Grüne Kraftsstoffe für Luftfahrt und Schifffahrt – Roundtable Hamburg: Markthochlauf braucht Planungssicherheit

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Mit klimaneutralen Kraftstoffen können Luftfahrt und Schifffahrt klimaneutral werden, die Technologien sind da. Was die Wirtschaft von der Politik für den von den Branchen angestrebten Markthochlauf braucht, das besprachen rund 25 Unternehmen aus Industrie und Logistik mit grünen Spitzenpolitikern in Hamburg – beim Runden Tisch mit dabei waren Anwender von Airbus bis Maersk, Brennstoffunternehmen von BP bis Mabanaft und viele weitere. Aus der Politik waren es die Zweite Bürgermeisterin Hamburg, der Vorsitzende der Grünen Fraktion Hamburg, und der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz; eingeladen hatte die Wirtschaftsvereinigung der Grünen. Klimakonsens ist: Um Risiken zu begrenzen, müssen auf Dauer auch Schiffe und Flugzeuge CO2-frei unterwegs sein. Dafür investieren die Unternehmen. Eine Rückabwicklung erzielter Fortschritte wäre schädlich, hieß es, gearbeitet werden muss an den Chancen. Die Finanzierung des Übergangs und verlässliche Regulierung, vor allem europäisch, sind Voraussetzungen für die notwendige Kombination von Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Hamburg mit seinen starken Unternehmen rund um Luftfahrt und Schifffahrt kann hier bundesweit Treiber sein.

Hierzu Volker Ratzmann vom Logistik-Konzern DHL, Mitglied der Wirtschaftsvereinigung der Grünen: „Die Unternehmen sehen sehr klar: Die Dekarbonisierung des Verkehrssektors ist wesentlich für die Erreichung der Klimaziele. DHL will bis 2030 30% des Kerosinverbrauchs ihrer Flugzeuge durch den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe abdecken und auf der Straße 60% ihrer Fahrzeugflotte elektrifizieren.  Es ist absehbar, dass ab 2030 solche nachhaltigen Kraftstoffe noch nicht in ausreichendem Maß und zu bezahlbaren Preisen vorhanden sind. Der Markthochlauf erfordert jetzt massive Investitionen in Produktionsanlagen. Die europäischen Quotenregelungen für die Beimischung nachhaltiger Kraftstoffe in der Luftfahrt und ähnlich in der Schifffahrt reichen nicht aus, diese massiven Investitionen anzureizen, es fehlen regulative langfristige Absicherungen. Der teure Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe muss langfristig angereizt werden, um Preisstabilität für die Zukunft zu gewährleisten. Hier ist Pragmatismus gefragt. Wir brauchen einen Mechanismus, der es erlaubt, dass ein Unternehmen nachhaltige Kraftstoffe kauft und sich anrechnen lässt, auch wenn sie dann vielleicht am Flughafen in ein anderes Flugzeug getankt werden. So wie beim Strom, wo Grünstrom von Unternehmen gekauft und ihnen angerechnet wird, auch wenn die Windkraftanlage nicht direkt den einzelnen Haushalt speist.“

Schiffe können fossilfrei fahren – Herausforderung sind die Preisunterschiede

Rainer Horn von der Reederei A.P. Moller – Maersk, Sprecher Region Europa & Sustainability: „Wir verfügen heute über die Technologie für eine Dekarbonisierung der Schifffahrt, und die entsprechenden Brennstoffe kommen bald verstärkt auf den Markt. Die größte Herausforderung für die globale Schifffahrt ist jetzt der noch viel zu große Preisunterschied zwischen fossilen Brennstoffen und den alternativen Brennstoffen mit deutlich geringeren Treibhausgasemissionen. Hier braucht es dringend die Unterstützung durch Politik und Gesetzgeber – für die Schifffahrt vor allem durch die Internationale Maritime Organisation (IMO), die für globale Standards und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alternative Brennstoffe sorgen muss. Wir können die Dekarbonisierung auf den Weltmeeren stark beschleunigen durch eine so genannte Feebate-Lösung, die Maersk gemeinsam mit anderen Reedereien fordert – eine kleine Extragebühr für jeden fossilen Seetransport, wobei die Einnahmen als Subvention für grüne Transporte eingesetzt werden.“

Technologie die Lösung, Innovation der Schlüssel – Chancen ergreifen

Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin: „Der Weg zur Klimaneutralität ist weiterhin eine der drängendsten Menschheitsaufgaben. Wir müssen ihn gemeinsam beschreiten, in einem engen Dialog zwischen Politik und Wirtschaft – und vor allem gemeinsam mit den Menschen. Dabei ist mir wichtig: Wir dürfen dieses Thema nicht nur als Herausforderung verstehen, wir müssen vor allem die riesigen Chancen ergreifen, die es bietet. Das Thema der Grünen Kraftstoffe für Luft- und Schifffahrt steht hierfür beispielhaft. Wir können uns hier für unseren Hamburger Hafen, aber auch für die starke Luftfahrtindustrie einen echten Wettbewerbsvorteil im nationalen und internationalen Vergleich erarbeiten, wenn wir den Umstieg auf klimaneutrale Kraftstoffe beherzt angehen. Die vielen starke Brennstoffunternehmen an unserem Standort können hier ein wichtiges Puzzlestück sein“, so Fegebank weiter. „Technologie ist die Lösung, Innovation ist der Schlüssel und politisch müssen wir uns immer wieder fragen: Was können wir tun, um unsere Unternehmen auf diesem Weg zu unterstützen. Als einen Baustein hierfür schlagen wir vor, eine Zukunftsstiftung aufzubauen, die mit bis zu einer Milliarde Euro die Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft fördert. Dies kann auch der Entwicklung Grüner Kraftstoffe einen zusätzlichen Boost geben.“

Wasserstoff-Hub Hamburg Kraftstoffe für Industrie und Logistik statt für Pkw

Dominik Lorenzen, Vorsitzender der Grünen Fraktion Hamburg: „Grüne Kraftstoffe sind unverzichtbar für den weltweiten Güter- und Personentransport über große Distanzen – besonders in der Luft- und Schifffahrt, wo elektrische Antriebe keine vollständige Alternative darstellen. Auf der Straße gehört die Zukunft klar dem Elektroantrieb. Wer wie die FDP weiterhin versucht, den Pkw-Verbrenner mit E-Fuels zu retten, verkennt die Realität“, so Lorenzen. „Diese teuren und knappen Kraftstoffe werden dort gebraucht, wo es eben keine Alternative gibt: in der maritimen Logistik, der Industrie und dem Flugverkehr. Als Grüne wollen wir Hamburg zum Wasserstoff-Hub für Nordeuropa machen. Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg investieren wir daher in Wasserstoffproduktion mit industriellem Maßstab und gehen darüber hinaus mit der Umsetzung unseres Hamburger Wasserstoffnetzes im europäischen Wettbewerb voran. Unsere klare Priorität ist, zentrale Standorte wie den Energiepark Tiefstack und unsere Grundstoffindustrie daran anzuschließen, um nachhaltig zu dekarbonisieren. Wirtschaft und Politik müssen hier entschlossen zusammenarbeiten – Hamburg investiert mutig, um Vorreiter für grüne Kraftstoffe in Deutschland zu werden.“

