Sondervermögen Infrastruktur – Zukunftsinvestitionen mit Augenmaß gestalten

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500 Milliarden Euro für die Zukunft – das geplante Sondervermögen Infrastruktur ist eine historische Chance, zentrale Weichen für den Standort Deutschland neu zu stellen. Doch wie kann sichergestellt werden, dass die Mittel wirklich dort ankommen, wo sie Wirkung entfalten? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines digitalen Austauschs der Wirtschaftsvereinigung der Grünen mit Dr. Sebastian Schäfer, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Mitglied im Haushaltsausschuss, sowie Moritz Krämer, Chefvolkswirt der LBBW. Die Diskussion wurde von Gabriele C. Klug, Co-Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung und frühere Kämmerin, moderiert.

Deutlich wurde: Deutschland hat lange unterinvestiert. Im Vergleich mit Partnerländern wurde seit den 1990er Jahren deutlich weniger in die öffentliche Infrastruktur gesteckt. Diese Investitionslücke zu schließen, ist angesichts multipler Krisen und der Transformationsaufgaben dringender denn je.

Doch hohe Investitionen allein reichen nicht. Die Diskussion machte klar, dass ein echter Schub nur dann gelingt, wenn zugleich strukturelle Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört eine Staatsreform ebenso wie der konsequente Abbau bürokratischer Hürden – damit die Mittel schnell, effizient und zielgerichtet eingesetzt werden können. Denn sowohl öffentliche Hand als auch private Unternehmen stoßen derzeit vielfach an ihre Kapazitätsgrenzen.

Eine weitere Bedingung ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Migration in den Arbeitsmarkt spielt hier eine Schlüsselrolle. Ohne ausreichend Fachkräfte laufen Investitionen insbesondere in bauliche Maßnahmen Gefahr, lediglich Preissteigerungen auszulösen, anstatt realen Fortschritt zu ermöglichen.

Zentral bleibt auch die Frage, ob Ausgaben tatsächlich investiven Charakter haben. Entscheidend ist, dass sie das künftige Wachstumspotenzial steigern – also nicht nur laufende Kosten decken, sondern den Standort dauerhaft stärken. Gerade im Bereich der Transformation zur Klimaneutralität ist darauf zu achten, dass Mittel tatsächlich für zukunftsgerichtete Projekte eingesetzt werden.

Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen wird das Thema weiter eng begleiten. Das Sondervermögen betrifft alle – und die Chance, es sinnvoll zu nutzen, darf nicht vertan werden. Weitere Dialogformate sind in Planung.

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20.05.2026
Wirtschaftsvereinigung der Grünen beim Berliner Firmenlauf vertreten
Auch abseits von Wirtschaft und Politik war unser Team in den vergangenen Tagen aktiv: Beim Berliner Firmenlauf gingen Adrian Döhr, Anya Simon, Christian Forster, Felix Klein, Lisa Reymann, Martin Kaul und Simon Behnisch für die Wirtschaftsvereinigung der Grünen an den Start. Trotz herausfordernder Wetterbedingungen bewiesen die Teilnehmenden Ausdauer und Teamgeist und vertraten die Wirtschaftsvereinigung mit großem Engagement auf der Laufstrecke. Wir gratulieren allen Läuferinnen und Läufern zu ihrer Leistung und freuen uns bereits auf die nächste Ausgabe des Berliner Firmenlaufs.
14.02.2025
Unternehmen vor hybriden Bedrohungen schützen: Impulspapier anlässlich Münchner Sicherheitskonferenz
Vorschläge für den Schutz von Unternehmen vor Bedrohungen feindlicher Staaten – hierzu hat das Kompetenzcluster Sicherheit & Verteidigung der Wirtschaftsvereinigung der Grünen heute ein Impulspapier veröffentlicht. Anlass ist die an diesem Wochenende beginnende Münchner Sicherheitskonferenz. Angriffe finden unterhalb der Schwelle kriegerischer Handlungen statt, von Spionage bis Sabotage, so dass Deutschland gerade auch mit Blick auf die Wirtschaft seine Resilienz erhöhen muss. „In einem marktwirtschaftlich organisierten System orientieren sich finanzielle Richtungsentscheidungen i.d.R. in Richtung Kosteneffizienz“, heißt es in dem Papier unter anderem. „In Bezug auf die Sicherheit und Anfälligkeit in einer hybriden Bedrohungslage sollten sicherheitsrelevante Merkmale vor allem bei Investitionsentscheidungen jedoch nicht vernachlässigt werden. Aufgrund günstiger Produktionskosten sind Produkte aus dem Ausland für Unternehmen in Deutschland und Europa jedoch zumeist attraktiver, bzw. unternehmerisch die einzige Möglichkeit. Es braucht Anreize und Förderprogramme, damit in Bezug auf Produktionsprozesse und Lieferketten nicht an der Sicherheit gespart wird.“ Hier das vollständige Papier. Impulspapiere der Wirtschaftsvereinigung sind Zweiseiter – gebündelte Handlungsempfehlungen auf der Grundlage des Dialogs in den jeweiligen Kompetenzclustern.
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit
22.04.2026
Investitionen in Infrastruktur: Austausch mit MdB Audretsch
Infrastruktur für einen starken Standort Deutschland – welche Rolle kann privates Kapital bei der Finanzierung spielen? Mit Andreas Audretsch, Fraktions-Vize von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, und dem Ökonom Patrick Kaczmarczyk von der Universität Mannheim am Kompetenzzentrum für Transformation diskutierten unsere Mitglieder im Fachforum. Zum Start gaben unsere Vorsitzende Marie-Luise Wolff, der Fachforums-Leiter sowie Transdev-CEO Martin Becker-Rethmann sowie unser Mitglied Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft mit Tim Ockenga Impulse für den lebhaften Austausch. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, ermöglicht auch durch die Grünen, schafft Möglichkeiten für staatliche Investitionen in Verkehr, Energie, Digitales – sofern es denn tatsächlich zukunftsorientiert und zusätzlich eingesetzt würde (statt Zweckentfremdung durch die Bundesregierung, wie von Studien aufgedeckt). In jedem Fall aber kann der Staat nicht allein die Finanzierungslücke bei unserer Infrastruktur schließen: Es braucht privates Kapital. Eine Form hierfür sind ÖPP, Öffentlich-Private-Partnerschaften. Einige Punkte aus der Diskussion: Kredite für Investitionen in Infrastruktur bekommt der Staat günstiger als private Partner. Private Investoren sind teils schneller als öffentliche und dadurch kosteneffizienter. Statt nur als Finanzierungsmodell zu dienen, können ÖPP auch eine Perspektive für das Betreiben von Infrastruktur sein, im Sinne einer Dauer angelegte Partnerschaften statt wie bei manchen Finanzinvestoren mit Fokus auf raschen Exit. Knappe personelle Kapazitäten in der öffentlichen Verwaltung können entlastet werden durch private Finanzierer, Planer und Betreiber (Lebenszyklusperspektive). Ein Ansatz: ÖPP-Projekte standardisieren und Bündelung anstreben, um Eintritt für private Investoren zu erleichtern. Dabei Kompetenz für ÖPP aufbauen – insbesondere bei Städten, Landkreisen und auf Landesebene. In Verträgen kann die Verfügbarkeit einer Infrastruktur nach 20 Jahren festgelegt werden, und dadurch von Anfang an Instandhaltung eingepreist werden. Strategische Resilienz kann ein Element von ÖPP sein – hier geht es u.a. darum: Werden europäische oder chinesische Komponenten verbaut, und wer verdient entsprechend daran? Klar ist: ÖPP sind weder Teufelszeug noch Allheilmittel. Und der Staat muss Richtung und Verlässlichkeit bieten, etwa bei der Transformation – damit entstehen Märkte.
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa