Industriestandort Deutschland sichern: Austausch mit grüner Parteispitze

Alle Beiträge

Zu Politik für die Sicherung des Industriestandorts Deutschland haben sich Grüne und die Wirtschaftsvereinigung aktuell ausgetauscht. Die Parteivorsitzende Franziska Brantner und der Bundestagsabgeordnete Maik Außendorf sprachen hierüber am Donnerstag unter anderem mit dem Vorstandsmitglied der Vereinigung, Volker Ratzmann, und deren Hauptgeschäftsführer Martin Kaul. Branchen wie Autoindustrie oder Stahlerzeugung können und müssen durch die Verbindung von Maßnahmen für Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit zukunftsfest gemacht werden, so die gemeinsame Überzeugung.

In der aktuellen geoökonomischen Krise ist es Deutschland bislang gelungen, den Anteil der Industrie an der Brutto-Wertschöpfung stabil zu halten – im Unterschied zu anderen großen europäischen Volkswirtschaften. Dies gilt es fortzusetzen, so die Vertreter*innen von Politik und Wirtschaftsvereinigung. Dabei soll die Transformation als Chance genutzt werden, auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dies bedarf politischer Unterstützung, etwa durch Leitmärkte für grünen Stahl. Auch für die Autoindustrie sei vieles möglich.