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29.01.2026
Datenplattformen für die intermodale Mobilität
Über autonome Fahrzeuge, die Zukunft des ÖPNV und „Datenplattformen für die intermodale Mobilität“ sprachen Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende Hamburg, und Martin Becker-Rethmann, CEO von Transdev im Fachforum Standortpolitik, Infrastruktur und Europa mit zahlreichen Teilnehmenden aus dem Mobilitätssektor. Autonome Mobilität wird ein Gamechanger und die Entwicklung nimmt derzeit rasant Fahrt auf. Deutschland muss sich hier gut positionieren, um den Anschluss zu behalten. Die Verfügbarkeit und Bereitstellung von (Echtzeit-)Daten ist eine zentrale Voraussetzung für eine leistungsfähige Systemarchitektur des autonomen Fahrens und für die nahtlose Integration autonomer Shuttle- und On-Demand-Verkehre in bestehende Verkehrssysteme und Plattformlösungen. Gleichzeitig wurde betont, dass das Teilen von Daten nicht zu unfairen Wettbewerbsbedingungen führen darf. Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass sensible Informationen und Geschäftsgeheimnisse geschützt bleiben. Es braucht daher klare Regeln, transparente Standards und vertrauenswürdige Strukturen für den sicheren Umgang mit Mobilitätsdaten. Einige weitere wichtige Punkte aus der Diskussion: Im Koalitionsvertrag steht, Deutschland solle Leitmarkt für autonomes Fahren werden. Das kann aber nur mit ausreichender finanzieller Förderung gelingen. Die Förderung beschränkt sich jedoch bisher vor allem auf Modellprojekte und Forschung. Der autonome Busbetrieb hat das Potenzial, mehrere Herausforderungen des ÖPNV zu lösen: Zum einen Den Personalmangel, der sich im kommenden Jahrzehnt noch verschärfen wird. Und zusätzlich könnte der der ÖPNV deutlich kostengünstig ausgebaut werden. So könnte zum Beispiel Hamburg ohne Mehrkosten 60% mehr Busverkehr anbieten, wenn alle 2000 Stadtbusse autonom organisiert wären. Im automatisierten, digitalen und vernetzten Mobilitätssystem der Zukunft wird klassischer ÖPNV ergänzt durch Mobilitätsservice-Anbieter (MAAS-Plattformen) wie Carsharing-Dienste, E-Roller-Verleih u. ä. und autonomen On-Demand-Verkehr (selbstfahrende Taxis u. ä.). Es braucht strategische Allianzen zwischen Städten und Kommunen, um die Mobilitätssysteme der Zukunft zu bauen.
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa
31.03.2025
Neue US-Handelspolitik – Europa steht vor strategischen Entscheidungen
Mit der Rückkehr des „Stinky Fish“-Ansatzes in der Handelspolitik – einem Stil, der für provokative Verhandlungstaktiken steht, wie sie unter der Trump-Administration geprägt wurden – sieht sich Europa vor neue Herausforderungen im transatlantischen Handel gestellt. Die Taktik zielt darauf ab, durch bewusst unangenehme Vorschläge zu Beginn von Gesprächen ein Ungleichgewicht zu erzeugen und so die Agenda zu verschieben. Für Europa bedeutet das: reagieren, ohne sich vom Kurs abbringen zu lassen. Im Rahmen der Sitzung des Kompetenzclusters Außenwirtschaft der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, geleitet von Volker Ratzmann (DHL), wurde die strategische Lage gemeinsam mit Sabine Weyand, Generaldirektorin Handel bei der EU-Kommission, und Claudia Schmucker von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP) analysiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa wirtschaftspolitisch souverän und zugleich handlungsfähig bleibt. Ein zentrales Ziel ist es, den Standort Europa attraktiver für Investitionen zu machen – etwa durch Bürokratieabbau und eine Vereinfachung regulatorischer Rahmenbedingungen. Gleichzeitig gilt es, neue strategische Partner zu erschließen. Europa ist eine bedeutende Handelsmacht, deren Perspektive über den transatlantischen Raum hinausreicht. Neben klassischen Freihandelsabkommen rücken neue Formate wie Clean Trade- und Investitionspartnerschaften in den Fokus. Im Umgang mit aggressiveren US-Verhandlungsmethoden ist Augenmaß gefragt. Eskalationen sollen vermieden, Gegenmaßnahmen gezielt und maßvoll eingesetzt werden. Dabei rücken auch Bereiche wie Dienstleistungen stärker in den Blick, nicht nur Warenströme. Die Diskussion machte deutlich: Die europäische Wirtschaft muss Haltung zeigen. Es geht nicht nur um Handel, sondern um die Frage, wie Europa seine Rolle als stabiler und verlässlicher Partner auf globalen Märkten behaupten kann. Der konstruktive Austausch hat wichtige Impulse geliefert – die Wirtschaftsvereinigung der Grünen wird das Thema weiter eng begleiten.
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit
19.02.2026
Wärmewende pragmatisch sichern: Verlässlichkeit für Unternehmen, die schon weit voran sind
Das Heizen von Gebäuden muss Schritt für Schritt von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umgestellt werden. So sieht es die geltende Rechtslage mit dem Gebäudeenergiegesetz vor. „Unternehmen und Verbraucher benötigen Verlässlichkeit für Ihre Investitionen, deshalb sollten die wesentlichen Inhalte des Gesetzes bestehen bleiben“, erklärt Marie-Luise Wolff von der Wirtschaftsvereinigung der Grünen zu der aktuellen Debatte um eine Veränderung des Gesetzes. Hinzu komme: „Wer das Gesetz jetzt wieder Richtung fossiler Heizungen kippen will, der verlässt den gerichtlich bestätigten Pfad der Klimaneutralität 2045. Ohne Wärmewende sind diese Ziele nicht zu erreichen.“ Wichtig sei jetzt vor allem, die Verbraucher nicht in die Kostenfalle teurer werdender fossiler Brennstoffe laufen zu lassen. Technisch sei die Wärmewende möglich. „Die Unternehmen sind hier deutlich weiter als die politische Debatte. Die Wärmepläne stehen, das Handwerk wartet seit mehr als einem Jahr auf Aufträge.“ Innovative Wärmepumpen-Würfel für Mehrfamilienhäuser entwickelt das Wohnungsunternehmen Vonovia. Der DAX-Konzern plant in einem ersten Schritt für mehr als 20.000 Wohnungen die klimafreundliche Technologie. Vonovia hat in Aachen die Serienproduktion zusammen mit dem Start-Up Enercube und der DFA-Demonstrationsfabrik gestartet. In einem Pilotprojekt in Donauwörth sanken die Energiekosten bereits um 40 Prozent. Die Wärmepumpen-Würfel sind so groß wie eine Garage und werden vorgefertigt außerhalb der Wohngebäude installiert, einfach und schnell. Vonovia zeigt, was Skalierung leisten kann.Vonovia, Stadtwerke München, EWE: Investitionen für Klimaneutralität Ein zweites Beispiel: Die Stadtwerke München bauen aktuell Kontinental-Europas leistungsstärkste Geothermieanlage. Parallel dazu wird das Fernwärmenetz für die Ökowärme fit gemacht und ausgebaut. Die Fernwärmen-Netztrassenlänge soll dabei bis 2040 von heute 1000 Kilometer auf rund 1600 Kilometer anwachsen. Für die Münchner Wärmewende planen die Stadtwerke München Gesamtinvestitionen in Höhe von ca. 9,5 Mrd. Euro. Den rechtlichen Rahmen dafür bilden das Wärmeplanungsgesetz und das Gebäudeenergiegesetz, welche 2024 in Kraft getreten sind,  und von den Stadtwerke München umgesetzt werden. Das Versorgungsunternehmen EWE bietet in Nordwestdeutschland Unternehmen Wärme-Contracting an. Sie installieren und betreiben für gewerbliche Kunden auf deren Gelände Wärmepumpen und, dort wo es passt, für deren Bedarf auch gleich noch Solaranlagen. Die Kunden müssen sich um nichts weiter kümmern, sondern nur für ihre grüne Energie zahlen. Und dies ist nur eine von vielen Maßnahmen des Unternehmens auf dem Weg zur Klimaneutralität. Modernisierung der Infrastruktur kann Beitrag für Wirtschaftswachstum sein Alle drei Unternehmen sind Mitglied der Wirtschaftsvereinigung der Grünen – aber die Wärmewende haben sie ganz unabhängig hiervon angepackt: Weil sie Möglichmacher sind. Die von der Politik allerdings Verlässlichkeit brauchen für ihre Investitionen. Mehr als die Hälfte der Endenergie in Deutschland entfällt auf das Beheizen von Gebäuden sowie auf Wärme- und Kälteanwendungen in Gewerbe und Industrie. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärme liegt bei knapp 18 Prozent. Der Gebäudesektor hat damit mehrfach seine Ziele zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes und damit die gesetzlich verankerten Klimaziele deutlich verfehlt. Mit dem Gebäudeenergiegesetz der Ampelregierung wurden die Zeichen auf Investieren für die Wirtschaft gestellt – investieren in Wärmenetze, in Stromnetzertüchtigung, in Geothermie, in Wärmepumpenproduktion, in Installateurs-Kapazitäten. Die Wärmewende kann ein Beitrag sein für die Modernisierung der Infrastruktur am Standort Deutschland – und damit auch für unser Wirtschaftswachstum.
Klimaneutralität, Energiewende und Industriepolitik