Nordseegipfel: Zuverlässige und langfristige Rahmenbedingungen schaffen

Alle Beiträge

Der Nordseegipfel sollte ein klares Signal senden: Für die Absicherung von Investitionen in grüne Technologie, erneuerbare Energie, Transformation. Beim Spitzentreffen in Hamburg ist richtig, dass die europäische Zusammenarbeit in den Vordergrund gestellt wird.

Hierzu unser Vorstandsmitglied Volker Ratzmann:

„Wichtig ist jetzt, nicht nur die hohen Investitionen, die für den Ausbau von Windenergie notwendig sind, regulatorisch abzusichern, sondern auch die Investitionen, die notwendig sind, um die Elektrifizierung und damit Dekarbonisierung von industriellen Fertigungsprozessen voranzutreiben. Diese Investitionen etwa in synthetische Kraftstoffe, in grünen Stahl und grüne Produkte der Chemie-Industrie werden nur kommen, wenn deren Refinanzierung langfristig gesichert ist.

Es bedarf zuverlässiger und langfristiger regulatorischer Rahmenbedingungen. Das Risiko regulatorischer Änderungen, die die ökonomischen Rahmenbedingungen unter den Investitionen getätigt wurden nachteilig verändern, müssen staatlicherseits abgesichert werden (Grandfathering). Das Preis-Gap zwischen fossiler und dekarbonisierter Produktion kann und muss bis zur Entstehung funktionierender Märkte durch Mechanismen wie ‚Contracts for Difference‘ (teils ‚Klimaschutzverträge‘ genannt) oder ‚double auctioning‘ Modelle abgesichert werden. Nur so kann die ‚bankability‘ für Projekte durch langfristigen Abnahmegarantien hergestellt werden.“

Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen macht die Absicherung von Investitionen für die Transformation zu einem ihrer Leitthemen 2026 – für die Verbindung von Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität. Für einen starken Standort Deutschland.