Weitere Meldungen

Alle News
03.12.2025
Gesundheitswirtschaft auf Augenhöhe mit Auto-Industrie
„Gesundheitswirtschaft auf Augenhöhe mit Auto-Industrie“: darüber sprach Cem Özdemir heute mit dem Pharma-Pionier Roche in Mannheim, organisiert von der Wirtschaftsvereinigung der Grünen mit den Diagnostics Geschäftsführerinnen, Claudia Fleischer und Daniela Kahlert. Dabei waren aus der Wirtschaft unter anderem auch Thomas Reith von Boehringer Ingelheim und Carola Maute-Stephan vom Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI) und aus der Politik Mannheims grüne Oberbürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell und die forschungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg Dr. Susanne Aschhoff MdL. Das enorme Potenzial der Gesundheitswirtschaft in Baden-Württemberg kann und muss weiter gestärkt werden. Um die richtigen Ansätze ging es am beim Besuch Cem Özdemirs bei Roche. Bereits heute steht die Gesundheitswirtschaft in „The Länd“ bei der Menge der Beschäftigten weit vorn – in Mannheim ist Roche größter Arbeitgeber. Weiteres Wachstum ist möglich, wenn die Bedingungen stimmen. „Die Gesundheits- und Lebenswissenschaften werden künftig eine der Leitindustrien von Baden-Württemberg sein,“ sagte Cem Özdemir. „Roche zeigt hier den Weg. Die Gesundheitswirtschaft hat das Potential, mit der Automobilindustrie und dem Anlagenbau auf Augenhöhe zu spielen. Sie ist ein fruchtbarer Boden für Start-ups, für neue wirtschaftliche Impulse, sichert Arbeitsplätze und generiert Wohlstand.“ Cem Özdemir weiter: „Vor allem in anonymisierten Gesundheitsdaten steckt enormes Potenzial, um Krankheiten schon am Ausbruch zu hindern oder bessere Behandlungsmethoden entwickeln zu können. Wir brauchen hier einen Datenschutz, der ermöglicht, nicht verhindert. Ich werde mich persönlich dafür stark machen, dass wir hier einen echten Kurswechsel einleiten: Wenn wir die besten Therapien, die beste Gesundheitsinfrastruktur wollen, dann müssen wir Forschungshemmnisse aus dem Weg räumen und den Transfer von der Grundlagenforschung in die Praxis stärken.“ Für die Wirtschaftsvereinigung der Grünen sagt Hauptgeschäftsführer Martin Kaul: „Aus dem Labor in den Markt ist der Weg heute oft lang. Um Innovation schneller zum Erfolg zu bringen, muss der über viele Jahrzehnte vor allem von der Bundespolitik angehäufte Bürokratieberg abgetragen werden. Wir müssen Effizienzland sein, das gehört für uns zur tragfähigen Transformation. Baden-Württemberg kann hier ein Vorbild für ganz Deutschland sein. Denn es ist richtig: Wer grün wirtschaften will, muss schwarze Zahlen schreiben. Und dafür kann muss die Politik die richtigen Bedingungen schaffen.“
Innovation, Digitalisierung und Technologie
24.06.2025
Größtes Hemmnis für Transformation: 45% der Unternehmen nennen unzureichende Politik
Fast jedes zweite Unternehmen sieht unzureichende „politische Rahmenbedingungen“ als großes Hemmnis für eine erfolgreiche Transformation zur Nachhaltigkeit. Das zeigt eine repräsentative Befragung von mehr als tausend Führungskräften in einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Es ist ein klares Signal an die neue Bundesregierung, so die Wirtschaftsvereinigung der Grünen als Auftraggeberin der mehr als 50 Seiten starken Analyse, und macht konkrete Vorschläge. Der Transformationskompass erscheint 2025 bereits zum zweiten Mal und bietet umfassende Orientierung auf den Wegen Richtung Nachhaltigkeit. Bei der Energie aus Wind und Sonne hat sich die Lage seit 2023 verbessert, so die Unternehmen. Und dies trotz allen Streits in der Ampelregierung. Noch 2023 sahen 31 Prozent hier ein zu geringes Angebot als Hemmnis für die Umsetzung der Transformation, 2025 sagten dies nur noch 19 Prozent. Auch bei der Verfügbarkeit klimafreundlicher Technologien nehmen die Unternehmen eine Verbesserung wahr. 2023 bewerteten 33 Prozent fehlende Technologien als Hemmnis für die Transformation, 2025 war dies nur noch bei 20 Prozent der Fall. Ganz pragmatisch geht es hier offenbar aus Sicht der Unternehmen voran – im Kontrast zu den unzureichenden politischen Rahmenbedingungen. Diese sahen 2023 rund 39 Prozent der Unternehmen als Hemmnis für die Transformation. 2025 stieg dies auf 45 Prozent. Verbesserungen bei Energie und Technologien – aber Herausforderung der „4D“ „Nachhaltigkeit darf kein abstrakter Anspruch bleiben – sie braucht nachvollziehbare Anhaltspunkte, transparente Indikatoren und eine wirtschaftspolitische Strategie, die Fortschritte messbar macht“, erklärt Gabriele C. Klug, Co-Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Grünen und Initiatorin der Studie. „Der Transformationskompass leistet hierzu einen konkreten Beitrag: Er begleitet die Transformation der Wirtschaft entlang von vier disruptiven Entwicklungen – den 4D der Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und Deglobalisierung. Der neue Transformationskompass zeigt, wie Fortschritt nicht nur gefordert, sondern gestaltet werden kann – auf Basis realer Unternehmensperspektiven und messbarer Entwicklungen. Transformation ist kein gradliniger Prozess. Umso mehr braucht es heute Mut, Kooperation und Klarheit – Transformation gelingt nicht durch Stillstand, sondern durch aktives Handeln.“ Konkret: (1) Nötig ist, bei den erneuerbaren Energien und beim Netzausbau Kurs auf die gesetzten Ziele zu halten statt – wie aktuell diskutiert – zu bremsen. (2) Zugleich muss die Regierung dringend den Rückstand bei nachhaltiger Wärme für Gebäude aufholen. Hierzu muss ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, auch mit Blick auf die kommende europäische Gebäuderichtlinie. (3) Bundeskanzler Friedrich Merz selbst hat sich vielfach für den EU-Emissionshandel ausgesprochen, dies muss dann auch beim ETS2 gelten und umgesetzt werden. (4) Zukunftstechnologien kann die Regierung etwa durch grüne Leitmärkte voranbringen. (5) Unverändert ist die Verwaltungsdigitalisierung einezentrale Priorität. (6) Die demografische Entwicklung erfordert verstärkte qualifizierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. Und (7) es bedarf einer Diversifizierungsstrategie unserer weltweiten Lieferketten. Das alles kann nur in intensivem Dialog mit der Wirtschaft gelingen.    Unternehmen weiter mit Maßnahmen für Transformation Die Unternehmen jedenfalls führen ihre Maßnahmen für die Transformation unvermindert weiter. So gehören laut Umfrage Ressourceneffizienz (44 Prozent), die Nutzung von Strom oder Wärme aus erneuerbarer Energie (43 Prozent) und ein emissionsarmer Fuhrpark (39 Prozent) zu den wichtigsten Maßnahmen. Und das, obwohl insgesamt der Pessimismus unter den Unternehmen zugenommen hat. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich heute zwiegespalten, beinahe Hälfte-Hälfte: Gut 41 Prozent der Unternehmen erklären, ihr Geschäftsmodell an die Transformation anpassen zu können; knapp 56 Prozent aber sehenihr Geschäftsmodell durch die Transformation in Frage gestellt. Auch das zeigt, wie sehr die Politik jetzt gefragt ist. IW-Chef Hüther: Stagnation, Infrastrukturmängel, geoökonomische Risiken trüben den Blick auf die Transformation „Die aktuell negative Sicht vieler Unternehmen hat eine ganze Reihe von Gründen: Die jahrelange wirtschaftliche Stagnation, Mängel der Infrastruktur im Land, geoökonomische Unsicherheiten in Ost und West. Risiken werden stärker wahrgenommen, Chancen geringer gewichtet. Das trübt dann auch den Blick auf die Transformation“, erklärt Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, zu der Studie. „Dabei gilt: Verzögerungen der Transformation mindern die Chancen, sich in neuen globalen Wachstumsmärkten zu positionieren“, so Hüther. „Und natürlich führen Verzögerungen der Transformation auch zu zusätzlichen, teuren Klimarisiken und Umweltschäden für unsere global vernetzte Volkswirtschaft. Wir haben keine Zeitreserven.“ Investitionen durch Sondervermögen können helfen Tatsächlich hat die Politik mit dem Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz, das zum Zeitpunkt der Unternehmensbefragung im Frühjahr noch nicht absehbar war, einen Anfang gemacht für eine Verbesserung der Bedingungen. Dies gelang auch durch die Unterstützung der Grünen. Nun kommt es auf die Umsetzung an – die Investitionen müssen die Produktivität am Standort erhöhen, von Verkehrsinfrastruktur bis Klimaschutzmaßnahmen. Mit dem Transformationskompass 2025 legt das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen die zweite umfassende Analyse vor, die systematisch die vielschichtigen Transformationsprozesse zu erfassen sucht. Er schließt an den Transformationskompass 2023 an. Dabei bietet die Studie mit einer Kombination aus makroökonomischen Indikatoren und einem repräsentativen Stimmungsbild aus der Unternehmenspraxis Orientierung für die Gestaltung eines nachhaltigen und resilienten Wirtschaftswandels. Hier die Studie
Allgemein
18.02.2025
Massiv Investitionen für Infrastruktur ermöglichen: Schuldenbremse reformieren
Straßen und Schienen, Schulen und Kitas, Netze für Daten und für Energie, auch Zukunftstechnologien: Wie finanzieren wir eine starke Infrastruktur und nachhaltiges Wachstum am Standort Deutschland – was ist hier der Auftrag an die nächste Bundesregierung? Hierzu diskutierten auf Einladung der Wirtschaftsvereinigung der Grünen wenige Tage vor der Wahl die CFO des Übertragungsnetzbetreibers TenneT, Dr. Arina Freitag, der Haushaltsexperte der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sven-Christian Kindler, die Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft Sabine Nallinger, und der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung der Grünen Martin Kaul. Rund 100 Stakeholder waren dafür ins Berliner Basecamp von Telefónica gekommen oder im Livestream online dabei. Ganz konkret: Der Ausbaubedarf für das Leitungsnetz, das nötig ist für die Elektrifizierung der Wirtschaft und Unabhängigkeit vom russischen Gas, und für die Integration des rasch gewachsenen Angebots erneuerbaren Energien, ist enorm. Das zeigte Dr. Arina Freitag auf, und machte deutlich: Investitionen kosten, aber der Verzicht auf Investitionen kostet auch. Weil dann zum Beispiel Engpassmanagement nötig ist, oder sogar Unternehmen wegen knapper Stromkapazitäten ins Ausland streben. „Wir sind die Transformationsgeneration“, erklärte Sabine Nallinger. Bremsend sei alles Hin-und-Her. Verbrenner-Aus oder kein Verbrenner-Aus, Gebäudeenergiegesetz einschalten oder ausschalten. Dabei sei der Umbau zur nachhaltigen Wirtschaft ein Treiber von Innovation und sichere so auch technologisch die Zukunft. Die Schuldenbremse müsse reformiert werden, forderte deshalb Sven-Christian Kindler. „Wir müssen nicht nur die Investitionen der Zukunft finanzieren, sondern auch die der Vergangenheit“, sagte er – über viele Jahre sei in Deutschland deutlich zu wenig Mittel in die Infrastruktur gesteckt worden. Das müsse aufgeholt werden. Hinzu kommen die Klimarisiken, gegen die investiert werden muss. Und für die Verteidigung müsse in der dramatisch veränderten Sicherheitslage mehr Geld ausgegeben werden. Zugleich muss auch privates Kapital mobilisiert werden, so Martin Kaul. Entscheidend sei, mehr Planungssicherheit für Unternehmen bereit zu stellen: “Nur so könnten die notwendigen Investitionen ausgelöst werden, die wir so dringend brauchen.“
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa