Größtes Hemmnis für Transformation: 45% der Unternehmen nennen unzureichende Politik

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Fast jedes zweite Unternehmen sieht unzureichende „politische Rahmenbedingungen“ als großes Hemmnis für eine erfolgreiche Transformation zur Nachhaltigkeit. Das zeigt eine repräsentative Befragung von mehr als tausend Führungskräften in einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Es ist ein klares Signal an die neue Bundesregierung, so die Wirtschaftsvereinigung der Grünen als Auftraggeberin der mehr als 50 Seiten starken Analyse, und macht konkrete Vorschläge. Der Transformationskompass erscheint 2025 bereits zum zweiten Mal und bietet umfassende Orientierung auf den Wegen Richtung Nachhaltigkeit.

Bei der Energie aus Wind und Sonne hat sich die Lage seit 2023 verbessert, so die Unternehmen. Und dies trotz allen Streits in der Ampelregierung. Noch 2023 sahen 31 Prozent hier ein zu geringes Angebot als Hemmnis für die Umsetzung der Transformation, 2025 sagten dies nur noch 19 Prozent. Auch bei der Verfügbarkeit klimafreundlicher Technologien nehmen die Unternehmen eine Verbesserung wahr. 2023 bewerteten 33 Prozent fehlende Technologien als Hemmnis für die Transformation, 2025 war dies nur noch bei 20 Prozent der Fall. Ganz pragmatisch geht es hier offenbar aus Sicht der Unternehmen voran – im Kontrast zu den unzureichenden politischen Rahmenbedingungen. Diese sahen 2023 rund 39 Prozent der Unternehmen als Hemmnis für die Transformation. 2025 stieg dies auf 45 Prozent.

Verbesserungen bei Energie und Technologien – aber Herausforderung der „4D“

„Nachhaltigkeit darf kein abstrakter Anspruch bleiben – sie braucht nachvollziehbare Anhaltspunkte, transparente Indikatoren und eine wirtschaftspolitische Strategie, die Fortschritte messbar macht“, erklärt Gabriele C. Klug, Co-Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Grünen und Initiatorin der Studie. „Der Transformationskompass leistet hierzu einen konkreten Beitrag: Er begleitet die Transformation der Wirtschaft entlang von vier disruptiven Entwicklungen – den 4D der Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und Deglobalisierung. Der neue Transformationskompass zeigt, wie Fortschritt nicht nur gefordert, sondern gestaltet werden kann – auf Basis realer Unternehmensperspektiven und messbarer Entwicklungen. Transformation ist kein gradliniger Prozess. Umso mehr braucht es heute Mut, Kooperation und Klarheit – Transformation gelingt nicht durch Stillstand, sondern durch aktives Handeln.“

Konkret: (1) Nötig ist, bei den erneuerbaren Energien und beim Netzausbau Kurs auf die gesetzten Ziele zu halten statt – wie aktuell diskutiert – zu bremsen. (2) Zugleich muss die Regierung dringend den Rückstand bei nachhaltiger Wärme für Gebäude aufholen. Hierzu muss ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, auch mit Blick auf die kommende europäische Gebäuderichtlinie. (3) Bundeskanzler Friedrich Merz selbst hat sich vielfach für den EU-Emissionshandel ausgesprochen, dies muss dann auch beim ETS2 gelten und umgesetzt werden. (4) Zukunftstechnologien kann die Regierung etwa durch grüne Leitmärkte voranbringen. (5) Unverändert ist die Verwaltungsdigitalisierung einezentrale Priorität. (6) Die demografische Entwicklung erfordert verstärkte qualifizierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. Und (7) es bedarf einer Diversifizierungsstrategie unserer weltweiten Lieferketten. Das alles kann nur in intensivem Dialog mit der Wirtschaft gelingen.   

Unternehmen weiter mit Maßnahmen für Transformation

Die Unternehmen jedenfalls führen ihre Maßnahmen für die Transformation unvermindert weiter. So gehören laut Umfrage Ressourceneffizienz (44 Prozent), die Nutzung von Strom oder Wärme aus erneuerbarer Energie (43 Prozent) und ein emissionsarmer Fuhrpark (39 Prozent) zu den wichtigsten Maßnahmen.

Und das, obwohl insgesamt der Pessimismus unter den Unternehmen zugenommen hat. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich heute zwiegespalten, beinahe Hälfte-Hälfte: Gut 41 Prozent der Unternehmen erklären, ihr Geschäftsmodell an die Transformation anpassen zu können; knapp 56 Prozent aber sehenihr Geschäftsmodell durch die Transformation in Frage gestellt. Auch das zeigt, wie sehr die Politik jetzt gefragt ist.

IW-Chef Hüther: Stagnation, Infrastrukturmängel, geoökonomische Risiken trüben den Blick auf die Transformation

„Die aktuell negative Sicht vieler Unternehmen hat eine ganze Reihe von Gründen: Die jahrelange wirtschaftliche Stagnation, Mängel der Infrastruktur im Land, geoökonomische Unsicherheiten in Ost und West. Risiken werden stärker wahrgenommen, Chancen geringer gewichtet. Das trübt dann auch den Blick auf die Transformation“, erklärt Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, zu der Studie.

„Dabei gilt: Verzögerungen der Transformation mindern die Chancen, sich in neuen globalen Wachstumsmärkten zu positionieren“, so Hüther. „Und natürlich führen Verzögerungen der Transformation auch zu zusätzlichen, teuren Klimarisiken und Umweltschäden für unsere global vernetzte Volkswirtschaft. Wir haben keine Zeitreserven.“

Investitionen durch Sondervermögen können helfen

Tatsächlich hat die Politik mit dem Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz, das zum Zeitpunkt der Unternehmensbefragung im Frühjahr noch nicht absehbar war, einen Anfang gemacht für eine Verbesserung der Bedingungen. Dies gelang auch durch die Unterstützung der Grünen. Nun kommt es auf die Umsetzung an – die Investitionen müssen die Produktivität am Standort erhöhen, von Verkehrsinfrastruktur bis Klimaschutzmaßnahmen.

Mit dem Transformationskompass 2025 legt das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen die zweite umfassende Analyse vor, die systematisch die vielschichtigen Transformationsprozesse zu erfassen sucht. Er schließt an den Transformationskompass 2023 an. Dabei bietet die Studie mit einer Kombination aus makroökonomischen Indikatoren und einem repräsentativen Stimmungsbild aus der Unternehmenspraxis Orientierung für die Gestaltung eines nachhaltigen und resilienten Wirtschaftswandels.

Hier die Studie

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