Arbeitskräftepotenzial in Deutschland mobilisieren: Perspektivenpapier

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Um die wachsende Arbeitskräftelücke zu schließen und Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, müssen Politik und Wirtschaft mehr zusammenarbeiten. Der demografische Wandel wird diese Lücke weiter vergrößern. Sinnvoller als unliberale Rufe nach Vorschriften für längere Wochenarbeitszeiten wäre, die Erwerbsquoten von Frauen und Älteren zu erhöhen, wodurch bis 2035 zusätzliche 3,4 Millionen Erwerbspersonen gewonnen werden könnten. Wichtige Maßnahmen sind hier flexiblere Arbeitszeitenregime, bessere Kinderbetreuung, steuerliche Anreize und Digitalisierung. Zuwanderung von Fachkräften und die raschere Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt bleibt dabei weiter nötig – die Herausforderung ist, aus vielen kleinen Beiträgen den großen Schub für das Arbeitskräftepotenzial zu schaffen.

Hierzu hat das Kompetenzcluster Arbeitsmarkt der Wirtschaftsvereinigung der Grünen jetzt ein Perspektivenpapier veröffentlicht. Aus Sicht der Unternehmen gibt es eine ganze Reihe von möglichen Maßnahmen, um das inländische Potenzial von Arbeitskräften zu mobilisieren:

– Mehr Anreize für längere freiwillige Beschäftigung Älterer
– Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit durch bessere Rahmenbedingungen
– Arbeitszeit zurückgewinnen durch Digitalisierung, KI und Automatisierung
– Flexible Arbeitszeitenmodelle fördern statt starrer Vorschriften

Ansätze wie diese wurden am Tag nach der Veröffentlichung des Papiers auch beim Fachkräftekongress der grünen Bundestagsfraktion diskutiert, mit Gästen wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und vielen anderen.

Hier das siebenseitige Papier: WVG_Perspektivenpapier_Arbeitskraefte.pdf

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30.05.2026
Resilienz des Industriestandorts – IM/PULS-Konferenz von Bündnis 90/Die Grünen
Wie können Automatisierungen und neue Materialstrategien die Resilienz des Industriestandorts stärken? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Session „Industrie im Stresstest“ der Wirtschaftsvereinigung der Grünen auf der IM/PULS-Konferenz von Bündnis 90/Die Grünen. Gemeinsam mit Britta Jacob von ARX Robotics und Manuel Oberneder von Flender diskutierte unser Hauptgeschäftsführer Martin Kaul über die Voraussetzungen für eine widerstandsfähige und zukunftsfähige Industrie. Einigkeit bestand insbesondere darüber, dass Forschung und Entwicklung stärker gefördert und bürokratische Hürden in Genehmigungs- und Beschaffungsverfahren abgebaut werden müssen. Die Praxisbeispiele der Unternehmen verdeutlichten das Potenzial:  Flender arbeitet daran, die Abhängigkeit von seltenen Erden bei Windturbinen deutlich zu reduzieren. Bereits heute konnte der Einsatz dieser Rohstoffe von rund 2.100 Kilogramm auf 180 Kilogramm gesenkt werden. Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit in der europäischen Energieversorgung. ARX Robotics entwickelt in Deutschland Software und Bodendrohnen, die dann in Europa gebaut werden. So schafft das Unternehmen mit hoch modernen Produkten einen Beitrag für mehr technologische Unabhängigkeit für Deutschland und Europa – und sorgt letztlich für mehr Sicherheit für den Standort. Die Diskussion machte deutlich: Resilienz entsteht durch Innovation, technologische Kompetenz und die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Forschung, Investitionen und schnellere Verfahren sind entscheidende Voraussetzungen, damit Unternehmen ihre Potenziale entfalten und Europas wirtschaftliche Unabhängigkeit stärken können.
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit
01.06.2026
„Das brauchen wir: Fortschritt“ -Karl Haeusgen im Gespräch mit RND
Unser Vorsitzender Karl Haeusgen hat mit dem Redaktions Netzwerk Deutschland (RND) über die Zukunft des Industriestandorts Deutschland, die Herausforderungen durch China und die Bedeutung von Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität gesprochen. Trotz aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen sieht Haeusgen die Stärken des Standorts Deutschland weiterhin als entscheidenden Wettbewerbsvorteil: „In Deutschland überwiegen die Standortvorteile die Nachteile immer noch deutlich.“ Als Beispiele nennt er das Rechtssystem, die Konsensfähigkeit, das Bildungssystem sowie das starke Netzwerk technologisch führender Unternehmen. „Daran müssen wir weiter arbeiten, aber wir können auch stolz darauf sein.“ Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb bezeichnet Haeusgen China als „die größte Herausforderung für unsere produzierende Industrie“, insbesondere aufgrund der „einseitig gestaltenden, nationalisierenden und protektionistischen Industriepolitik Chinas“. Daraus ergibt sich für ihn die zentrale Frage nach den künftigen Stärken des Standorts: „Welche Alleinstellungsmerkmale, welche Differenzierungspotenziale können wir heben oder neu entwickeln?“ Die Antwort sieht er in einer tragfähigen Transformation: „Die Verbindung von Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität. Wenn die als Chance und nicht als Gegensatz begriffen wird, ergeben sich Differenzierungschancen.“ Zugleich warnt Haeusgen vor fehlender Investitionssicherheit: „Niemand weiß so recht, unter welchen Rahmenbedingungen wir in Europa und Deutschland arbeiten. Das ist mit der derzeitigen Bundesregierung schwieriger geworden.“ Auch beim Emissionshandel plädiert er für Verlässlichkeit: „Der ist marktbasiert, technologieoffen, kosteneffizient. Man kann da an Schrauben drehen. Aber man darf das System jetzt nicht demontieren – wegen des Klimas nicht, aber auch wegen der Planungssicherheit nicht.“ Vielen Dank für das Gespräch an Stefan Lange!   Hier geht es zum vollständigen Interview von RND.
Standortpolitik, Infrastruktur und Europa
10.10.2023
Lieferkettengesetz und Zollunion: Debatte #1 zur Außenwirtschaft – Kompetenzcluster gegründet
Die geopolitischen Risiken wachsen, für die Politik wie auch für Unternehmen. Die Wirtschaftsvereinigung der Grünen hat jetzt ihr Kompetenzcluster Außenwirtschaft gegründet. Leiter ist Volker Ratzmann, Vorstandsmitglied der Vereinigung und Executive Vice President Corporate Public Affairs bei der DHL Group, ehemals Deutsche Post. Zum Auftakt diskutierten die Mitglieder aus den Unternehmen mit den Grünen Anna Cavazzini, die im Europäischen Parlament Vorsitzende des Binnenmarktausschusses ist, und Maik Außendorf aus dem Bundestag. Thema war das deutsche und das europäische Lieferkettengesetz sowie die geplanten Regelungen zur Zollunion. Bislang gebe es keine echte Zollunion, betonte Cavazzini. Ziel sei, die Regelungen zu vereinheitlichen und damit auch für Unternehmen besser handhabbar zu machen, insbesondere für Mittelständler. Zugleich solle sicher gestellt werden, dass weniger Produkte nach Europa kommen, die nicht den europäischen Standards entsprechen. Auf dem Tisch liegen nun Vorschläge für eine EU-Zollbehörde, für besseren Datenaustausch, für die Stärkung von ‚trusted traders‘, und für den Entfall der 150-Euro-Schwelle. Nach Anfangsinvestitionen vor allem in IT soll dies Unternehmen nennenswert Aufwand ersparen. Noch sei dies alles im Prozess, so Cavazzini, und sie freue sich über Hinweise aus den Unternehmen. Das Lieferkettengesetz solle die Firmen schützen, die sauber arbeiten, gegenüber denen, die sich mit unsauberen Lieferketten Wettbewerbsvorteile erschleichen, erklärte Außendorf. Auf jeden Fall müsse nun aber vermieden werden, dass es 2024 durch die deutsche und die europäische Regelung zu doppelten Berichtspflichten kommt. Wichtig sei, dass Unternehmen bei der Prüfung ihrer Lieferketten eine Priorisierung vornehmen können, hieß es von Seiten der Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung. Bei hunderten oder tausenden zu prüfenden Zulieferern müssten Unternehmen sich auf die wichtigsten konzentrieren können, dafür gebe es bislang keine Rechtssicherheit. Offen sei, wie Poollösungen hinzukriegen sind, auch für Mittelständler. Ein Problem seien auch falsche Angaben von Lieferanten. Problematisiert wurden aufwändige Abfragen des Bundesamts für Wirtschaft und Außenkontrolle. Begrüßt wurde grundsätzlich die Schaffung eines einheitlichen Zollraums, und hier auch das Prinzipt der ‚trusted traders‘, für die der Aufwand sinken soll.
Geoökonomie, Resilienz und Sicherheit