Weitere Meldungen

Alle News
20.08.2026
Studie: „Berlin kann Wirtschaft“ – wie aus den Chancen bis 2037 echtes Wachstum werden kann
„Berlin kann“ – das ist Ergebnis einer Studie zu den Potenzialen der Wirtschaft in der Hauptstadt in den nächsten zehn Jahren. Denn: Berlin hat kein Potenzialproblem. Berlin muss besser darin werden, seine Stärken wirklich in Wertschöpfung zu übersetzen. Damit aus den Chancen Wachstum wird, braucht es einen wirtschaftspolitischen Aufbruch. Aus zwei Workshops und 25 Interviews mit Menschen aus der Berliner Wirtschaft haben die Autoren Vorschläge für neue Strategien entwickelt. „Standort Berlin 2037“:  Fünf Wertschöpfungsfelder, 20 Maßnahmenpakete, 39 Ideen für die ersten hundert Tage der nächsten Landesregierung. Und ein Ziel: Parteiübergreifend den Standort stark machen. „Berlin kann Freiheit. Berlin kann Exzellenz. Berlin kann einfach. Berlin kann stabil“, erklärt Till Kötter, zusammen mit Michael Knoll von der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg der Wirtschaftsvereinigung der Grünen Ko-Initiator der Studie. „Jetzt kommt es darauf an, daraus wirtschaftlichen Erfolg und gute Arbeitsplätze für Berlin zu schaffen.“ Das ist sehr konkret: Bei der Standortwahl spielt für Talente der Faktor Freiheit eine immer größere Rolle, also viel Diversität und wenig Bürokratie. Exzellenz muss aus der Forschung statt nur zu Start-Ups sehr viel schneller auch zu Scale-Up-Unternehmen wachsen können. Einfach muss die Verwaltung werden, damit Unternehmen produktiv sein können. Und stabil: Berlin als Stadt des Wandels kann Produkte für Resilienz in unsicheren Zeiten bieten, von intelligenter klimaneutraler Mobilität bis zu Sicherheits-High-Tech. Über Parteigrenzen hinweg: Diskussion mit Grünen, CDU, SPD diese Woche Erstmals öffentlich vorgestellt wurde die Studie diesen Donnerstag – und dies direkt parteiübergreifend: Über die Vorschläge diskutierten Tuba Bozkurt von Bündnis 90/Die Grünen, Lucas Schaal von der CDU und Florian Dörstelmann von der SPD, alle sind sie Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses. Mit dabei war auch Holger Glocker, Managing Partner von Z_punkt. Er verantwortet die methodische Konzeption und Begleitung der Studie – angewendet wurden etablierte Verfahren strategischer Vorausschau. Fünf Wertschöpfungsfelder bieten für Berlin laut der Studie aus Sicht der Wirtschaft die größten Möglichkeiten: Gesundheitsmetropole Europas, Hauptstadt intelligenter Mobilität, Modellregion für klimaneutrale Infrastruktur, Zentrum für Digitale Souveränität und KI, und Innovationsstandort für Resilienz und Sicherheit. Hierfür nennt die Studie eine Reihe von Hebeln. Dazu zählt der gezieltere Einsatz öffentlichen Kapitals, der Staat als Möglichmacher, und Berlin als Schaufenster für Zukunftstechnologien – diese sollten in Reallaboren in der Stadt rasch zum Einsatz kommen, von Drohnenabwehr bis zu autonomen Straßenbahnen. Das alles mit Mut zum Ausprobieren. Strategische Hebel, konkrete Maßnahmen: Von Zukunftsfonds bis Effizienzgesetz Die Studie nennt konkrete Maßnahmen. Hierzu gehört ein Berliner Effizienzgesetz, das Berichtspflichten für Unternehmen automatisch auslaufen lässt, wenn die Verwaltung nicht deren Nutzen belegen kann. Eine Wohnraumoffensive, weil für Unternehmen die Verfügbarkeit von bezahlbaren und erreichbaren Wohnungen für ihre Beschäftigten zunehmend wichtig wird. Ein Zukunftsfonds Berlin für Investitionen zusammen mit der Privatwirtschaft. Mehr Dual-Use-Forschung öffnen für Sicherheitsprodukte. Ein gemeinsames Programm für Führungskräfte in Behörden von der Verwaltung Berlins und der Wirtschaft. „Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandel. Für Berlin entsteht daraus eine historische Chance“, so Ko-Initiator Michael Knoll. „Während viele Regionen erhebliche Ressourcen für die Transformation bestehender Wirtschaftsstrukturen aufwenden müssen, kann Berlin davon weitgehend unbelastet gezielt in den Aufbau neuer Wertschöpfung investieren. Das Jahr 2037 haben wir bewusst gewählt: Es markiert als Fluchtpunkt den 800. Geburtstag Berlins. Und ein Jahrzehnt für die Umsetzung der Strategien, das reicht über Wahlperioden hinaus: Gemeinsam für den Standort.“ Hier die Studie im Volltext.
RegionalforenStandortpolitik, Infrastruktur und Europa
26.06.2023
Fachkräfte sichern: Migration und Frauen in Erwerbstätigkeit – Kompetenz-Cluster gegründet
Zwei Lösungsansätze haben Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung diskutiert mit Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend, und Frank Bsirske, für die Grünen im Bundestag. Erstens, Frauen mit dem Wunsch nach Erwerbstätigkeit diese auch zu ermöglichen, mit Auswegen aus der Teilzeitfalle. Hier liegt eine riesige ungenutzte Ressource wertvoller Arbeitskraft, teils wegen unzureichender Kinderbetreuungs-Angebote. Zweitens Einwanderung und Integration, mit Arbeitskräften aus den europäischen Ländern und darüber hinaus. Die Teilnehmer*innen aus den Unternehmen waren sich einig, dass die Sicherung von Fachkräften eines der aktuell ganz wichtigen Themen in der Wirtschaft ist. Sie alle begrüßten im Grundsatz das vom Bundestag vor wenigen Tagen beschlossene Gesetz zur Fachkräfteeinwanderung – nur dass es gar nicht mehr bloß um Fachkräfte gehe, sondern insgesamt um Arbeitskräfte. Unmittelbar vor dem Austausch mit den Politiker*innen konstituierte sich als erstes Kompetenz-Cluster der Wirtschaftsvereinigung die Fachgruppe „Arbeitsmarkt und Mitarbeitende“. In diesen Fachgruppen findet die inhaltliche Arbeit der Mitglieder statt. Geleitet wird dieses erste Cluster ehrenamtlich von Tatiana Ohm, die zugleich ist sie auch Mitglied im Vorstand der Wirtschaftsvereinigung ist. Mit dem Thema Arbeitskräfte hat sie auch hauptberuflich zu tun, als Managing Director Global Accounts bei Randstad Sourceright. Das Cluster wird, aufbauend auf dem Austausch mit den Politiker*innen, Positionen entwickeln und zur Debatte beitragen. Weblink zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz Weblink zu Maßnahmenpaket des BMFSFJ
Arbeitsmarkt und Demografie
21.03.2025
Öffentliche Beschaffung als Hebel für nachhaltiges Wirtschaften
Die Europäische Kommission bereitet neue Leitlinien für die milliardenschwere öffentliche Beschaffung vor – mit weitreichenden Implikationen für Unternehmen in ganz Europa. Schon frühzeitig bringt sich die Wirtschaftsvereinigung der Grünen in diesen Prozess ein, unter anderem durch einen intensiven Austausch mit Anna Cavazzini, Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz im Europäischen Parlament. Im Rahmen eines Fachgesprächs unseres Kompetenzclusters „Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft“ wurden zentrale Weichenstellungen diskutiert. Dabei wurde deutlich: Die öffentliche Beschaffung kann ein kraftvolles Instrument sein, um Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam voranzubringen. Zentrale Impulse und Positionen aus der Diskussion: Grüne Leitmärkte fördern: Vergabeverfahren sollten gezielt nachhaltige Produkte begünstigen – etwa durch Quoten für Sekundärrohstoffe. So kann die öffentliche Hand als Innovationsmotor für die Kreislaufwirtschaft wirken. Verfahren vereinfachen: Der Zugang zur öffentlichen Beschaffung muss gerade für kleine und mittlere Unternehmen erleichtert werden. Digitale Tools wie ein europäischer Produktpass können Transparenz und Effizienz steigern. Recycling stärken: Die Nachfrage nach strategischen Rohstoffen wie Kupfer nimmt zu. Ein effektiver Umgang mit Recyclingpotenzialen wird damit auch zur Frage der wirtschaftlichen Resilienz. Buy-European nutzen: Eine intelligent gestaltete Beschaffungspolitik kann europäischen Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen und bleiben innovationsfreundlich. Die Diskussion wurde durch Beiträge aus der unternehmerischen Praxis bereichert, unter anderem von Johannes Hauck (Hager Group), Markus Möller (Holcim) und Dirk Böttner-Langolf (BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V.). Klar ist: Öffentliche Aufträge sind mehr als Verwaltungsvorgänge – sie sind wirtschaftspolitisches Gestaltungsinstrument. Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen wird die Weiterentwicklung auf EU-Ebene eng begleiten und ihren Dialog mit Wirtschaft und Politik fortsetzen.
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa