CCS – in Deutschland ein Tabu, für die Welt eine Chance? Debatte zu Carbon Management

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Nur mit Technologien zum Speichern von CO2 sind die Klimaziele wirtschaftlich zu erreichen. Dafür ist auch das in Deutschland bislang umstrittene Einfangen und Speichern des Treibhausgases eine Option, also Carbon Capture and Storage oder kurz CCS. Das erklärte Professorin Sabine Fuss in der Diskussion mit Vertreter*innen aus Unternehmen und Politik in unserem Format „Wirtschaft wissenschaftlich“. Sie forscht zum Thema Nachhaltiges Ressourcenmanagement an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change.

Bislang sei der Fokus stark auf der Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre durch Landnutzung, vor allem Aufforstung, so die Wissenschaftlerin. Bäume nehmen beim Wachstum das Treibhausgas auf und lagern es in ihre Biomasse ein. Hier gebe es aber erhebliche Risiken: Klimawandelfolgen wie Dürren, Feuer, stärkerer Insektenbefall können dazu führen, dass das eingelagerte CO2 nicht dauerhaft eingelagert sondern wieder freigesetzt wird. Auch die Zusätzlichkeit der CO2-Entnahme ist nicht immer gesichert, wenn etwa Aufforstung landwirtschaftlicher Flächen zu Lebensmittelimporten führt, für die in den Herkunftsländern der Importe Naturflächen zu Agrarland gemacht wird, was dort CO2 freisetzen kann.

Vor allem aber ist das Klimaziel von netto Null Emissionen 2050 ohne die Entnahme und Speicherung von CO2 aus der Luft nicht erreichbar, so die Expertin Sabine Fuss, weil es aus manchen industriellen Prozessen und aus der Landwirtschaft noch Restemissionen gibt. Deshalb sollten eine Reihe technischer Optionen weiterentwickelt werden, darunter CCS. Wegen der erheblichen Kosten und zunächst knappen Kapazitäten sei eine Priorisierung wichtig, inbesondere für industrielle Prozessemissionen. Die dafür nötigen Technologien seien weitgehend bereits vorhanden, so Fuss. Zugleich brauche es aber eine andere Form der Kommunikation zu den Risiken, weil die Technologien vielen Menschen Sorgen machten.

In der Diskussion kam von Mitgliedern aus der chemischen Industrie und der Energiewirtschaft viel Unterstützung dafür, bei CCS und anderen Entnahmetechnologgien für CO2 voranzukommen. Keinesfalls könnten CCS und andere Technologien die umfassende Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen durch den Ausstieg aus fossilen Energien ersetzen, sondern diesen Ausstieg nur unterstützen. Bündnis 90 / Die Grünen haben in ihrem Europawahlprogramm CCS als Punkt aufgenommen, sehr zum Ärger mancher Umweltorganisationen. Auch das Umweltbundesamt aber bereitet einen Report vor. Und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz erarbeitet aktuell eine Carbon Management Strategie.

