeit. Sinnvoller sind zum Beispiel Arbeitszeitkonten und smarte betriebliche Regelungen.“ Am Roundtable regionale Wirtschaft nahmen teil:– ALDI Nord– Amazon– AneCom AeroTest GmbH– DHL Group– E.DIS– Flughafen Berlin-Brandenburg (BER)– Industrie- und Handelskammer Cottbus– Lidl Kremmen Vertriebs-GmbH & Co. KG– Ostdeutscher Sparkassenverband– Rolls-Royce Deutschland– Schwarz Gruppe– STV Media GmbH– Zalando +++ Foto von Simon Löffler/DHL: Michael Kellner (Mitte) und Antje Töpfer (rechts daneben) im Gespräch mit Beschäftigten der DHL Niederlassung Schönefeld.
Arbeitsmarkt und DemografieRegionalforen
24.01.2024
Künstliche Intelligenz: Chancendialog mit Google-Bard-Entwickler und Grünen-Parteichef
Schon vor 2040 könnte so gut wie jeder Job in irgendeiner Weise mit Künstlicher Intelligenz, kurz KI, zu tun haben – ob Transportwege maschinell optimiert werden oder Emails entworfen. Hierin waren sich beim Chancendialog der Wirtschaftsvereinigung der Grünen die beiden prominenten Gäste einig: Jack Krawczyk, einer der Entwickler der Google-KI Bard und live aus dem Silicon Valley zugeschaltet, und Omid Nouripour, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Neben Mitgliedern der Wirtschaftsvereinigung aus dem Kompetenzcluster Digitalisierung wie etwa Siemens nahmen online auch externe Gäste teil. Dies alles vor dem Hintergrund des neuen europäischen Gesetzes, dass die Künstliche Intelligenz erstmals umfassend reguliert. Maschinelles Lernen sei eine ähnliche Umwälzung wie vor einem halben Jahrhundert die Automatisierung in den Fabriken, als Roboter die Produktivität steigerten, sagte Krawczyk. Er verstehe deshalb jede Skepsis. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern gebe es in Europa Sorgen über den Input der KI, obwohl es der Output sei, der die Wirkung von KI ausmache und aufmerksam beobachtet werden müsse. So wolle Google Produkte künstlicher Intelligenz als solche kenntlich machen. Vertrauen sei die entscheidende Größe, wenn es um KI gehe, betonte Omid Nouripour von den Grünen. Deshalb sei es so wichtig, dass im EU AI act beispielsweise „Social Scoring“ untersagt sei, also Sozialpunkte-Systeme, in denen wie in China Verhalten bewertet und damit kontrolliert werde. Ein Problem von KI sei sicher auch die Zunahme von Desinformation, KI vergrößere hier aber nur ein bereits vorhandenes Problem., so Nouripour. Insgesamt sei das wirtschaftliche Potenzial von KI so bedeutend, dass Europa die Entwicklung von KI nicht anderen überlassen solle.
Innovation, Digitalisierung und Technologie