Mitglieder verdoppelt, Wucht verdoppelt: Fusion grüner Wirtschaftsverbände

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Die grünen Wirtschaftsverbände bündeln ihre Kräfte: Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen und der Grüne Wirtschaftsdialog haben am Freitag in Berlin ihre Fusion beschlossen. Mit mehr als 250 Unternehmen und Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft ist der neue Verband doppelt so groß wie zuvor die Einzelorganisationen. Mit dabei sind viele Mittelständler, aber auch Konzerne wie Siemens, SAP, Airbus, Bayer, Allianz, BASF, RWE, Schwarz-Gruppe, aus der ganzen Breite der deutschen Wirtschaft.

„Uns eint, dass wir die Verbindung von Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit als Chance sehen – das eine geht nur zusammen mit dem anderen. Die Kombination der Ziele Wirtschaftlichkeit und Klimaneutralität kann eine Erfolgsgeschichte für den Standort Deutschland und für Europa sein, wenn wir es richtig anpacken“, sagte Thomas Fischer, einer der Vorstandsvorsitzenden des neuen Verbandes, bislang bei der Wirtschaftsvereinigung der Grünen. „Das eint die beiden Verbände, es eint uns als Unternehmerinnen und Unternehmer. Und das wird schnell ganz konkret: Deutschland braucht Investitionen für die Transformation. Helfen können da etwa bessere Abschreibungsmöglichkeiten für saubere Technologien. Sparpolitik macht den Standort nicht zukunftsfest.“

„Deutschland braucht Investitionen – Sparpolitik nicht zukunftsfest“

Die Mitglieder beider Gründungsorganisationen haben mit gut 90% für die Verschmelzung gestimmt. Zusammensetzung und Arbeitsweise bleiben weitgehend unverändert. Die Vorstandsvorsitzenden der Gründungsorganisationen sind auch die des neuen Verbandes, bis zur Neuwahl des Vorstands 2025.

„Die größere Wirksamkeit ist das, worum es uns geht. Wir organisieren den Dialog auf Augenhöhe zwischen Unternehmen und grüner Politik, lösungsorientiert und offen. Da muss in der Umsetzung einiges schneller und besser klappen“, sagte Gabriele C. Klug, Vorstandsvorsitzende des neuen Verbands, bislang beim Grünen Wirtschaftsdialog. „In der Breite der Branchen und wirtschaftspolitischen Themen können wir mit diesem Dialog zu praktikablen und belastbaren Antworten auf die Herausforderungen der Transformation beitragen. Stichworte wie Resilienz und Sicherheit, Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen, Bürokratieabbau, Energiethemen, aktuelle Arbeitsmarktthemen, namentlich das Potenzial von Frauen und die Erfahrungen aus der Arbeitsmigration, finden Sie in unseren nächsten Fachveranstaltungen und High-Level-Meetings.

„Neustart ist ein Angebot an alle Unternehmen zum Mitmachen“

Der Name der neuen Organisation lautet „Wirtschaftsvereinigung der Grünen“, in der Außendarstellung verwendet sie die Subline „Wirtschaft im Dialog“.

„Das ist ein ‚Merger of Equals‘“, erklärt Heike Discher, Vorstandsvorsitzende des neuen Verbands, bislang bei der Wirtschaftsvereinigung der Grünen. „Uns ist wichtig, dass die Stärken der beiden Gründungsorganisationen in dem neuen Verband voll erhalten bleiben. Das gilt für die Transparenz unseres Handelns, mit eigenem Verhaltenskodex. Das gilt auch für den Bezug zur Politik: Die Grünen sind unser direktes Gegenüber, sie sind in dem von uns berufenen Beirat. Die Betonung liegt dabei auf ‚Gegenüber‘: Wir sind eben nicht mit ihnen identisch, sondern unabhängig. Wir bringen die Perspektiven aus den Unternehmen in die Politik.“ 

„Für Unternehmen ist es entscheidend, mit den passenden von der Regierung zu setzenden Rahmenbedingungen in einer Marktwirtschaft die Transformation zur Nachhaltigkeit zur organisieren, national, europäisch, global. Um damit den geo-ökonomischen Herausforderungen zu begegnen, dazu wollen wir unseren Beitrag leisten“, sagte Thomas Gambke, Vorstandsvorsitzender des neuen Verbands, bislang beim Grünen Wirtschaftsdialog. „Wir freuen uns, dass wir als Wirtschaftsvereinigung der Grünen durch die Fusion den Dialog der Unternehmen mit der Politik weiter stärken können. Und wir freuen uns über jede und jeden, die oder der jetzt mitmachen mag. Unser Neustart ist auch ein Angebot an alle Unternehmen, die sich beteiligen wollen – für den nachhaltigen Erfolg des Standorts Deutschland in Europa.“