Link zu Professorin Sabine Fuss

Link zu einschlägiger wissenschaftlicher Veröffentlichung, u.a. mit Sabine Fuss

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05.12.2024
Kreislaufwirtschaft: Investitionen hebeln – über Wahlperioden hinaus
Über Wahlperioden hinaus sollte die Politik den Rahmen für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft verbessern. Hierzu macht die Wirtschaftsvereinigung der Grünen in einem neuen Perspektivenpapier Vorschläge. Die Bundesregierung hat nun die erste Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen – richtige und wichtige Ziele und Maßnahmen, deren Reichweite nun allerdings durch den Regierungsbruch und die Neuwahl begrenzt wird. Gerade deshalb: Mehr Recycling für mehr Unabhängigkeit Deutschlands von Rohstoffimporten ist in jedem Fall auch für die nächste Regierung relevant, zumal Kreislaufwirtschaft auch den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase vermeidet. Für Unternehmen in Deutschland bietet sie große Chancen. Ein Rollback wäre schädlich. An der Entwicklung des Papiers beteiligt war die REWE Group als Mitglied der Wirtschaftsvereinigung. Deren Vorstandsmitglied für Human Resources und Nachhaltigkeit, Daniela Büchel, erklärte: „Die REWE Group begrüßt die übergeordneten Ziele der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, den Einsatz von Primärrohstoffen zu verringern, Stoffkreisläufe zu schließen, die Rohstoffversorgung zu sichern und Abfälle zu vermeiden. In unserem Kerngeschäft stehen die Verpackungen der Produkte in unseren Regalen besonders im Fokus. Wir unterstützen das Vorhaben der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, Mehrweg bei Getränken und darüber hinaus mit einem konkreten Ziel für 2045 weiter zu fördern und begrüßen den Hinweis auf die dringend notwendige Standardisierung in diesem Bereich. Auch Themenfelder wie das Recycling und die Verlängerung der Lebensdauer von Elektrogeräten oder der Einsatz recycelter bzw. recyclingfähiger Baustoffe sind für uns relevant. Bei vielen dieser Vorhaben drängt die Zeit – wir hoffen auf rasche Konkretisierung für eine erfolgreiche Umsetzung.“ Daniel Hager, Aufsichtsratsvorsitzender der Hager Group, die mit 13.000 Beschäftigen smarte Elektrotechnik baut und ebenfalls stark an dem Papier beteiligt war: „Um ein Kreislaufwirtschaftssystem zu etablieren, braucht es Mut zur Veränderung, Innovationskraft und vor allem Zusammenarbeit – innerhalb des Unternehmens, mit unseren Partnern und in der gesamten Branche. Nachhaltigkeit und insbesondere Kreislaufwirtschaft sind keine Einzelprojekte, sondern eine gemeinsame Mission, die uns wirtschaftlich stärkt und zugleich unsere Verantwortung für die Zukunft unterstreicht. Nachhaltigkeit ist bei Hager nicht nur ein Anspruch, sondern schon immer ein fester Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Mit unserer etablierten Nachhaltigkeitsstrategie setzen wir bereits heute Maßstäbe für eine umweltfreundliche Zukunft. Kreislaufwirtschaft die sich marktwirtschaftlich rechnet, eröffnet dabei enorme Chancen: Indem wir Ressourcen effizienter nutzen und Materialien im Kreislauf halten, schaffen wir nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch wirtschaftlichen Mehrwert.“ Hier das Papier
Allgemein
27.06.2025
„Grüne Ideen aus der Mitte der deutschen Wirtschaft“: Wolff und Haeusgen an die Spitze der Vereinigung gewählt
Dr. Marie-Luise Wolff und Karl Haeusgen sind neue Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Grünen. Die beiden Unternehmerpersönlichkeiten wurden bei der heutigen (27.06.2025) Mitgliederversammlung der Wirtschaftsvereinigung in Berlin mit überwältigender Mehrheit an die Spitze des zehnköpfigen Vorstands gewählt. „In Zeiten globaler Verwerfungen und umgreifender Verunsicherung braucht es gerade in der Wirtschaftspolitik eine starke, progressive Stimme. Dafür ist die Wirtschaftsvereinigung der Grünen der richtige Ort. Wir werden im Dialog mit unseren Mitgliedsunternehmen für die Stärkung der Wirtschaftsstandorte Deutschland und Europa streiten“, so Wolff und Haeusgen nach ihrer Wahl. „Die Deutschen verharren manchmal in der Problembewunderung – wir brauchen mehr Lösungsfreude“, sagte Wolff, CEO des Energieanbieters Entega. Sie war bis vor einem Jahr Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Statt Lagerdenken braucht es offenen Austausch. Genau dafür treten wir an, genau dafür ist die Wirtschaftsvereinigung der Grünen da. Zukunftsfähige Politik braucht die Perspektiven aus den Unternehmen, braucht wirtschaftlichen Sachverstand.“ „Stagnation können wir uns nicht leisten, weder wirtschaftlich noch mit Blick auf die Klimakrise,“ erklärte Haeusgen, Aufsichtsratschef und Mehrheitseigner von HAWE Hydraulik und war bis vor einigen Monaten Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Transformation ist das Gegenteil von Stagnation. Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit sind eine starke Kombination. So machen wir den Standort Deutschland doppelt zukunftsfest, für uns und für unsere Kinder und Enkel.“ Haeusgen selbst ist Enkel des Gründers seines Familienunternehmens. „Wir stehen alle miteinander in der Verantwortung für Generationen – ganz besonders die neue Bundesregierung“. Grünen-Chefin Brantner: „Freue mich sehr auf die Zusammenarbeit“ „Mit Marie-Luise Wolff und Karl Haeusgen an der Spitze werden zwei sehr erfahrene Unternehmer die Grüne Wirtschaftsvereinigung führen“, sagte die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Franziska Brantner. „Ihr Blick aus der Praxis gepaart mit einem breiten Blick auf die unterschiedlichen Branchen unserer Wirtschaft wird wertvolle Impulse liefern und die Wirtschaftsvereinigung zu einem bereichernden Austauschort für grüne Wirtschaftspolitik machen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand!“ Die Wirtschaftsvereinigung ist kein Teil der Partei, sondern ein unabhängiger Verein, ähnlich wie der Wirtschaftsrat der CDU oder das Wirtschaftsforum der SPD. Bündnis 90/Die Grünen sind unser direktes Gegenüber in der Politik, zugleich suchen wir den Austausch mit allen demokratischen Kräften. Erfolgsgeschichte: Mehr als 260 Mitglieder, von SAP bis Mittelstand Nach erfolgreich vollendeter Fusion der zuvor zwei grün-nahen Verbände legen deren Gründer die Wirtschaftsvereinigung nun in neue Hände, sie traten nicht erneut für den Vorsitz an. „Wirtschaft und Grüne zu verbinden war und ist unser Ziel, einiges haben wir bereits geschafft, aber unsere Initiative gilt es noch weiterzuentwickeln“, so Dr. Thomas Gambke, Unternehmer und ehemaliger Bundestagsabgeordneter. „Wichtige Impulse zur Lösung komplexer Fragen kamen und kommen aus dem Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft – für Innovation und wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Gabriele C. Klug, Rechtsanwältin und Kämmerin a.D.. Beide waren Gründungsvorsitzende des Wirtschaftsdialogs und nach der Verschmelzung Co-Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung. Mehr als 260 Mitglieder hat die Wirtschaftsvereinigung heute, von SAP und RWE bis Mittelstand, und ihre Zahl und Wirkung wächst weiter: Eine Erfolgsgeschichte. „Ich möchte, dass öffentlich noch stärker sichtbare Führungspersönlichkeiten an der Spitze der Wirtschaftsvereinigung stehen – und zugleich möchte ich persönlich mich stärker wieder um inhaltliche Themen kümmern und mit diesen Wirkung entfalten. Deshalb bin ich nicht mehr als Vorsitzender angetreten, und übernehme zugleich weiterhin Verantwortung im Vorstand“, sagte Dr. Thomas Fischer, Gründer der Wirtschaftsvereinigung und CEO der Allfoye. Ebenfalls Mitglied im Vorstand bleibt Heike Discher, auch sie Vorstandsvorsitzende der ersten Stunde, CEO der Digital Classroom Group. „Konstruktiv und pragmatisch sein, vieles besser machen statt alles schlecht reden, das wollen wir als Wirtschaftsvereinigung der Grünen.“ In den neuen Vorstand gewählt wurden außerdem Stephan Beyer, Gründer mehrerer Start-Ups und heute CFO bei Dryad Networks; der freie Berater und Start-Up-Investor Ulrich Blessing; die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Barbara Hoffmann; Tatiana Ohm, COO bei Randstad Enterprise Talent Solutions; Volker Ratzmann, Executive Vice President Corporate Public Affairs der DHL Group; und Heidi Schiller, Mitglied der Geschäftsleitung bei Bäcker Schüren.
Pressemitteilung
11.12.2025
Reform der Erbschaftssteuer
Wie lassen sich bei der Erbschaftssteuer Steuergerechtigkeit und Staatseinnahmen, Liquidität und Investitionsfähigkeit der betroffenen Familienunternehmen und auch eine gelingende Nachfolge im Betrieb gut zusammen bringen? Katharina Beck als finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, unsere Mitglieder sowie Mitglieder der Stiftung Familienunternehmen besprachen gestern diese wichtigen Fragen. Das Bundesverfassungsgericht wird sich in den kommenden Monaten zur Erbschafts- und Schenkungssteuer äußern – eine Neuregelung könnte erforderlich werden. Bislang wird viel über Ausnahmetatbestände geregelt. Diskutiert wurde bei uns: Inwieweit kann eine Stundung der Steuerschuld nützen? Sind Lebensfreibeträge ein sinnvoller Ansatz? Wie kann die Re-Investition von Erträgen gesichert werden? Können Investitionen von der Steuerschuld abgezogen werden? Wie wird die Erbschaftssteuer angemessen berechnet… …und wie eventuell mit anderen Steuern verrechnet? Was sind Möglichkeiten und Grenzen von Flat-Tax-Ansätzen? Beim DIW Berlin hat die grüne Bundestagsfraktion hierzu auch eine Studie erstellen lassen – 100 Seiten, deren Lektüre sich lohnt. Einigkeit herrschte, dass neben der volkswirtschaftlichen Perspektive gezielt auch die betriebswirtschaftliche abgefragt werden muss. Genau dies ist das Anliegen von Katharina Beck. Gegen Schnellschüsse, für Praxisnähe. Für das bestmögliche Dilemma-Management. Für eine Regelung, die beiden gerecht wird: den Unternehmen und die Gemeinschaft der Steuerzahlenden.
Arbeitsmarkt und Demografie