Von Airbus bis zum großen Mittelständler: Zustimmung der Unternehmen

Nicole Dreyer-Langlet von Airbus, Vice President, Research & Technology Representative Germany und Member of the Board of Airbus Operations GmbH, erklärte: „Die von der Gesellschaft vor dem Hintergrund einer dramatischen Klimaveränderung geforderten Transformation zu einer grundlegend nachhaltigen Wirtschaftsweise stellen Industrie und Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Nachhaltige Technologien müssen entwickelt und eingeführt werden, die entsprechende Infrastruktur – zum Beispiel für Nicht-fossile Antriebssysteme in der Luftfahrt – auch international aufgebaut werden. Dabei ist es enorm wichtig, dass Rahmensetzungen die Umsetzung marktwirtschaftlich erfolgreicher Lösungen zulassen – und deshalb ist der Dialog von Industrie und Politik von hoher Bedeutung. Wir freuen uns, dass durch die Fusion der beiden Vereine ‚Grüner Wirtschaftsdialog e.V.‘ und ‚Wirtschaftsvereinigung der Grünen e.V.‘ ein solcher Dialog intensiviert und verbreitert wird.“

Andreas Jäger, Geschäftsführender Gesellschafter der Jaeger Group, einer der vielen großen Mittelständler Deutschlands: „Aus weniger mehr machen: Effizienzvorteile durch reduzierten Einsatz von Rohstoffen und Energie sichern bei Jäger weiterhin Wertschöpfung in Europa. Um Net Zero in 2045 zu erreichen, brauchen wir wettbewerbsfähige und langfristig planbare Rahmenbedingungen. Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen ist eine Plattform, auf der ich unsere Ideen für eine pragmatische und bürokratiearme Umsetzung des ‚Green Deals‘ mit den Spitzenpolitikern der Grünen regelmäßig diskutieren kann. Durch die Fusion erhoffe ich mir mehr Input und weitere Ansprechpartner aus der Grüne Partei und Unternehmen

Grüner Bundesvorstand: „Mit den Mitgliedern der Vereinigung haben wir ein Gegenüber aus der betrieblichen Praxis

Für den Bundesvorstand von Bündnis 90 / Die Grünen erklärten dessen Vorsitzende Ricarda Lang und Omid Nouripour: „Mit der Fusion gewinnt die neue Wirtschaftsvereinigung der Grünen nochmal deutlich an Stärke, und das ist wichtig in dieser für den Standort Deutschland so entscheidenden Zeit. Mit den Mitgliedern der Vereinigung haben wir ein Gegenüber aus der betrieblichen Praxis. Der Wirtschaftsvereinigung geht es ums Bessermachen statt ums Schlechtreden. Zusammen die richtigen Wege zu den gemeinsamen Zielen von Wirtschaft und Politik suchen – so können wir Wohlstand nachhaltig sichern.“

Weitere Meldungen

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23.10.2025
Wieviel Zukunft steckt im Sondervermögen?
Austausch im Cluster Transformation & Finanzierung Was kann das neue Sondervermögen Investitionen und Klimaneutralität bewirken – und wo sind die Grenzen? Hierüber diskutierten Geraltdine Dany-Knedlik, Leiterin Prognose und Konjunkturpolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, und Sebastian Schäfer als Haushaltspolitiker der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit Mitgliedern der Wirtschaftsvereinigung im Kompetenzcluster Transformation und Finanzierung. Das Sondervermögen soll der Möglichmacher sein, um gezielt in die Zukunft zu investieren – in Zeiten, in denen die Schuldenbremse enge Grenzen setzt. Doch entscheidend ist nicht nur das Geld, sondern wie es eingesetzt wird. Investitionen müssen wirklich zusätzlich sein, nicht bestehende Mittel ersetzen, so hieß es in der Diskussion. Dabei sollten Infrastruktur, Ressourcensicherheit, Klimaneutralität und Energie Piorität haben. Zentral für die Glaubwürdigkeit seien dabei Transparenz und Kontrolle des Mitteleinsatzes. Für die Wirksamkeit bleiben Planungs- und Genehmigungsverfahren der größte Bremsfaktor. Entscheidend wichtig sei ein handlungsfähiger Staat mit klaren Regeln und modernem Verwaltungsrahmen. Trotz Unsicherheiten über den tatsächlichen Mittelabfluss herrschte Einigkeit: Ein stabiler Rahmen, bessere Prozesse und Mut zur Umsetzung sind genauso wichtig wie die haushaltspolitischen Beschlüsse selbst. Wenn – und nur wenn – Sondervermögen, Strukturreformen und Innovation ineinandergreifen, dann kann daraus echter Fortschritt entstehen.
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa
24.06.2025
Größtes Hemmnis für Transformation: 45% der Unternehmen nennen unzureichende Politik
Fast jedes zweite Unternehmen sieht unzureichende „politische Rahmenbedingungen“ als großes Hemmnis für eine erfolgreiche Transformation zur Nachhaltigkeit. Das zeigt eine repräsentative Befragung von mehr als tausend Führungskräften in einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Es ist ein klares Signal an die neue Bundesregierung, so die Wirtschaftsvereinigung der Grünen als Auftraggeberin der mehr als 50 Seiten starken Analyse, und macht konkrete Vorschläge. Der Transformationskompass erscheint 2025 bereits zum zweiten Mal und bietet umfassende Orientierung auf den Wegen Richtung Nachhaltigkeit. Bei der Energie aus Wind und Sonne hat sich die Lage seit 2023 verbessert, so die Unternehmen. Und dies trotz allen Streits in der Ampelregierung. Noch 2023 sahen 31 Prozent hier ein zu geringes Angebot als Hemmnis für die Umsetzung der Transformation, 2025 sagten dies nur noch 19 Prozent. Auch bei der Verfügbarkeit klimafreundlicher Technologien nehmen die Unternehmen eine Verbesserung wahr. 2023 bewerteten 33 Prozent fehlende Technologien als Hemmnis für die Transformation, 2025 war dies nur noch bei 20 Prozent der Fall. Ganz pragmatisch geht es hier offenbar aus Sicht der Unternehmen voran – im Kontrast zu den unzureichenden politischen Rahmenbedingungen. Diese sahen 2023 rund 39 Prozent der Unternehmen als Hemmnis für die Transformation. 2025 stieg dies auf 45 Prozent. Verbesserungen bei Energie und Technologien – aber Herausforderung der „4D“ „Nachhaltigkeit darf kein abstrakter Anspruch bleiben – sie braucht nachvollziehbare Anhaltspunkte, transparente Indikatoren und eine wirtschaftspolitische Strategie, die Fortschritte messbar macht“, erklärt Gabriele C. Klug, Co-Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Grünen und Initiatorin der Studie. „Der Transformationskompass leistet hierzu einen konkreten Beitrag: Er begleitet die Transformation der Wirtschaft entlang von vier disruptiven Entwicklungen – den 4D der Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und Deglobalisierung. Der neue Transformationskompass zeigt, wie Fortschritt nicht nur gefordert, sondern gestaltet werden kann – auf Basis realer Unternehmensperspektiven und messbarer Entwicklungen. Transformation ist kein gradliniger Prozess. Umso mehr braucht es heute Mut, Kooperation und Klarheit – Transformation gelingt nicht durch Stillstand, sondern durch aktives Handeln.“ Konkret: (1) Nötig ist, bei den erneuerbaren Energien und beim Netzausbau Kurs auf die gesetzten Ziele zu halten statt – wie aktuell diskutiert – zu bremsen. (2) Zugleich muss die Regierung dringend den Rückstand bei nachhaltiger Wärme für Gebäude aufholen. Hierzu muss ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, auch mit Blick auf die kommende europäische Gebäuderichtlinie. (3) Bundeskanzler Friedrich Merz selbst hat sich vielfach für den EU-Emissionshandel ausgesprochen, dies muss dann auch beim ETS2 gelten und umgesetzt werden. (4) Zukunftstechnologien kann die Regierung etwa durch grüne Leitmärkte voranbringen. (5) Unverändert ist die Verwaltungsdigitalisierung einezentrale Priorität. (6) Die demografische Entwicklung erfordert verstärkte qualifizierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. Und (7) es bedarf einer Diversifizierungsstrategie unserer weltweiten Lieferketten. Das alles kann nur in intensivem Dialog mit der Wirtschaft gelingen.    Unternehmen weiter mit Maßnahmen für Transformation Die Unternehmen jedenfalls führen ihre Maßnahmen für die Transformation unvermindert weiter. So gehören laut Umfrage Ressourceneffizienz (44 Prozent), die Nutzung von Strom oder Wärme aus erneuerbarer Energie (43 Prozent) und ein emissionsarmer Fuhrpark (39 Prozent) zu den wichtigsten Maßnahmen. Und das, obwohl insgesamt der Pessimismus unter den Unternehmen zugenommen hat. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich heute zwiegespalten, beinahe Hälfte-Hälfte: Gut 41 Prozent der Unternehmen erklären, ihr Geschäftsmodell an die Transformation anpassen zu können; knapp 56 Prozent aber sehenihr Geschäftsmodell durch die Transformation in Frage gestellt. Auch das zeigt, wie sehr die Politik jetzt gefragt ist. IW-Chef Hüther: Stagnation, Infrastrukturmängel, geoökonomische Risiken trüben den Blick auf die Transformation „Die aktuell negative Sicht vieler Unternehmen hat eine ganze Reihe von Gründen: Die jahrelange wirtschaftliche Stagnation, Mängel der Infrastruktur im Land, geoökonomische Unsicherheiten in Ost und West. Risiken werden stärker wahrgenommen, Chancen geringer gewichtet. Das trübt dann auch den Blick auf die Transformation“, erklärt Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, zu der Studie. „Dabei gilt: Verzögerungen der Transformation mindern die Chancen, sich in neuen globalen Wachstumsmärkten zu positionieren“, so Hüther. „Und natürlich führen Verzögerungen der Transformation auch zu zusätzlichen, teuren Klimarisiken und Umweltschäden für unsere global vernetzte Volkswirtschaft. Wir haben keine Zeitreserven.“ Investitionen durch Sondervermögen können helfen Tatsächlich hat die Politik mit dem Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz, das zum Zeitpunkt der Unternehmensbefragung im Frühjahr noch nicht absehbar war, einen Anfang gemacht für eine Verbesserung der Bedingungen. Dies gelang auch durch die Unterstützung der Grünen. Nun kommt es auf die Umsetzung an – die Investitionen müssen die Produktivität am Standort erhöhen, von Verkehrsinfrastruktur bis Klimaschutzmaßnahmen. Mit dem Transformationskompass 2025 legt das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen die zweite umfassende Analyse vor, die systematisch die vielschichtigen Transformationsprozesse zu erfassen sucht. Er schließt an den Transformationskompass 2023 an. Dabei bietet die Studie mit einer Kombination aus makroökonomischen Indikatoren und einem repräsentativen Stimmungsbild aus der Unternehmenspraxis Orientierung für die Gestaltung eines nachhaltigen und resilienten Wirtschaftswandels. Hier die Studie
Allgemein
17.12.2024
Statement zum Wahlprogramm der Bündnis 90 / Die Grünen
Heute veröffentlichen Bündnis 90/Die Grünen ihr Wahlprogramm. Hierzu erklärte der Co-Vorstandsvorsitzende Thomas Fischer: „Zutrauen in die Kraft der Unternehmen, die für Ihr Handeln Freiheit brauchen und Verlässlichkeit, mit klaren Zielen ohne Zickzack. Und Zukunftsblockaden lösen, etwa durch mehr Investitionen für Infrastruktur und weniger Bürokratie. Diese Punkte stellen die Grünen in ihrem Programm nach vorne. Das ist gut, und daran werden sie sich messen lassen müssen. Dass die Investitionen nach Jahren des Verschleißes jetzt über einen Deutschlandfonds finanziert werden sollen, für investive Ausgaben bei Erhalt der Schuldenbremse für konsumtive Ausgaben, ist richtig so. Dabei gilt: Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gehören zusammen, sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – diese Haltung teilen, bei manchen Differenzen im Detail, auch sehr viele Unternehmerinnen und Unternehmer. Für ein Land, das nachhaltig stark ist, klimaneutral erfolgreich.“ Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen ist ein unabhängiger Verein, ähnlich wie der Wirtschaftsrat der CDU oder das SPD Wirtschaftsforum. Unsere Mitglieder sind Unternehmen, vom Großkonzern bis zum Mittelständler, und Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft. Primäres Gegenüber in der Politik sind Bündnis 90/Die Grünen, zugleich suchen wir den Austausch mit allen demokratischen Kräften. Entwurf des Wahlprogramms der Grünen
Pressemitteilung